„Feedback als Wachstumshebel einführen – ohne ein Großprojekt daraus zu machen“

Interview mit Dennis Wegner (easyfeedback GmbH)

Ehrliches Feedback für bessere Unternehmensentscheidungen.
Ehrliches Feedback für bessere Unternehmensentscheidungen.

Bildnachweis: Dennis Wegner, easyfeedback GmbH, VentureCapital Magazin.

Lob hören alle gern. Doch nur aus unverfälschter Kritik von Mitarbeitenden und Kunden lässt sich wirklich lernen und für Wachstum richtig einsetzen, meint der Feedback-Experte und Unternehmer Dennis Wegner. Im Interview erklärt der Gründer und Geschäftsführer der easyfeedback GmbH aus Koblenz, warum Beschwerden und Verbesserungsvorschläge so wichtig sind.

VC Magazin: Warum können so wenige Unternehmen mit der Kritik von Mitarbeitern und Kunden richtig umgehen?

Wegner: Weil Feedback oft falsch verstanden wird. Viele Unternehmen sammeln Rückmeldungen, ohne zu wissen, was sie eigentlich herausfinden wollen. Das ist, als würde man den Rauchmelder testen, aber das Feuer ignorieren.

Es werden Umfragen gestartet, weil es einfach dazugehört zum modernen Unternehmenston – aber nicht, weil man auch tatsächlich bereit ist, die Antworten auszuhalten. Das führt zu weichgespülten Ergebnissen, die zwar gut aussehen, aber keinerlei ROI erzeugen. Wir sehen das seit Jahren: Fragen werden so formuliert, dass sie positive Antworten provozieren. Kritische Rückmeldungen fehlen und damit die Grundlage für echte Entscheidungen. Das frustriert sowohl Einsteiger als auch Teams, die schon schlechte Erfahrungen gemacht haben.

VC Magazin: Was macht strukturiertes Feedback anders? Warum ist es gerade für Unternehmen in Wachstumsphasen relevant?

Wegner: Strukturiertes Feedback schafft Klarheit. Es liefert nicht nur ein Stimmungsbild, sondern zeigt, warum etwas funktioniert oder warum etwas schiefläuft. Besonders für Unternehmen in der Wachstumsphase ist das entscheidend: Sie müssen schnell verstehen, welche Produktfunktionen Kunden wirklich nutzen, wo Kaufabbrüche entstehen oder welche Erwartungen im Onboarding nicht erfüllt werden. Struktur bedeutet: klare Ziele, klare Fragen, klare Auswertung. Das schützt vor Aktionismus und ermöglicht datengetriebene Entscheidungen ohne dass man ein Großprojekt aufsetzen muss.

VC Magazin: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Feedback von Beginn an verwertbare Erkenntnisse liefert?

Wegner: Es gibt dabei drei Grundempfehlungen: Lasst Ehrlichkeit zu. Nehmt Qualitative Rückmeldungen ernst. Und leitet daraus konsequent die richtigen Maßnahmen ab.

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VC Magazin: Können Sie diesen Dreiklang bitte genauer erklären?

Wegner: Unternehmen müssen erstens bereit sein, Antworten zu hören, die unbequem sind. Nur dann entsteht ein realistisches Bild. Zweitens sind die offenen Textantworten das eigentliche Gold. Dort stecken Hinweise auf Risiken, Chancen, Prozessfehler oder Innovationspotenziale. Und drittens ist Feedback nur dann ein ROI-Treiber, wenn es in Entscheidungen mündet. Erfolgreiche Unternehmen kommunizieren klar, was aus den Rückmeldungen folgt. Sie schaffen so Vertrauen und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess.

VC Magazin: Wie lässt sich ein professioneller Feedbackprozess mit überschaubaren Ressourcen aufsetzen?

Wegner: Indem man klein anfängt – aber richtig. Ein Unternehmen braucht keine Beratungswellen, keine Workshops und keine monatelangen Implementierungen. Ein klar definiertes Ziel, eine kurze, präzise Befragung und ein Tool, das die Auswertung übernimmt, reichen völlig aus. Unsere mehr als 20.000 Kunden – von der Süddeutschen Zeitung über Immobilienscout24 und Porsche bis hin zum FC St. Pauli – zeigen: Die erfolgreichsten Feedbackprozesse starten mit einer einzigen, gut formulierten Frage an die richtige Zielgruppe. Daraus entsteht ein Lernprozess, der sich organisch ausbaut – ohne
Overhead.

VC Magazin:  Datenschutz ist ein kritischer Faktor, gerade bei Kundenfeedback. Wie lässt sich das lösen?

Wegner: Indem man auf Lösungen setzt, die Datenschutz nicht als Zusatz, sondern als Kernprinzip verstehen. Wir etwa arbeiten mit deutschen Servern, zertifizierter IT-Sicherheit und vollständig DSGVO-konformen Prozessen. Unternehmen müssen sich also nicht selbst durch komplexe Rechtsfragen kämpfen. Wichtig ist außerdem: Nur Daten erheben, die wirklich benötigt werden. Feedback funktioniert auch anonym – oft sogar besser, weil Kunden offener antworten.

VC Magazin: Wie wichtig ist es, Befragungen gezielt an den Unternehmenszielen auszurichten?

Wegner: Das ist der entscheidende Punkt. Feedback ist kein Selbstzweck. Wenn ein Unternehmen wachsen will, muss es wissen, warum Kunden kaufen, warum sie abspringen oder warum sie bestimmte Funktionen nicht nutzen. Gezielte Befragungen liefern genau diese Insights. Sie zeigen, welche Maßnahmen Umsatz steigern, Kosten senken oder die Weiterempfehlungsrate erhöhen.

VC Magazin: Ihr Rat an Unternehmen, die jetzt starten wollen?

Wegner: Stellen Sie die Fragen, deren Antworten Sie wirklich brauchen – nicht die, die Sie hören wollen. Dann wird Feedback vom Stimmungsbarometer zum Wachstumsinstrument.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch!

Über den Interviewpartner:
Dennis Wegner ist Gründer und Geschäftsführer der easyfeedback GmbH. Das Unternehmen entwickelt seit 2010 Softwarelösungen für Online-Befragungen und Feedbackprozesse.