Schweizer Venture Capital 2025: Vom Krisenmodus zurück auf Wachstum

SECA und startupticker.ch stellen Report vor

Investments in Schweizer Start-ups zogen im letzten Jahr wieder an (c) SECA/startupticker.ch
Investments in Schweizer Start-ups zogen im letzten Jahr wieder an (c) SECA/startupticker.ch

Bildnachweis: SECA/startupticker.ch.

Der Schweizer Venture-Capital-Markt hat 2025 die Wende geschafft. Nach zwei Jahren Rückgang flossen wieder deutlich mehr Mittel in wissensbasierte Jungunternehmen. Insgesamt investierten nationale und internationale Kapitalgeber im Zuge von 354 Finanzierungsrunden 2,95 Mrd. CHF – ein Plus von 23,9% gegenüber dem Vorjahr. Damit erreicht die Schweiz wieder das Niveau von 2021, bleibt jedoch unter dem Rekordjahr 2022 wie SECA und startupticker.ch in ihrem Jahresrückblick zeigen.

„Wir haben eine klare Trendwende nach zwei Jahren“, sagte Stefan Kyora, Startupticker.ch bei der Pressekonferenz am Dienstag, 3. Februar 2026. Der investierte Betrag liege „historisch gesehen auf einem hohen Niveau“ – „bis dreimal so hoch wie vor zehn Jahren“. Bemerkenswert: Die Anzahl der Finanzierungsrunden bleibt nahezu stabil. Kyora sprach von „weiter auf der Höhe von etwa 350“ – ein Signal, dass nicht nur einzelne Mega-Deals, sondern eine breite Aktivität im Markt das Bild prägt.

ICT-Comeback und Biotech als Kapitalmagnet

Ein Blick auf die Branchentrends aus dem Jahr 2025 zeigt einen besonders starken ICT-Sektor. Dieser legte beim investierten Kapital um rund 145% zu, was laut Thomas Heimann, SECA, eine „starke Erholung“ beschreibt. Gleichzeitig setzte Biotech ein Ausrufezeichen: Mit 946 Mio. CHF erreicht der Sektor ein Allzeithoch. Dagegen blieben Fintech und Cleantech hinter den Erwartungen zurück. Während Fintech stabilisiert wirkte, fehlten im Cleantech die großen Runden – ein Drittel des gesamten Cleantech-Volumens entfiel auf den Climeworks-Deal.

Rekord im Early Stage

Ein zentraler Befund des Reports: Die Frühphase boomt. Early Stage erreicht mit 1,116 Mrd. CHF ein Rekordniveau, Seed steigt ebenfalls. Heimann formulierte es klar: „Die Risikofreudigkeit der Investoren nahm zu.“ Damit verschiebt sich auch die Struktur der größten Deals: Unter den Top-20-Runden finden sich 2025 deutlich mehr Early-Stage-Transaktionen als im Vorjahr. Gleichzeitig bleibt die Schweiz breit aufgestellt: In den größten Runden sind viele Branchen vertreten – von Biotech über Fintech bis Robotics. Kyora sprach von einem „sehr diversen“ Bild und hob „relativ viele Robotik Start-ups“ unter den Top 20 hervor.

Regionale Konzentration: Zürich dominiert, Basel überrascht

Regional zeigt sich eine starke Konzentration. Zürich zieht 2025 wieder mehr als 1 Mrd. CHF an und erreicht 1,19 Mrd. CHF (+89,5%). Kyora betonte, Zürich liege damit „wieder klar über 1 Milliarde“ und bei rund 40% Marktanteil. Basel-Stadt markiert einen neuen Rekord: 572 Mio. CHF – nahezu vollständig Biotech-getrieben. Die Studie spricht von einem „new record in Basel-Stadt“. Insgesamt fließen fast 90% des Kapitals in die Top-4-Kantone – ein Konzentrationsgrad, der 2025 nochmals zunimmt.

Exits: niedriges Niveau – aber milliardenschwere Ausnahmen

Trotz Investment-Aufschwung bleibt die Exit-Aktivität insgesamt verhalten. Kyora ordnete ein: „Die Exit Aktivität war 2025 grundsätzlich auf niedrigem Niveau.“ Dennoch gab es ein wichtiges Signal: Rekorde bei großen Exits, darunter mehrere Transaktionen über 100 Mio. CHF sowie zwei Deals jenseits der Milliardenmarke.

Strukturproblem bleibt: Institutionelle Investoren fehlen

Ein kritischer Punkt bleibt die Kapitalbasis. In der Fragerunde rückte insbesondere die Rolle der Pensionskassen in den Fokus. Heimann lieferte einen harten Vergleich: In der Schweiz seien „0,1%“ der institutionellen Allokation in Venture Capital investiert – in den USA dagegen „2%“. Zugleich sieht der Markt Bewegung: Die Zahl der offenen Fonds liegt bei rund 50, neue Teams drängen in den Markt. Der Report deutet damit auf einen sich verstärkenden Zyklus hin: Fundraising, Investitionen, Exits und Reinvestments könnten ab 2026 wieder schneller ineinandergreifen.