Wie Persönlichkeit über den Erfolg von Buy and Build entscheidet

Private Equity im Mittelstand

Dr. Jochen Becker, HAPEKO Executive Partner GmbH
Dr. Jochen Becker, HAPEKO Executive Partner GmbH

Bildnachweis: HAPEKO Executive Partner GmbH.

Immer mehr inhabergeführte mittelständische Unternehmen werden heute von Private Equity-Investoren oder mittelstandsorientierten Beteiligungsgesellschaften übernommen. Als zentrales Wachstumsmodell gelten hierbei Buy and Build-Strategien, also der gezielte Ausbau von Plattformunternehmen durch Zukäufe und Integration weiterer Gesellschaften. Doch gerade hier entscheidet weniger das reine Investitionsvolumen, sondern vielmehr die Persönlichkeit des mit der Führung des Unternehmens beauftragten CEO über den Erfolg. Aus Sicht der Investoren sind es vor allem drei Eigenschaften, die einen CEO im Buy and Build-Kontext auszeichnen:

1. Unternehmerische Haltung

Ein erfolgreicher CEO versteht sich nicht als Verwalter, sondern als Mitunternehmer. Er denkt in Chancen, Skalierung und Wertsteigerung und erkennt zugleich die operative Realität. Gerade in mittelständischen Strukturen ist die Fähigkeit entscheidend, strategische Maßnahmen pragmatisch umzusetzen, Verantwortung zu übernehmen und den Investor als Sparringspartner auf Augenhöhe zu sehen und dessen Netzwerk aktiv zu nutzen. Darüber hinaus muss ein CEO im Buy and Build-Modell in der Lage sein, die Vision des Unternehmens zu prägen und weiterzuentwickeln. Er verbindet die gewachsene Identität mit einer zukunftsgerichteten Strategie, die auf nachhaltige Wertschöpfung, Innovation und Marktpositionierung abzielt.

2. Integrations- und Kommunikationsstärke

Buy and Build bedeutet auch Veränderung in der Unternehmensstruktur. Unterschiedliche Unternehmenskulturen, Prozesse und Führungsstile müssen zu einer gemeinsamen Organisation zusammengeführt werden. Hier entscheidet vor allem die soziale Kompetenz des CEO: die Fähigkeit, Vertrauen aufzubauen, Menschen mitzunehmen und Konflikte frühzeitig zu erkennen. Erfolgreiche Führungskräfte verstehen es, eine klare Vision zu vermitteln und gleichzeitig Nähe zu den Teams zu wahren. Das ist durchaus ein Spagat, der über die Integrationsfähigkeit des gesamten Unternehmens entscheidet. Zugleich agiert der CEO als Brücke zwischen Eigentümern, Management und Mitarbeitenden. Er sorgt für Transparenz, schafft Vertrauen und vermittelt zwischen wirtschaftlichen Zielen und kultureller Realität.

3. Geschwindigkeit und Entscheidungsfreude

Private Equity-finanzierte Wachstumsstrategien leben von Tempo. Akquisitionen, Integration und operative Effizienzsteigerungen müssen in kurzer Zeit umgesetzt werden, ohne die Organisation zu überfordern. Hier braucht es Führungskräfte mit ausgeprägtem Urteilsvermögen und Mut zur Priorisierung. Wer zögert, verliert Momentum; wer fokussiert entscheidet, schafft Vertrauen. Darüber hinaus ist Flexibilität gefragt: Märkte, Rahmenbedingungen und Organisationen verändern sich schnell. Ein erfolgreicher CEO erkennt früh, wann strategische Anpassungen erforderlich sind, und verbindet erfolgreich Agilität mit Stabilität.

Fazit

Doch jenseits dieser drei Eigenschaften bleibt eines zentral: die authentische Persönlichkeit des CEO mit allen Ecken und Kanten. Der ideale CEO im Mittelstand versteht die Sprache des Investors ebenso wie die Kultur des gewachsenen Familienunternehmens. Er agiert als Übersetzer zwischen Kapitalmarkt und Werkhalle, zwischen Strategie und Praxis. Buy and Build funktioniert nur dann, wenn Integration nicht als Investmentprojekt verstanden wird, sondern als Werthaltung mit klarem Bekenntnis zum deutschen Mittelstand. Dafür braucht es Persönlichkeiten, die führen, ohne zu dominieren, die gestalten, ohne die Identität des Bestehenden zu zerstören. Genau diese Balance macht den Unterschied und ist die wahre Kunst erfolgreicher Führung im Private Equity-geführten Mittelstand.

Über den Autor:

Dr. Jochen Becker ist geschäftsführender Gesellschafter der HAPEKO Executive Partner GmbH. Mit seinem Team betreut er internationale Private Equity-Gesellschaften und unterstützt diese bei der Besetzung von Schlüsselpositionen in deren Portfoliounternehmen.