Fundraising erfordert kreative Lösungen

Panthermedia/Vichaya Kiatying-Angsulee
Fundraisingprozesse sind vielschichtiger geworden, weil stärker artikulerte Einzelinteressen zu berücksichtigen sind.
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Komplexes Umfeld

Das gegenwärtige Fundraising-Umfeld ist geprägt von einer starken Bifurkation des Marktes – eine pauschale Kategorisierung als „Investorenmarkt“ ist simplistisch und schlichtweg unzutreffend. Während Manager mit einem überdurchschnittlich starkem Track Record in einer Verhandlungssituation sind, die sowohl wirtschaftlich als auch aus Verhandlungsperspektive häufig stärker ist als während des Boom-Marktes 2007, suchen andere Manager alternative und kreative Wege, um das Zielvolumen des geplanten Fonds zu erreichen oder das Funding auf Einzelinvestitionsbasis sicherzustellen. Aufgrund der zunehmenden – auch gewünschten – Globalisierung der Investorenbasis wählen zudem einige der erfolgreichsten europäischen Fondsmanager alternative Anlagestrukturen, um Staatsfonds, bestimmten MENA-Investoren oder auch anderen strategisch oder ökonomisch interessanten Investoren eine Investition zu ermöglichen.

Alternativen zu traditionellen Fonds

Die meisten General Partner (GPs) sehen die traditionelle Fondsstruktur mit einer diversifizierten Investorenbasis nach wie vor als die gewünschte Standardanlageform. Es gibt jedoch eine zunehmende Anzahl von großen Investoren, die sich von traditionellen Investitionsformen in Fonds abwenden und stattdessen bevorzugt Einzelmandate mit einem oder mehreren Managern eingehen. Diese Investitionsformen haben häufig eine wirtschaftliche Incentivierung; einige der eher strategisch motivierten Investoren nutzen diese enge Investitionsbeziehung jedoch auch, um tiefere Einblicke in den jeweiligen Markt, Dealflow oder aber auch die Investitionsmethodik des jeweiliges GPs zu gewinnen. Häufig werden Investoren auch gewisse Positiv- oder Negativkontrollen eingeräumt – die konkrete Ausgestaltungsform hängt trotz einiger Markttrends natürlich auch von dem jeweiligen Investor und GP ab.

Seggregated Account/Separately Managed Account

Der Seggregated Account dient grundsätzlich eher als komplementäre Anlagestruktur. Es gibt jedoch auch global zunehmend Manager, die Einzelmandate als eine echte Alternative zu traditionellen Fonds sehen – trotz der offensichtlichen Risiken, die eine solche exklusive Fokussierung auf ausgewählte Investoren mit sich bringt. Soweit eine Integration des Seggregated Accounts in die jeweilige Hauptfondsstruktur vorgesehen ist, ist die kritische Haltung vieler namhafter institutioneller Investoren zu solchen Anlageformen zu adressieren. So sind die grundsätzlich inhärente mangelnde Transparenz dieser Struktur und die mit dem Hauptfonds nicht gleichgeschalteten Incentivierungseffekte für manche Investoren Dealbreaker, während für andere Investoren entsprechende Schutz- und Sicherungsinstrumente in dem Hauptfondsvertrag ausreichend sind.

Side Car-/Koinvestitionsvehikel

Anstatt einen neuen Fonds zu errichten, entscheiden sich einige GPs auch dazu, bereits existierende Fonds aufzustocken; es gibt jüngere Beispiele von Fonds, die innerhalb der regulären Laufzeit ihr Fondsvolumen innerhalb desselben Vehikels erhöhen (teilweise sogar verdoppeln!) konnten. Einige GPs errichten hierzu ein Side Car-Vehikel oder andere Strukturen für eine getrennte Beteiligung von Investoren; teilweise werden diese Strukturen auch in einen neuen Hauptfonds integriert. Auch hier muss wiederum sorgfältig abgewogen werden, wie das Side Car- oder das Koinvestitionsvehikel mit anderen Fondsgestaltungen oder ähnlichen Anlagemodellen interagiert.

