Doughty Hanson Technology Ventures (Ausgabe 10/2003)

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Etablierte, unabhängige Investoren
Doughty Hanson & Company ist eines der führenden unabhängigen Private Equity-Unternehmen weltweit mit Hauptsitz in London. Bereits 1985 von den beiden namensgebenden Gesellschaftern gegründet, werden gegenwärtig 115 Mitarbeiter, davon 50 Investment Professionals, in den Büros in Europa und den USA beschäftigt und arbeiten am Erfolg der Investoren. Rund 5 Mrd. US-$ werden verwaltet, etwa drei Viertel davon in den drei Buy-out-Fonds, 632 Mio. US-$ in einem Immobilienfonds und 272 Mio. US-$ in dem im Jahr 2000 aufgelegten Technology Venture Capital Fund. Die verschiedenen Fonds nutzen die gemeinsame Infrastruktur des Unternehmens, sind aber hinsichtlich der Limited Partners und der Investmentmanager voneinander vollständig unabhängig.

Ein spezialisiertes Team
Der Technology Venture Capital Fund wurde von Anfang an auf Investments in jungen europäischen IT-Unternehmen ausgerichtet, die Schwerpunkte liegen in den Sektoren Software, Kommunikationstechnologie und Mikrokomponenten. Dementsprechend wurde ein Team von Investment Professionals mit einschlägigem Branchenhintergrund und Erfahrungen im Aufbau von Technologie-Unternehmen für die beiden Büros in London und München aufgebaut. Mit Nigel Grierson und George Powlick kamen zwei der Partner von Intel Capital, der leitende Partner des Münchner Büros, Sören Hein, war nach verschiedenen Positionen bei Siemens zuletzt Vice President in der Wireless Systems Division der in die Unabhängigkeit entlassenen Halbleitertochter Infineon.

Das Know-how muß den Mehrwert bringen
„Unserer ursprünglichen Ausrichtung sind wir bis heute treu geblieben. Wir sehen einen wichtigen Vorteil in unserer technologischen Expertise und wollen diejenigen sein, die das betreffende Unternehmen und die Transaktion am besten verstehen“, betont Hein. Entsprechend konzentriert sich Doughty Hanson Technology Ventures nahezu ausschließlich auf Frühphasenfinanzierungen. Bei diesem Entwicklungsstadium eines Unternehmens existiert bereits ein Produkt, und es erfordert besonders viel Know-how, um die Marktchancen richtig einschätzen zu können. Bei etwas reiferen Unternehmen hat sich dagegen die Perspektive schon weitgehend geklärt, Finanzierungen können dann auch von Banken und anderen Investoren ohne tiefgehende Branchenerfahrung gemacht werden. Auch Gründungsfinanzierungen kommen nur ausnahmsweise in Frage, da ein beurteilbares Produkt in der Regel noch nicht vorhanden ist.

Führende Stellung in einem starken Konsortium
Es sind etwa 30 Investments mit einem durchschnittlichen Volumen von 8 bis 10 Mio. US-$ für den Fonds vorgesehen – aktuell befinden sich zehn Unternehmen im Portfolio. Ein typisches Erstrundeninvestment beträgt dabei 2 bis 4 Mio. US-$. „Wir halten es für besonders wichtig, ausreichende Reserven für spätere Finanzierungsrunden vorzuhalten und gemeinsam mit guten, starken Konsortialpartnern zu investieren“, unterstreicht Hein. Gegenwärtig sei es genauso schwierig, ein gutes Konsortium zu bilden wie eine gute Investitionsgelegenheit zu finden. Innerhalb eines Konsortiums strebt Doughty Hanson dann typischerweise die Rolle eines Lead- oder Co-Lead-Investors mit einem Anteil von 10 bis 30% am Unternehmen und einem Sitz im Aufsichtsrat an.

Kontinuierliche, kompetente Unterstützung
Das Team von Doughty Hanson Technology Ventures sieht sich als aktiver Begleiter der jeweiligen Unternehmensführung. „Natürlich wollen wir unsere operative Erfahrung und unsere Verbindungen auch während der Dauer der Beteiligung zum Nutzen des Investments einbringen“, sagt Hein. Typischerweise steht man mindestens wöchentlich mit den Unternehmen im Kontakt. „Wir wollen nicht mitführen, es gibt aber erfahrungsgemäß einige Themen, bei denen der Unternehmenschef auf sich allein gestellt ist und die Möglichkeit, kontinuierlich einen kompetenten Ansprechpartner zu haben, sehr schätzt.“ Dies sind vor allem Personalentscheidungen und die Suche nach kompetenten Verstärkungen des Teams, die Verbesserung der betrieblichen Organisation, Finanzierungsfragen und die strategische Planung. Eine wichtige Rolle kommt den Investmentmanagern auch beim Aufbau von Beziehungen zu Lieferanten und Kunden, der internationalen Expansion und von Kontakten zu Investoren, Bankern und Analysten zu. „Häufig sind die Unternehmer einfach unsicher bezüglich der Denkweise von Finanzinvestoren und wissen nicht, wie sie sich präsentieren sollen“, erläutert Hein, „wir können daher wichtige Hilfestellung bei der Vorbereitung weiterer Finanzierungsrunden oder der Anbahnung eines Exits bieten.“

Realismus und Wettbewerbsvorteile zählen
Kürzlich hat Doughty Hanson mit GOiNTERACT TV, die Software für das interaktive Fernsehen entwickelt, eine Beteiligung im Zuge eines Aktientausches an die Digital Interactive Television Group veräußert. Trade Sales bleiben nach Ansicht von Hein wie in der Vergangenheit der dominierende Exit-Kanal für Venture Capital-Beteiligungen: „Historisch entfielen 80 bis 90 % der Veräußerungen auf strategische Käufer, der Rest auf Börseneinführungen. Die Möglichkeit zu einem IPO hat eher Bedeutung für das Preisniveau.“ Zur Zeit läßt sich ein lebhafteres Interesse der Unternehmen an Zukäufen feststellen. „Die gezahlten Preise sind allerdings noch nicht berauschend, es ist einfach Realismus auf allen Seiten eingekehrt“, so Hein. Für die Zukunft erwartet er von dem Technologiesektor eine Entwicklung, die sich wie in anderen Branchen an dem Wachstum des Bruttosozialprodukts orientiert. „Der Anteil der Ausgaben für Technologie am Bruttosozialprodukt dürfte etwa konstant bleiben, die Zeiten des überproportionalen Wachstums dürften vorbei sein.“ Für die jungen Unternehmen bedeute dies, daß man sich den Markt von bereits existierenden Konkurrenten erobern und alte Technologien ersetzen müsse, anstatt von einer Wachstumswelle mitgerissen zu werden.

Ralf Thielemann

Investitionskriterien
– Westeuropäisches Unternehmen
– Software, Mikrokomponenten oder Kommunikationstechnik
– Frühphasenfinanzierung
– 2 bis 4 Mio. US-$ Anfangsinvestment
– Starkes Konsortium
– Lead- oder Co-Lead-Investor
– Intensive Zusammenarbeit mit dem Management