Bildnachweis: Walter Vorjohann.
Der ESG-Report 2025 von KfW Capital untersucht die Themen Diversität, Net Zero und Value Creation. Die Auswertung zeigt Fortschritte bei der Verankerung von ESG in Investmentprozessen und Unternehmen, macht aber auch weiterhin bestehende Lücken sichtbar.
KfW Capital hat seinen zweiten ESG-Report veröffentlicht. Unter dem Leitthema „Verantwortung wirkt“ untersucht die Fördergesellschaft die Entwicklung von Nachhaltigkeit und verantwortungsvollem Investieren im Venture-Capital-Ökosystem. Grundlage sind die seit mehreren Jahren erhobenen ESG-Daten von Fondsmanagern und deren Portfoliounternehmen. Im Fokus stehen die drei Themenfelder Diversität, Net Zero und Value Creation.
Mehr Diversität, aber weiterhin Lücken
Bei der Diversität auf Ebene der Fondsmanager verzeichnet KfW Capital Fortschritte. Der Anteil von Frauen auf Partnerebene ist 2025 auf 16,9% gestiegen, nach 15,6% im Vorjahr. In 54,8% der betrachteten Fonds gibt es mindestens eine Frau auf Partnerebene. Auch die Verankerung entsprechender Prozesse hat zugenommen: 75,0% der Fondsmanager verfügen über eine Diversity-, Equity- and Inclusion-Policy (DEI-Policy). Bei 34,7% werden Diversitätsklauseln in Termsheets eingesetzt, 27,2% erfassen Diversität in der Dealflow-Pipeline. Der Report untersucht darüber hinaus den Zusammenhang zwischen den Strukturen auf Fondsmanagerseite und der Diversität der finanzierten Gründungsteams. Fondsmanager mit einer DEI-Policy finanzieren demnach mit einer um 6,9 Prozentpunkte höheren Wahrscheinlichkeit Gründungsteams, denen mindestens eine Frau angehört. Bei Fondsmanagern, die Diversität im Dealflow erfassen, liegt diese Wahrscheinlichkeit um 4,6 Prozentpunkte höher. KfW Capital weist darauf hin, dass es sich dabei um statistische Zusammenhänge handelt. Auch innerhalb der Portfoliounternehmen betrachtet der Report die Geschlechterverteilung. In den untersuchten Unternehmen sind 32% der Mitarbeitenden Frauen, während 19% der C-Level-Positionen mit Frauen besetzt sind. Der durchschnittliche unbereinigte Gender Pay Gap der Portfoliounternehmen liegt laut KfW Capital bei 19% und damit auf dem Niveau des deutschen ICT-Sektors sowie unter dem genannten Vergleichswert für den europäischen Tech-Bereich.
Net Zero bleibt Herausforderung
Beim Thema Klimarisiken hat sich die Verankerung in den Investmentprozessen der Fonds ebenfalls weiterentwickelt. 70% der Portfoliofonds verfügten 2025 über eine Policy zu Klimarisiken im Investmentprozess. Das entspricht einem Anstieg um 14 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Unterschiede zeigen sich je nach Investmentfokus: Bei Fonds mit Schwerpunkt Industrial Tech adressieren 89% klimarelevante Themen über eine entsprechende Richtlinie, bei ICT-Fonds sind es 61%. Auf Ebene der Portfoliounternehmen ist die Entwicklung stärker von Unternehmensgröße und Geschäftsmodell abhängig. KfW Capital stellt fest, dass Dekarbonisierungsstrategien und Reduktionsziele bei Industrial-Tech-Unternehmen häufiger zu finden sind als bei Start-ups und Scale-ups aus dem Life-Science-Bereich. Insgesamt verfügt etwa die Hälfte der Unternehmen über ein THG-Accounting. Weniger als 20% des Portfolios setzen bereits Maßnahmen der Stufe 3 oder höher der von KfW Capital herangezogenen Private Markets Decarbonisation Roadmap um. Dabei wurden die entsprechenden Fragen nur Unternehmen mit mehr als 15 FTE gestellt. KfW Capital sieht den Aufbau eines belastbaren THG-Accountings als zentralen ersten Schritt auf dem Weg zu Net Zero. Gleichzeitig sei die praktische Umsetzung für junge Unternehmen aufgrund begrenzter Ressourcen weiterhin anspruchsvoll.
