Nachhaltige ­Alternative zu Mikroplastik

Bioweg: Produktionsanlage im industriellen Stil geplant

Viktoria Vorwachs (NBank Capital), Nikolaj Klebert (BonVenture) und Dr. Prateek Mahalwar (Bioweg)
Viktoria Vorwachs (NBank Capital), Nikolaj Klebert (BonVenture) und Dr. Prateek Mahalwar (Bioweg)

Mikroplastik ist eines der größten Umweltprobleme unserer Zeit. Die winzigen Kunststoffpartikel gelangen über Konsumgüter und industrielle Prozesse in Böden, Flüsse und Meere – und schließlich in unsere Nahrungskette. Sie bauen sich nur sehr langsam ab, belasten unsere Ökosysteme und unsere Gesundheit. Die Industrie steht zunehmend unter Druck, Alternativen zu finden.

Hier setzt das Start-up Bioweg aus Quakenbrück in Niedersachsen an. Es entwickelt biobasierte und biologisch abbaubare Inhaltsstoffe, die Mikroplastik und schädliche Chemikalien in Kosmetik, Körper- und Haushaltspflege sowie in der Landwirtschaft ersetzen. „Wir ermöglichen Herstellern, ihre Formulierungen nachhaltiger zu gestalten, ohne Kompromisse bei der Produktqualität einzugehen“, sagt Gründer und CEO Dr. Prateek Mahalwar. Als Beispiel nennt er Feuchtigkeitscreme. Konventionelle Formulierungen basierten oft auf Polyacrylaten, die Viskosität erzeugen und das Produkt stabilisieren. „Dieses fossile Mikroplastik ersetzen wir durch einen Inhaltsstoff auf Basis bakterieller Cellulose“, so Mahalwar, „das Ergebnis ist eine nachhaltigere Formulierung mit reicher Textur, hoher Stabilität und verbessertem sensorischem Profil.“ Ergänzend arbeitet Bioweg mit Kunden zur individuellen Anpassung der Formulierungen zusammen. „Wir helfen Unternehmen dabei, unsere Lösungen in die Endprodukte zu integrieren, und beschleunigen so deren Einführung“, erklärt Mahalwar.

Industrielle Lösungen mit ökologischem Impact

Vor der Gründung suchte er als Managementberater nach Alternativen zu Mikroplastik: „Die verfügbaren Lösungen brachten nicht die nötige Leistung und Kosteneffizienz.“ Gemeinsam mit Mitgründer Srinivas Karuturi begann er 2019, wirtschaftlich tragfähige Lösungen zu entwickeln, und legte so den Grundstein für Bioweg. Die Anfangsjahre finanzierten die Gründer selbst, ergänzt durch Fördermittel und Frühphasenrisikokapital. „Der Aufbau eines Deeptech-Unternehmens erfordert Investoren mit langfristiger Perspektive“, so Mahalwar. Der strategische Fit sei so wichtig wie das Kapital selbst. Im August 2025 schloss das Team die Series A-Finanzierung in Höhe von 16 Mio. EUR ab, unter anderem mit NBank Capital. „Bioweg verfolgen wir seit Jahren“, sagt Beteiligungsmanagerin Viktoria Vorwachs, „das starke Team, die Technologie und das wirtschaftliche Potenzial haben uns überzeugt.“ Das Start-up passe auch zum Agrarland Niedersachsen und Portfolio-Start-ups wie Skyseed, Lignopure oder Phaeosynt, mit ebenso starkem ökologischem Impact. Auch BonVenture aus München ist investiert. „Bioweg adressiert ein Umweltproblem mit einer marktfähigen, skalierbaren Lösung, und das trifft genau unseren Investmentfokus“, so Investment Director Nikolaj Klebert. Den Impact misst er daran, wie wirksam Bioweg mikroplastikbasierte Stoffe ersetzt. „Entscheidend ist für uns nicht nur die technologische Lösung, sondern auch, wie breit sie in industriellen Anwendungen zum Einsatz kommt.“ Die Finanzierung habe den Schritt zum industriellen Scale-up mit einem kommerziellem Produktportfolio ermöglicht, so Vorwachs. Allein im ersten Quartal wuchs das Team um zehn Personen. In den Bereichen Vertrieb, Marketing und Finanzen wurden Schlüsselpositionen für das weitere Wachstum besetzt. Heute zählt Bioweg 40 Mitarbeitende.

Regulatorischer Rückenwind

Die bislang größte Hürde, die Lücke von Laborinnovationen zur industriellen Umsetzung, haben Mahalwar und sein Team erfolgreich überwunden. Mehrere regulatorische und marktwirtschaftliche Trends spielen Bioweg in die Karten. „Das EU-Verbot von Mikroplastik, das ab 2027 schrittweise in Kraft treten soll, gibt uns Rückenwind“, so Mahalwar. Auch über die Kernmärkte hinaus werden Anwendungen erforscht, etwa in einem von SPRIND finanzierten Projekt mit der Technischen Universität Berlin, das die Nebenströme zur Gewinnung hochreiner seltener Erden nutzbar machen soll. „Aktuell konzentrieren wir uns auf den nächsten wichtigen Meilenstein, den Bau der ersten Produktionsanlage im industriellen Maßstab“, so Mahalwar. Die Anlage wird es ermöglichen, die Produktion weiter zu skalieren und die steigende Kundennachfrage zu bedienen.