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In München fand bei frühlingshaften Temperaturen das dritte Treffen des Munich Innovation Ecosystem statt. Die Veranstaltung in den Räumen der IHK für München und Oberbayern war als exklusives Format konzipiert. Über 300 Teilnehmende aus den Bereichen Start-up, Industrie und Wissenschaft kamen zusammen. Auch Vertretende der öffentlichen Hand und Investoren nahmen an dem Treffen teil.
Im Mittelpunkt stand die Zusammenarbeit über verschiedene Branchensilos hinweg. Die Teilnehmenden diskutierten über die schnelle Übersetzung von KI-Exzellenz in wirtschaftliche Wertschöpfung. Das Atrium der Kammer war über den gesamten Tag vollständig gefüllt. Das Leitbild der Veranstaltung lautete Innovating in the Age of AI: Shaping Positive Futures. Statt abstrakter Rhetorik prägten operative Fragestellungen die Debatten im Saal. Es ging um die Entwicklung technologischer Spitzenleistungen hin zur strukturellen Wettbewerbsfähigkeit.
Die Geschäftsführerin des Veranstalters, Frizzi Engler-Hamm, bezeichnete das Treffen in einem Statement als hochrangig und arbeitsorientiert. Laut ihrer Einschätzung herrschte unter den Gästen ein spürbarer Optimismus vor. Viele Gespräche konzentrierten sich auf konkrete nächste Schritte der Kooperation. Ein zentrales Thema war der Transfer von Erkenntnissen aus der Wissenschaft in die freie Wirtschaft. Zudem wurde die Sichtbarkeit Münchens als internationaler Innovationsstandort thematisiert. Das sonnige Frühlingswetter begleitete den intensiven Austausch der Experten.
Interaktive Impulse und neue Perspektiven im Alltag
Das Programm startete mit einem Impuls des Innovationsexperten Dr. Frederik G. Pferdt. Er war in der Vergangenheit unter anderem für das Unternehmen Google tätig. Sein Beitrag zielte darauf ab, die Teilnehmenden aus gewohnten Denkmustern zu lösen. Er wählte für seine Ausführungen ein interaktives Workshop-Format. Ein weiterer viel beachteter Beitrag stammte von Emily Kate Genatowski. Sie berichtete von ihren Erfahrungen aus einem Jahr des Zusammenlebens mit einem humanoiden Roboter. Dieser Roboter ist fester Bestandteil ihres privaten Alltags und der Öffentlichkeit.
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Nach ihrer Einschätzung ist eine solche Maschine nie nur ein reiner Assistent. Sie nimmt je nach Kontext unterschiedliche Rollen ein. Dies führe zu komplexen Fragen bei den geltenden Regeln. Ein Roboter könne im Bus ein Gepäckstück und im Café ein Helfer sein. Bei einem Sturz in der Bahn entstehe sofort ein komplizierter Haftungsfall. Laut Genatowski sind aktuelle Systeme auf Personen oder Dinge ausgerichtet. Für Akteure zwischen diesen Welten fehlten bislang klare rechtliche Kategorien. Sie erklärte zudem, dass sie den Roboter oft weniger Aufgaben erledigen lasse als technisch möglich. Dies geschehe häufig aus Gründen der Haftung oder zum Schutz der Privatsphäre von Kindern. Der inspirierende Vortrag brachte die Debatte über KI in eine sehr konkrete Form.
