Deutschlandfonds soll Wagniskapital und Mittelstand stärken

Investitionsoffensive der Bundesregierung

Dr. Jörg Goschin, Vorsitzender der Geschäftsführung KfW Capital
Dr. Jörg Goschin, Vorsitzender der Geschäftsführung KfW Capital

Bildnachweis: KfW Capital/Habermehl.

Mit dem Deutschlandfonds wollen Bundesregierung und KfW privates Kapital in großem Umfang für Investitionen am Standort mobilisieren. Vorgestellt wurde das neue Konstrukt am 18. Dezember 2025 in Berlin von Bundesfinanzminister und Vizekanzler Lars Klingbeil, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sowie KfW-Chef Stefan Wintels. Der Bund stellt für den Deutschlandfonds öffentliche Mittel und Garantien in Höhe von rund 30 Mrd. EUR zur Verfügung; insgesamt sollen dadurch rund 130 Mrd. EUR an Investitionen ausgelöst werden.

Im Zentrum steht die Stärkung von Industrie und Mittelstand, etwa durch Absicherungsinstrumente für Transformationsinvestitionen sowie den Rohstofffonds, der Eigenkapital und Kredite für Projekte rund um kritische Rohstoffe bereitstellt. Gleichzeitig setzt der Fonds einen klaren Akzent auf Wagniskapital. „Mit dem Deutschlandfonds mobilisieren wir private Investitionen in die Jobs von morgen“, sagte Vizekanzler Klingbeil. Ziel sei es, „öffentliche Mittel gezielt“ einzusetzen, „damit deutlich mehr privates Kapital in Deutschland investiert wird: in Zukunftssektoren wie KI und Biotechnologie, in Industrie und Mittelstand, in unsere Sicherheit und in unsere Unabhängigkeit bei kritischen Rohstoffen. Der Deutschlandfonds kann Risiken absichern und so dafür sorgen, dass die besten Ideen in Deutschland entstehen und hier auch groß gemacht werden.“ Wirtschaftsministerin Reiche betonte zudem den Handlungsdruck: „Die aktuelle Lage unserer Wirtschaft macht deutlich, wie hoch der Investitionsbedarf für die Modernisierung unseres Landes ist.“ Entscheidend sei, privates Kapital dorthin zu lenken, „wo Innovation entsteht, wo wir unsere Lieferketten resilienter aufstellen und Deutschland zukunftsfähig machen können“. Der Deutschlandfonds mobilisiere dafür privates Kapital „mit öffentlichen Mitteln und ermöglicht so wirksame Investitionen in zentrale Zukunftsbereiche“.

Mittelstand und Start-ups sollen profitieren

„Der Deutschlandfonds ist ein wichtiger Impuls für mehr Investitionen in Deutschland“, sagte Wintels. In den kommenden Jahren werde es darauf ankommen, „dass möglichst viel privates Kapital mobilisiert wird zur Stärkung des Standorts Deutschland“. Im Mittelpunkt stehen Industrie und Mittelstand sowie Wagniskapital. Für Start-ups und Scale-ups ist vorgesehen, dass die KfW über KfW Capital ab sofort auch als Co-Investor auftritt und gemeinsam mit privaten Kapitalgebern direkt in Start-ups in Deutschland investiert. Pro Beteiligung sind bis zu 50 Mio. EUR möglich; insgesamt stehen bis Ende 2030 bis zu 1 Mrd. EUR zur Verfügung. Ergänzend sollen weitere 300 Mio. EUR für Beteiligungen an Kreditfonds bereitstehen, die in den Ausbau neuartiger Industrietechnologien investieren.

Bündelung der Instrumente

Ein weiterer Baustein ist die Bündelung und Stärkung bestehender Wagniskapitalinstrumente: Ab 2026 soll der Zukunftsfonds aufgestockt und verstetigt werden. Die zusätzlichen Mittel aus dem Wachstums- und Innovationskapital („Zukunftsfonds II“) sollen insbesondere für Wagniskapitalfinanzierungen in Deeptech, Biotech sowie Sicherheit und Verteidigung genutzt werden – zugleich aber auch zur Deckung bestehender Finanzierungsbedarfe im Mittelstand beitragen.

VC Magazin: Welche Rolle übernimmt KfW Capital im Rahmen des Deutschlandfonds?

Goschin: Der Deutschlandfonds ist ein neues Instrument – mit dem klaren Ziel, die deutsche Wirtschaft massiv zu stärken. Er schafft den Rahmen, damit private und öffentliche Investoren leichter und in größerem Umfang investieren können. Ein zentraler Teil dabei ist die Finanzierung von Start-ups und Scale-ups, weil sie für Wachstum und Innovation stehen. Deshalb wurde auch der Zukunftsfonds weiterentwickelt, an aktuelle gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedürfnisse angepasst und in den Deutschlandfonds integriert. KfW Capital übernimmt dabei eine zentrale Rolle als Partner der Bundesregierung. In der Venture Capital-Säule stehen bis 2030 zunächst insgesamt 3,3 Mrd. EUR in drei Bausteinen zur Verfügung.

VC Magazin: Der Baustein für Venture Capital-Fondsinvestments soll bestimmte Branchen wie Deeptech und Biotech stärken. Was ist konkret geplant?

Goschin: Die Venture Capital-Fondsinvestments sind das Flaggschiff der Wagniskapitalsäule im Deutschlandfonds. Im Fokus stehen Investitionen in Technologieunternehmen – insbesondere in Deeptech und KI, Biotech, Climatetech, aber auch im Defence-Bereich. Diese Felder stärken Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland. Gleichzeitig liefern sie Lösungen für zentrale Herausforderungen – etwa Gesundheit, Klimawandel und Digitalisierung; Diversity und Impact werden dabei mitgedacht.

VC Magazin: Was hat es mit dem neuen Finanzierungsprogramm Scale-up Direct auf sich?

Goschin: Scale-up Direct ist eine neue zusätzliche Kapitalquelle für innovative, wachstumsstarke Technologieunternehmen. Möglich werden direkte Co-Investments, um Finanzierungsrunden zu stärken – mit bis zu 50 Mio. EUR pro Unternehmen. Voraussetzung ist: Neben den GPs aus dem KfW Capital-Portfolio braucht es einen privaten Investor, der sich an der Runde beteiligt. Für Scale-up Direct sind insgesamt 1 Mrd. EUR bis 2030 vorgesehen. Wir haben bereits im Dezember 2025 das erste Scale-up-Investment umgesetzt – weitere Opportunitäten sind in Prüfung.

VC Magazin: Ein weiterer Baustein des Deutschlandfonds werden First of a kind-Kredite. Wie wird dieses Programm ausgestaltet werden?

Goschin: Dabei geht es um First of a kind-Finanzierungen – also technologisch anspruchsvolle und kapitalintensive Technologien, die heute typischerweise noch nicht kreditfähig sind. Gemeint sind Projekte ohne Prototypen, bei denen klassische Finanzierungen nicht greifen. Aktuell wählen wir Anbieter aus, die First of a kind-Fonds auflegen. Ziel ist, die Finanzierungslücke in diesem Bereich zu schließen. Aus der Venture Capital-Säule sind dafür 300 Mio. EUR vorgesehen, die über privates Kapital gehebelt werden.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

Über den Interviewpartner: 

Dr. Jörg Goschin ist Vorsitzender der Geschäftsführung von KfW Capital. Der promovierte Wirtschaftsingenieur ist selbst Gründer und erfahrener Investment Professional.