„Technologische­ Innovation und ­geopolitische ­Fragestellungen sind eng ­miteinander ­verknüpft“

Interview mit Stefan Drüssler, UnternehmerTUM

Stefan Drüssler, UnternehmerTUM
Stefan Drüssler, UnternehmerTUM

Bildnachweis: UnternehmerTUM.

Im Mai 2026 findet das Forum UnternehmerTUM zum mittlerweile 18. Mal statt. In diesem Jahr stehen Govtech, Künstliche Intelligenz und Spacetech auf dem Programm.

VC Magazin: Welche Highlights haben Sie für das diesjährige Forum UnternehmerTUM geplant, auf welche Speaker dürfen sich die Teilnehmer freuen?

Drüssler: Für mich persönlich ist das Forum UnternehmerTUM jedes Jahr ein echtes Highlight. Rund 600 ausgewählte Akteure aus Start-ups, Investment, Industrie, Politik und internationalen Netzwerken kommen an unserem Standort im Herzen Münchens, im Munich Urban Colab, zusammen. Diesmal freuen wir uns auf starke Persönlichkeiten, die für das Motto „Shaping our Future“ stehen. Die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt Dorothee Bär wird im Rahmen der Hightech Agenda sprechen, passend dazu Julia Jäkel als Beirätin der Initiative für einen handlungsfähigen Staat. Experten wie Hans Königsmann, Luft- und Raumfahrtingenieur und früherer SpaceX-Manager, sowie DLR-Vorstand Dr. Walther Pelzer diskutieren zu New Space.

VC Magazin: Sie blicken auf eine lange Event-Historie. Wie hat sich die Veranstaltung in den vielen Jahren aus Ihrer Sicht entwickelt und welchen Status hat sie mittlerweile in Ihrem Eventkosmos?

Drüssler: Das Forum UnternehmerTUM war schon immer unser Flagship-Event und ist inzwischen – 2026 zum 18. Mal – eine echte Tradition. Das zeigt sich nicht zuletzt im großen Zuspruch für diese exklusive Veranstaltung. Dabei hat sich das Forum über die Jahre stark weiterentwickelt, genauso wie sich UnternehmerTUM als Organisation und generell das gesamte Ökosystem verändert haben. Unser Netzwerk ist größer, vielfältiger geworden; wir bringen heute nicht nur die Gründerszene, sondern unterschiedlichste Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft, Start-ups und Politik zusammen. Auch Mittelstand und Unternehmensnachfolge spielen die ihnen zustehende wichtige Rolle. Gleichzeitig hat die Internationalität deutlich zugenommen. Das Forum steht heute sinnbildlich für das, wofür wir bei UnternehmerTUM stehen: Wir bieten einen Ort für Gründung und Innovation, an dem Macher und Visionäre zusammenkommen, um gemeinsam aktiv nach vorne zu gehen – für eine Zukunft, in der wir leben wollen.

VC Magazin: Der inhaltliche Fokus liegt in diesem Jahr auf den Branchen und Technologien Govtech, KI und Spacetech. Warum haben Sie sich gerade für diese drei Schwerpunkte entschieden, welche großen Entwicklungssprünge erwarten Sie?

Drüssler: Mit Schwerpunkten wie diesen schauen wir bewusst aus verschiedenen Perspektiven auf die Zukunft und darauf, wie wir sie gestalten können; ganz im Sinne unseres diesjährigen Mottos „Shaping our Future“. Bei Govtech geht es sehr konkret darum, das innere System zu stärken, also Verwaltung moderner zu machen – Stichwort Digitalisierung und Bürokratieabbau. Spacetech dagegen gewinnt aktuell ganz klar enorm an sicherheitspolitischer Bedeutung. Hier geht es um die Resilienz Europas, etwa durch souveräne kritische Infrastrukturen. Technologische Innovation und geopolitische Fragestellungen sind sehr eng miteinander verknüpft. Und Künstliche Intelligenz ist natürlich nahezu überall als Super-Enabler und Innovationsturbo omnipräsent.

VC Magazin: Welche weiteren Themenfelder und Technologien sehen Sie als nächste Trendsetter? Aus welchen Bereichen erreichen Sie viele Anfragen?

Drüssler: Aktuell erreichen uns viele Anfragen aus dem Energiebereich, nicht zuletzt wegen der steigenden Rohstoffpreise. Es geht dabei immer um die Frage, wie wir Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zusammenbringen. Themen wie erneuerbare Energien, Speicherlösungen und Energieeffizienz stehen stark im Fokus. Auch Deeptech-Start-ups im Bereich der Kreislaufwirtschaft sind natürlich gefragt. Gerade bei Materialien, bei denen Europa stark von Importen abhängig ist, sind die Recyclingquoten noch niedrig, und die Wertschöpfung vollzieht sich oft außerhalb Europas. Das macht uns natürlich anfälliger für geopolitische Spannungen und zeigt, wie groß der Bedarf an innovativen Lösungen ist.

VC Magazin: Wie bewerten Sie den Gründungsstandort Deutschland im internationalen Vergleich?

Drüssler: Ich denke, da sprechen die Zahlen für sich. Deutschland ist ein starker Gründungsstandort. 2025 wurden so viele Start-ups gegründet wie nie zuvor. Vor allem durch exzellente Forschungseinrichtungen und renommierte Hochschulen entstehen viele marktfähige Ideen. Trotzdem steht der Standort ohne Frage vor großen Herausforderungen: Bürokratie, fehlende Standardisierung und komplexe Verfahren sind hierzulande Hemmschuhe für Innovation und Unternehmertum. Gerade wenn es um das Skalieren geht, und zwar global, müssen wir ansetzen – nicht nur als Deutschland, sondern als ganz Europa, und zwar heute und nicht erst morgen!

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

 

Über den Interviewpartner: 

Stefan Drüssler ist ­Geschäftsführer und Chief Operating Officer von ­UnternehmerTUM, dem führenden Zentrum für Innovation und Gründung in Europa. Zuvor war er als Strategieberater bei der Boston Consulting Group tätig. Heute verantwortet er die Bereiche Entrepreneurship Education sowie Startup Journey und setzt sich für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas und eine innovative Zukunft ein.