Sicherheitstechnologien und geopolitische Einordnung
In einem prominent besetzten Panel diskutierten Experten über die Bedingungen für das Wachstum junger Unternehmen. Zu den Teilnehmern gehörten Manfred Gößl, Hauptgeschäftsführers bei der IHK für München und Oberbayern und der Staatssekretär Tobias Gotthardt, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie. Moderiert wurde die Runde von Professor Matthias Notz, Global CEO der Start2 Group. Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf dem Bereich der Verteidigungstechnologien. Die Region München gilt aufgrund historischer Betriebe wie MTU und MBB als gewachsenes Zentrum dieses Sektors. Mittlerweile haben sich dort bedeutende Start-ups wie Helsing angesiedelt. Auch die Firmen Quantum System und Arx Robotics wurden als Beispiele genannt. Die Teilnehmenden waren sich einig, dass dieser Bereich weiter ausgebaut werden müsse. Defense-Tech wurde als entscheidendes Zukunftsfeld für die gesamte Region identifiziert. Neben der Standortlogik spielte die geopolitische Einordnung eine wichtige Rolle. Es herrschte Konsens über die Notwendigkeit der Förderung von Verteidigungstechnologien. Dies diene primär dem Schutz demokratischer Systeme. Das Panel betonte das aktuelle Momentum im Sektor für Drohnen und Sicherheit. Die Zusammenarbeit zwischen etablierter Industrie und jungen Technologiefirmen sei hierbei essenziell.
Herausforderungen beim Transfer von Forschung in den Markt
Eine weitere Diskussionsrunde befasste sich mit dem Weg vom Labor bis zum Markteintritt. Hierzu äußerten sich Prof. Helmut Schönenberger, Vice President Entrepreneurship der TUM, und Dr. Philipp Baaske, Vizepräsident für Entrepreneurship an der LMU München. Ebenfalls auf dem Podium vertreten war Romy Schnelle Geschäftsführerin beim High-Tech Gründerfonds. Laut Schönenberger agieren amerikanische Akteure oft mit deutlich höherem Zeitdruck als europäische Institutionen. Schnelle kritisierte die Dauer von Prozessen beim Transfer von geistigem Eigentum. Transferstellen müssten nach ihrer Ansicht deutlich unternehmerischer agieren. Baaske merkte an, dass es oft keinen standardisierten Prozess gebe. Er stellte fest, dass in bürokratischen Strukturen häufig derjenige gewinnt, der Nein sagt.
Eine Zusammenlegung von Erfindungsmeldung und Transfer unter eine Zuständigkeit sei für dieses Jahr geplant. Schnelle betonte zudem die Bedeutung einer neuen Gründungskultur. Das Gründen eines Unternehmens müsse zur Normalität in der beruflichen Laufbahn werden. Der Ambitionslevel der Beteiligten sei ein entscheidender Faktor für den Erfolg. Schönenberger verglich die Situation mit der Stanford University in den USA. Er beschrieb diese als kommerzielle Maschine mit massiven Ressourcen. Professoren seien dort stärker durch die Notwendigkeit zur Einwerbung von Drittmitteln getrieben.

Diese Härte im Anspruch müsse man in Deutschland erst noch lernen. Baaske ergänzte, dass viele Menschen darauf konditioniert seien, Risiken primär zu verhindern. Dies behindere den Fortschritt der Innovationen massiv. Da deutsche Universitäten staatlich finanziert sind, müssen sie nicht zwingend selbst Geld verdienen. Erfolgreiche Ausgründungen würden dem Staat jedoch langfristig hohe Steuereinnahmen zurückgeben. Start-ups müssten die Universität schnell verlassen, um sich am Markt zu behaupten.
Kapitalbedarf und internationale Wettbewerbsfähigkeit
Das Ökosystem rund um die Technische Universität zieht viele Gründer an. Es dauert jedoch oft ein Jahrzehnt, bis signifikante Steuerzahlungen durch diese Firmen fließen. Schnelle bezeichnete den High-Tech Gründerfonds ebenfalls als wichtiges Ökosystem. Die Bündelung der Kräfte sei notwendig, um völlig neue Industrien aufzubauen. Schönenberger sieht derweil große Probleme auf die klassische Industrie zukommen. Viele junge Unternehmen wandern frühzeitig in das Ausland ab. Dabei nehmen sie oft wertvolle Fachkräfte mit sich. In der Region bestehe ein jährlicher Bedarf an Risikokapital zwischen 10 Mrd. EUR und 20 Mrd. EUR. Es wurde Kritik am Umgang mit dem Unternehmen Lilium laut. Das lokale System habe das Scheitern in diesem Fall nicht verhindert.
