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Business Angels geben Start-ups mehr als Kapital: Zeit, Wissen und Begleitung in der kritischsten Phase. Warum sie die Wegbereiter des neuen Mittelstands sind – und was die Politik und wir jetzt tun müssen: entbürokratisieren, mobilisieren, reinvestieren.
Zehn neue Einhörner in einem Jahr: Auf den ersten Blick geht es dem deutschen Start-up-Ökosystem gut. Doch wer genauer hinschaut, sieht eine gefährliche Schieflage. Das Kapital fließt vor allem in die ganz großen Finanzierungsrunden. In den kleinen Frühphasenrunden fehlt es zunehmend. Die Zahlen sind eindeutig: Die durchschnittliche Ticketgröße von Business Angels ist seit 2018 um knapp zwei Drittel gesunken, von rund 195.000 auf 66.000 EUR. Die Zahl der Finanzierungsrunden mit Angel-Beteiligung lag 2025 mehr als 30% unter dem Niveau von 2023. Ebenfalls besorgniserregend: In nur drei Quartalen 2026 haben bereits mehr Start-ups Insolvenzen angemeldet als im gesamten Jahr 2024. Dabei scheitert Deutschland nicht am Mangel an Ideen. Junge Unternehmen scheitern, weil das Geld nicht bis zum nächsten Meilenstein reicht. Der Mittelständler von morgen braucht keine 100-Mio.-EUR-Runde, er braucht 300.000 oder 800.000 EUR zur richtigen Zeit – und zwar von Menschen mit Erfahrung.
Das Fundament der Frühphase
In der öffentlichen Debatte wird „Start-up“ oft reflexhaft mit „Venture Capital“ gleichgesetzt. Das ist ein Missverständnis: Weniger als 10% aller Start-ups erhalten überhaupt eine Wagniskapitalfinanzierung. In Hessen etwa wird nur knapp jedes fünfte Start-up extern finanziert – 7% von Venture Capitalisten, aber 17% von Business Angels. Über das gesamte Ökosystem hinweg stammen drei Viertel aller Erstinvestments von Angels. Wir sind nicht Teil der Frühphase, wir sind ihr Fundament. Angels investieren eigenes Geld, ohne Management Fee und mit vollem Risiko. Sie haben einen längeren Atem als Fonds. Vor allem aber geben sie Zeit und Wissen. Eine Bank prüft und zahlt aus, ein Business Angel sitzt mit am Tisch – beim ersten Arbeitsvertrag oder wenn der wichtigste Kunde abzuspringen droht. Erfahrung kann man nicht überweisen, und in der Frühphase ist sie wertvoller als jeder Scheck.
Staatliche Anreize mit Effekt
Dass staatliche Anreize wirken, belegt die Evaluierung des Förderprogramms Invest im Auftrag des BMWE: Geförderte Start-ups gewinnen unter anderem fast viermal so häufig einen Venture Capital-Investor (38,9% gegenüber 10,7%), und ihr Team wächst im Median um über 8% pro Jahr stärker als Teams nicht geförderter Start-ups. Es ist richtig, dass die Bundesregierung Invest fortführt und den Förderdeckel anheben muss. Ebenso müssen Anschlussfinanzierungen gleich behandelt werden und damit Förderfähigkeit erlangen. Sonst wird ausgerechnet der Angel, der das Unternehmen am besten kennt und nachschießt, schlechter gestellt als ein Neueinsteiger.
Es braucht Reformen für echtes Wachstum
Die Politik kann an vielen Stellen unterstützen, an diesen beiden aber besonders effektiv.
- Keine Steuern auf „Dry Income“: Virtuelle Papierwerte dürfen nicht wie verwertbares Vermögen behandelt werden. Besteuert wird, wenn Geld fließt.
- Bürokratie senken: Die notarielle Beurkundungspflicht bei GmbH-Anteilsübertragungen kann Start-ups fünfstellige Beträge pro Runde kosten. Hier brauchen die Vertragspartner Wahlfreiheit in Bezug auf notarielle Dienstleistungen.
Ohne Start-ups keine Scale-ups, ohne Innovationen keine Zukunft für den Mittelstand. Nur wer sät, kann ernten. Sorgen wir dafür, dass in Deutschland wieder mehr gesät wird.
Über die Autorin:
Katja Ruhnke ist Vorstandsvorsitzende von Business Angels Deutschland e.V. (BAND), dem Dachverband der Business Angels und Frühphaseninvestoren. Als Geschäftsführerin der CK Venture Capital GmbH investiert sie aktiv in innovative Start-ups.