ESG und Finanzierungserfolg
Ein Schwerpunkt des Reports liegt erstmals auf der Frage, ob sich ESG-Aktivitäten mit Faktoren verbinden lassen, die für Unternehmen einen wirtschaftlichen Mehrwert darstellen. Dafür untersucht KfW Capital den Zusammenhang zwischen der Zahl implementierter ESG-Policies und der Anzahl erfolgreich realisierter Finanzierungsrunden. Das Ergebnis: Zwischen der Zahl implementierter ESG-Policies und der Anzahl abgeschlossener Finanzierungsrunden besteht ein positiver und statistisch signifikanter Zusammenhang, der allerdings erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße sichtbar wird. Bei Unternehmen mit mehr als 100 FTE steht die Integration einer weiteren ESG-Policy mit einer 16% höheren Anzahl an Finanzierungsrunden im Vergleich zum Durchschnitt aller Unternehmen in Zusammenhang. KfW Capital betont ausdrücklich, dass das reine Vorhandensein einer Policy lediglich als Proxy für tatsächlich operativ umgesetzte ESG-Maßnahmen und die ESG-Maturität eines Unternehmens dient. Weitere Wertindikatoren wie Wertentwicklung oder Exit-Erfolge lassen sich laut KfW Capital aufgrund der bislang vergleichsweise kurzen Haltedauer eines Großteils des Portfolios noch nicht hinreichend untersuchen. Dabei zeigt sich auch, dass ESG nicht unabhängig von der Unternehmensphase betrachtet werden sollte. Unternehmen mit mehr als 100 FTE verfügen im Durchschnitt über rund sieben der 13 abgefragten Policies. Mit zunehmender Unternehmensgröße werden Nachhaltigkeitsaspekte damit systematischer formalisiert. KfW Capital betont zugleich, dass nicht in jeder Entwicklungsphase ein maximales Maß an ESG-Aktivitäten sinnvoll sei. Entscheidend sei vielmehr eine Priorisierung relevanter Themen auf Basis von Wesentlichkeit und Mehrwert.
Einblicke in den Report mit Theresa Bardubitzki, Senior Nachhaltigkeitsmanagerin KfW Capital:
Im ersten ESG-Report wurde der Due Diligence-Prozess genauer vorgestellt. Hat sich dieser über die vergangenen Jahre verändert oder ist euer Framework gleichgeblieben?
Bardubitzki: „Unser in den Jahren 2020 und 2021 entwickeltes Framework bildet weiterhin die Basis für unsere Prüfung, wird jedoch auch regelmäßig überarbeitet, um Entwicklungen im Markt zu reflektieren. Ergänzend haben wir seit Anfang 2025 den Prüfprozess für Impact-Fonds vertieft. Heute analysieren wir beispielsweise die Aspekte der Intentionalität in der Investitionstätigkeit der Fonds sowie die Messung von Impact-KPIs bei den Portfoliounternehmen deutlich tiefgehender. Darüber hinaus spielen auch Emerging Technologies eine zunehmend wichtige Rolle im VC-Markt. Entsprechend stehen wir mit Fondsmanagern, die beispielsweise einen Fokus auf DefenceTech setzen, intensiv im Austausch darüber, wie verantwortungsvolles Investieren in diesen Bereichen gelingen kann.“
Seit 2022 erhebt KfW Capital jährlich ESG-Daten im gesamten Portfolio. Was passiert mit diesen Daten, nachdem sie erhoben sind?
Bardubitzki: „Die Erhebung ist nur der Anfang; der eigentliche Wert entsteht in der Nutzung der Daten. Wir spiegeln Fondsmanagern ihre Ergebnisse im Marktvergleich zurück: Wie schneidet ihr Portfolio bei Governance-Strukturen, Diversität oder Fluktuation im Vergleich zum Benchmark ab? Von den Fondsmanagern hören wir auch zunehmend, dass die aus den Daten gewonnenen Erkenntnisse eigene Entscheidungen unterstützen. So sieht ein Fondsmanager beispielsweise, ob sich ein Großteil der Unternehmen noch nicht ausreichend mit dem wichtigen Thema Cybersicherheit auseinandergesetzt hat. Entsprechend kann er aktiv werden und bei Bedarf externe Expertise hinzuziehen. Auch intern sind die Ergebnisse eine Gesprächsbasis – im laufenden Monitoring ebenso wie in der Prüfung neuer Fonds.“
Start-ups wachsen schnell – Nachhaltigkeit konkurriert dort mit allem anderen um knappe Ressourcen. Wie passt das zusammen?
Bardubitzki: „Sie konkurriert tatsächlich – mit Kostendruck, Geschwindigkeit und knappen Kapazitäten. Deshalb funktioniert ESG in Start-ups nicht als Programm neben dem Geschäft. Tragfähig sind Maßnahmen, die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz stärken oder Kundennutzen schaffen. Nachhaltigkeit überzeugt nicht als Absichtserklärung oder aus regulatorischer Notwendigkeit, sondern als gute unternehmerische Entscheidung mit Mehrwert. Gleichzeitig benötigen manche Maßnahmen einen längeren Zeithorizont, bis ihr Nutzen sichtbar wird. Das kann in einem schnell wachsenden Unternehmen manchmal doch zu Zielkonflikten führen. Unser Portfoliofonds AENU zeigt aber anhand des Beispiels seines Portfoliounternehmens Entrix, wie unter anderem. ein gut strukturierter ESG-Datenhaushalt einen greifbaren Mehrwert bieten kann.“