Die Frage nach einer leitenden Architektur für den Standort Deutschland blieb im Raum stehen. Engler-Hamm wurde als mögliche Architektin für diese Aufgabe vorgeschlagen. München sollte nach Meinung der Diskutanten eine klare Führungsrolle übernehmen. In ihrem Nachbericht betonte Engler-Hamm die enorme Energie der Veranstaltung. Es mangele in Deutschland weder an wissenschaftlicher Exzellenz noch an Kapital. Es fehle jedoch eine konsistente Architektur von der Forschung bis zur Skalierung. Das Programm AI Nation zeige bereits erste strukturelle Veränderungen. Über 250 Teams wurden unterstützt und mehr als 1.700 Arbeitsplätze geschaffen. Seit dem Jahr 2021 wurden über 210 Mio. EUR an Kapital eingesammelt. Die Überlebensrate der geförderten Teams liegt bei ungefähr vier Fünfteln. Allein im Januar gingen mehr als 350 neue Bewerbungen ein.
Exzellenz in europäischen Rankings
Im aktuellen Ranking der Financial Times belegen bayerische Institutionen Spitzenplätze. Die Start2 Group erreichte in der Auswertung für das Jahr 2026 den zweiten Platz in Europa. Das entspricht einer Verbesserung um einen Rang im Vergleich zum Vorjahr. Zusätzlich belegt das Unternehmen den ersten Platz in den Kategorien Netzwerkstärke und Erfolg der Alumni. Das Ranking entsteht in Zusammenarbeit mit den Datenexperten von Statista und dem Portal Sifted. Bewertet wurden insgesamt mehr als 180 Einrichtungen in ganz Europa. Bayern nimmt bei der Förderung junger Unternehmen eine führende Rolle ein. Drei der besten Förderzentren haben ihren Sitz im Freistaat. Die Institution UnternehmerTUM belegte zum dritten Mal in Folge den ersten Platz. Sie sammelte die meisten Punkte in der Gesamtbewertung. Die Organisation BayStartUP aus Nürnberg sicherte sich den dritten Platz. Besonders gewürdigt wurde deren Kompetenz bei der Vernetzung in der Frühphase. Die Untersuchung deckte insgesamt 25 europäische Länder ab. Zu den Kriterien gehörten die Qualität der Mentoren und die Ausstattung der Labore. Auch die internationale Vernetzung der Hubs floss in die Bewertung ein. Die Ergebnisse unterstreichen die Position Bayerns als führender Standort für Innovationen in Europa.
Entwicklung der veranstaltenden Organisation
Die Organisation hinter dem Meetup wurde im Jahr 2015 gegründet. Zwischen 2016 und 2018 veranstaltete sie jährlich den Munich Summit. Dieses kuratierte Event brachte rund 400 Teilnehmende aus der globalen Tech-Szene zusammen. Workshops und Pitches förderten damals bereits internationale Partnerschaften. Im Jahr 2021 folgte die Initiative AI+MUNICH. Hierbei arbeiteten die SCE, die TUM Venture Labs und der MUC Summit zusammen. Ziel war die Positionierung Münchens als globaler Knotenpunkt für künstliche Intelligenz.
Die Forschung und die Zusammenarbeit zwischen Konzernen und Start-ups wurden intensiviert. Im Jahr 2023 schärfte die Organisation ihre Vision unter dem heutigen Namen. Die Kooperation zwischen Forschungseinrichtungen und Unternehmen wurde weiter verstärkt. Das erste offizielle Meetup in der neuen Struktur fand im Jahr 2024 statt. Es diente der Diskussion strategischer Prioritäten im Ökosystem. Zeitgleich wurde das Projekt AI Nation gestartet. Es entstand aus der Fusion bestehender Initiativen zur Beschleunigung der KI-Revolution. Der Fokus liegt auf der Identifizierung vielversprechender Start-ups in ganz Deutschland. Die Förderung umfasst den Transfer von Innovationen und das Wachstum im Deeptech-Bereich. Das Munich Innovation Ecosystem fungiert heute als unabhängiges und sektorübergreifendes Forum. Es vernetzt die entscheidenden Akteure für den Wirtschaftsstandort Bayern.