Pledge-Fonds

Einige Manager wählen – häufig auch als eine zwischenzeitliche Maßnahme zur Sicherung der Investitionsfähigkeit bis zum Closing des nächsten Hauptfonds – die Errichtung von Pledge-Fonds als Anlagemodell. Pledge-Fonds werden häufig von First Time-Managern als Anlagemodell genutzt – aber auch von etablierten Fondsmanagern, wie im Markt bekannt. Pledge-Fonds oder auch Koinvestment-Clubs sind grundsätzlich maßgeschneiderte Produkte; es gibt jedoch gewisse Markttendenzen in der Kategorisierung solcher Strukturen, die sich nach dem jeweiligen Einfluss der Investoren auf die Investitionsentscheidungen, der Allokation von Kosten sowie dem Zugang zum jeweiligen Dealflow richten. Während einige Investoren, insbesondere einzelne Family Offices, diese Investitionsart begrüßen, ist zu beachten, dass sich bei der Wahl eines solchen Vehikels häufig der Horizont der ansprechbaren institutionellen Private Equity-Investoren deutlich verringert. Auf Portfolioebene sind die möglicherweise negativen Effekte auf Finanzierungssicherheit und Investitionseffizienz (auch Handlungsschnelle) zu berücksichtigen.

Kein Allheilmittel

Je nach Ausgestaltung muss auch die kritische Frage der künftigen Zurechenbarkeit des Track Records des handelnden Teams berücksichtigt werden; ebenso stellt sich die Frage, inwieweit man durch Pledge-Fonds noch als klassischer Fonds-GP wahrgenommen werden wird. Fraglich ist auch, ob das jeweilige Team aufgrund der unterschiedlichen Incentivierungsstruktur überhaupt noch in den traditionellen Investmentmarkt zurückfindet. Ein prominentes Beispiel am Markt hatte zum Beispiel kurz nach Abkehr vom traditionellen zum Pledge-Fonds-Modell signifikante Key Man-Abgänge zu verzeichnen. Eine sorgfältige Abwägung der kurzfristigen und langfristigen Folgen einer solchen Strukturwahl ist essenziell – eine Panacea in einem schwierigen Marktumfeld ist der Pledge-Fonds nicht.

Individuelle Absprachen mit Investoren

Die Anforderungsliste der Investoren wird grundsätzlich umfangreicher. Dies betrifft primär natürlich die Reporting-Verpflichtungen wie auch ESG- und sonstige Compliance-Anforderungen – insbesondere auch bei stark regulierten Investoren und Staatsfonds. Maßgeschneiderte Lösungen werden jedoch zunehmend auch erwartet im Hinblick auf individuelle Investitionsstrategien und Investitionsziele einzelner Investoren. In vielen Fällen sind signifikante First Closing- bzw. Cornerstone-Investoren von besonders kritischer Bedeutung, um das für das Fundraising essenzielle Momentum zu entwickeln. Trotzdem sind Erstzeichnerrabatte bei Fundraisings im europäischen Midmarket-Bereich eher unüblich und stoßen auch bei einigen namhaften institutionellen Investoren auf kategorische Ablehnung. Einige der insbesondere bei sogenannten Megafunds gewährten Sonderrechte umfassen einen regelmäßigeren oder vertieften Zugang zum Investmentteam, Secondments, die Festlegung von vertraglichen Dealbreakern, aber auch signifikante ökonomische Vorteile.

Fazit:

Alternative Anlagemodelle und Special Deals sind Zeichen einer immer vielschichtiger und kreativer werdenden Industrie, in der zunehmend deutlich definierte Einzelinteressen im Rahmen eines Fondsprodukts zusammenzufassen sind. Der Schlüssel für das Gelingen des Fundraising-Prozesses ist aber der Aufbau einer transparenten und richtig incentivierten Beziehung zwischen General und Limited Partner auf der Basis eines soliden Track Records – die jeweilige Struktur ist lediglich der Rahmen, nicht das Mittel für eine optimale Fundraising-Strategie.

Sonya Pauls