Haspa BGM (Ausgabe 12/2003)

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Eine klassische Beteiligungsgesellschaft
Im Jahr 1997 wurde die Beteiligungsgesellschaft der Hamburger Sparkasse (Haspa) gegründet. Ursprünglich auf traditionelle Unternehmen ausgerichtet, wollte auch die Haspa BGM die Chancen des Neuen Marktes nutzen und investierte verstärkt in junge Unternehmen der Hightech- und Biotechbranche. Mit den Biotechnologie-Unternehmen Evotec OAI AG und Sequenom Inc. konnten über IPOs am Neuen Markt und an der Nasdaq schnell zwei lukrative Exits realisiert werden, und kürzlich wurde der e-Sourcing-Spezialist Goodex AG an das amerikanische Softwarehaus Ariba veräußert. Mit anderen Frühphasenfinanzierungen hatten die Hamburger jedoch weniger Glück, und so kehrte man vor dem Hintergrund der anhaltenden Schwäche des VC-Marktes wieder zu den Ursprüngen zurück und konzentriert sich wieder auf das klassische Beteiligungsgeschäft an etablierten Unternehmen.

Kontinuierliche Investments in den Mittelstand
Frühphaseninvestments machen zur Zeit nur noch knapp 10 % des Portfolios aus, der Rest entfällt auf Mittelständler aus dem norddeutschen Raum mit einem Umsatz ab 5 Mio. Euro. „Das Kapital für unsere Beteiligungsinvestitionen stellt die Haspa als Evergreen-Fund zur Verfügung“, sagt Carsten Röhrs, Geschäftsführer der Haspa BGM, „unser Erfolg findet in der Gewinn- und Verlustrechnung der Haspa unmittelbar seinen Niederschlag.“ Zusätzlich werden künftig Gelder anderer Sparkassen investiert. Angestrebt wird ein jährliches Investitionsvolumen von 10 bis 20 Mio. Euro. „Wir sind momentan sehr aktiv und gehen dieses Jahr voraussichtlich vier Beteiligungen ein“, betont Röhrs. Im Gegensatz zu den meisten Private Equity-Fonds besteht jedoch keinerlei Druck, ein bestimmtes Beteiligungsvolumen zu realisieren.

Lösungen für Wachstum und Nachfolge
Gesucht werden etablierte mittelständische Unternehmen, die weiteres Wachstum – sei es organisch oder extern – anstreben. Auch Nachfolgeregelungen, MBOs und MBIs werden finanziert. Besondere Branchenschwerpunkte setzt die Haspa BGM nicht, es wird aber darauf geachtet, daß die Beteiligungen nicht miteinander im Wettbewerb stehen. Vorbedingung für ein Investment ist, daß eine nachhaltige Profitabilität vorhanden bzw. das kurzfristig realisierbare Potential dazu klar erkennbar ist. Darüber hinaus sollte ein operatives Wachstum von mindestens 10 % pro Jahr erzielbar sein.

Auch langfristige Beteiligungen möglich
Es werden sowohl offene als auch stille Beteiligungen in einer Höhe von 0,5 bis zu 5 Mio. Euro eingegangen. Im Gegensatz zur Anlagepolitik eines klassischen Private Equity-Fonds gibt es bezüglich der Haltedauer der Beteiligungen keine strikte Begrenzung, insbesondere die stillen Beteiligungen können auch längerfristig angelegt sein. „Die stillen Beteiligungen nehmen den Unternehmen und uns den Exit-Druck, da ein Verkauf gerade bei Familienunternehmen oftmals nicht erwünscht ist“, erläutert Röhrs das Investitionskalkül: „Bei den offenen Beteiligungen wollen wir allerdings schon innerhalb von fünf bis sieben Jahren einen Verkauf realisieren können.“

Die Nachfrage nach Beteiligungskapital steigt
Röhrs erkennt eine zunehmende Öffnung des traditionellen Mittelstands für externe Private Equity-Investoren. Es ist vor allem die restriktivere Fremdkapitalvergabe der deutschen Banken, die für ein Umdenken der Unternehmer sorgt. Kredite sind knapp und teurer geworden, und oft ist eine nachhaltige Verbesserung der Finanzstruktur durch mehr Eigenkapital erforderlich. Aber auch die fortschreitende kaufmännische Professionalisierung des Managements mittelständischer Unternehmen führt zu mehr Aufgeschlossenheit gegenüber alternativen Finanzierungsformen. So werden vermehrt Wachstumsfinanzierungen durch externes Eigenkapital unterlegt, und Nachfolgeregelungen durch MBOs und MBIs gewinnen an Popularität.

Die Chemie muß stimmen
Allerdings haben die meisten Mittelständler unverändert eine besondere Unternehmenskultur, auf die sich Private Equity-Investoren einstellen müssen. Finanzinvestoren haben nach den Worten von Röhrs oft einen schweren Stand, das Vertrauen der mittelständischen Unternehmer zu gewinnen. Daher hat man bei der Haspa BGM ein Team zusammengestellt, das selbst über langjährige Berufserfahrung im  Mittelstand verfügt. „Wir wollen in der Lage sein, auf Augenhöhe mit den Unternehmern zu kommunizieren, die fachliche und soziale Kompetenz unserer Investment-Manager ist uns sehr wichtig.“ Das gilt sowohl für die Verhandlungen vor Abschluß der Transaktion als auch für die operative Zusammenarbeit.

Ambitionierte Ziele sollen erreicht werden
Die laufende Unterstützung umfaßt vor allem eine aktive Beratung bei der Unternehmens- und Finanzierungsstrategie sowie bei der Optimierung von Controlling- und Finanzsystemen. „Wir sind nah am Unternehmen und sehen uns grundsätzlich als Teil eines Teams, das den dauerhaften Geschäftserfolg anstrebt“, faßt Röhrs zusammen. Der Unternehmer soll dabei immer Herr im eigenen Hause bleiben und die Haspa BGM nur in wesentliche Entscheidungen einbinden müssen. Mit ihrer Strategie will die Haspa BGM auch eigene ehrgeizige Ziele umsetzen. Die Beteiligungsgesellschaft der Hamburger Sparkasse will zu einem der führenden Eigenkapitalpartner für den Mittelstand in Norddeutschland aufsteigen.

Ralf Thielemann

Investitionskriterien der Haspa BGM
– etablierter Mittelständler
– Wachstumsfinanzierung oder MBO, MBI
– zweistelliges Wachstum angestrebt
– nachhaltige Profitabilität zumindest absehbar
– 0,5 bis 5 Mio. Euro
– offene oder stille Minderheitsbeteiligung
– norddeutscher Raum