Warum Krisen zum Nährboden für Innovation werden können

Gründungsdynamik in unsicheren Zeiten

Doris Petersen, hannoverimpuls
Doris Petersen, hannoverimpuls

Bildnachweis: hannoverimpuls.

Wirtschaftliche Unsicherheit gilt oft als dämpfender Faktor für unternehmerisches Handeln. Doch ein genauer Blick zeigt: Gerade in Krisenzeiten entstehen neue Ideen, Geschäftsmodelle und Unternehmen. Die aktuelle Entwicklung macht deutlich, dass Gründung nicht trotz, sondern oft wegen der Krise stattfindet.

Krisen verändern Märkte – und damit auch die Logik des Gründens. Wenn etablierte Geschäftsmodelle unter Druck geraten, entstehen Freiräume für neue Lösungen. Unsicherheit wird so zum Treiber für Innovation. In diesem Zusammenhang ist von „Innovation trotz Unsicherheit“ zu sprechen, und es zeigt, dass Gründerinnen und Gründer gerade jetzt zentrale Antworten auf wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen liefern.

Zwischen Aufbruch und Zurückhaltung

Gleichzeitig ist die Stimmung im Ökosystem ambivalent: Zwar würden rund 78% der Gründerinnen und Gründer erneut ein Start-up aufbauen, doch die wirtschaftliche Lage dämpft Erwartungen und erschwert Finanzierung sowie Kooperationen. Gerade hier zeigt sich die doppelte Natur von Krisen: Sie erhöhen das Risiko und zugleich die Relevanz von Innovation.

Regionale Dynamik trotz Unsicherheit

Auch auf regionaler Ebene bestätigt sich dieses Bild. In der Region Hannover ist die Zahl der Gründungsprojekte zuletzt wieder gestiegen – ein Effekt, der typischerweise dann auftritt, wenn Menschen die Sicherheit klassischer Erwerbsbiografien hinterfragen und neue Wege suchen. Gründung wird damit nicht nur zur wirtschaftlichen Option, sondern auch zur Antwort auf strukturellen Wandel und zum Ausdruck individueller Lebensprioritäten.

Neue Technologien verändern das Gründen

Dabei verändern sich die Rahmenbedingungen für Start-ups spürbar. Technologien wie Künstliche Intelligenz senken Markteintrittsbarrieren und ermöglichen es, mit weniger Kapital schneller tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln. Gleichzeitig verschiebt sich der Fokus vieler junger Unternehmen stärker in Richtung technologiegetriebener bis hin zu Deeptech-Lösungen. Start-ups agieren zunehmend als Problemlöser für etablierte Branchen – von der Industrie bis zur Gesundheitswirtschaft.

Herausforderungen nach wie vor strukturell

Dennoch bleibt die Herausforderung groß. Der Zugang zu Kapital gilt weiterhin als zentrale Hürde, ebenso wie die abnehmende Kooperationsbereitschaft etablierter Unternehmen. Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten investieren viele Corporates zurückhaltender, obwohl genau jetzt die Zusammenarbeit mit Start-ups entscheidend wäre, um Innovationskraft und Geschwindigkeit zu sichern.

Ökosystem als entscheidender Faktor

Umso wichtiger ist ein funktionierendes Ökosystem, das Gründung auch in schwierigen Phasen ermöglicht. Öffentliche Förderung, Netzwerke und gezielte Unterstützung können dazu beitragen, Risiken abzufedern und Potenziale zu heben. Entscheidend ist dabei nicht nur die finanzielle Unterstützung, sondern auch der Zugang zu Wissen, Märkten und Partnern.

Gründen heißt: Zukunft gestalten

Gründen in der Krise ist daher kein Widerspruch, sondern Ausdruck von Anpassungsfähigkeit. Start-ups entstehen dort, wo Probleme ungelöst sind, und genau davon gibt es in Zeiten des Umbruchs besonders viele. Wer gründet, gestaltet Zukunft. Und wer es jetzt tut, tut es unter besonders anspruchsvollen Bedingungen – aber auch mit besonderer Relevanz.

 

Über die Autorin: 

Doris Petersen ist Geschäftsführerin von ­hannoverimpuls und verantwortet dabei die strategische Entwicklung des Wirtschafts- und Gründungsstandorts Hannover.