Schweiz ist Netto-Importeur von Venture Capital

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Erfinderzentren in Lausanne und Zürich

Zunächst ist das Positive festzuhalten: Es gibt in der Schweiz zahlreiche Inventionen und damit verbunden auch eine erhebliche Zahl von Patentanmeldungen. Das hängt auch damit zusammen, dass die globale Verwertung von geistigem Eigentum vorzugsweise in Ländern stattfindet, die nicht gerade über prohibitive Besteuerungsmodelle verfügen. Ein erheblicher Teil der Schweizer Patentanmeldungen erfolgt durch Konzerne.

Aber Inventionen haben gerade im Umfeld der beiden eidgenössischen Forschungszentren EPF Lausanne und ETH Zürich mit ihrer internationalen Anziehungskraft als Lehr- und Forschungsstätte beinahe schon eine Tradition. In vermindertem Ausmaß kann man das auch noch auf Basel beziehen, aber das Cluster von universitären Spin-offs und unternehmerischen Spin-outs spricht für die Wirtschaftszentren rund um Lausanne und Zürich. Zahlreiche Corporate Venture Capital -Aktivitäten wie auch philanthropische Forschungs- und Venture-Bemühungen konzentrieren sich auf diese Regionen.

Medizintechnik ist größter VC-Sektor

Wie fast jedes Jahr ist auch im Jahr 2012 Wagniskapital in der Höhe von wieder rund 300 Mio. CHF in junge Schweizer Unternehmen geflossen. Die Sektoren IKT (26 Firmen, 39% der totalen Anzahl Transaktionen, 106 Mio. CHF), Medical Devices (13 Firmen, 20%, 115 Mio. CHF) und Biotech (zehn Unternehmen, 15%, 67 Mio. CHF) sind die wichtigsten Branchen:

  • Am meisten wurde im Sektor Medical Devices mit rund 115 Mio. CHF finanziert, das sind rund 38% (Vorjahr 2011: 20%) des totalen Transaktionsvolumens.
  • IKT gewinnt vor allem durch die Transaktionen von HouseTrip, Bravofly und Typesafe wieder stark an Bedeutung. Mit rund 106 Mio. CHF entfallen 35% (Vorjahr 2011: 19%) des Venture Capital-Volumens auf diesen Sektor.
  • Hingegen verharrt Cleantech auf bescheidenem Niveau.
  • Innerhalb von Life Sciences ist Medical Devices sowohl nach Anzahl Transaktionen (13 vs. 10) als auch nach Volumen (115 Mio. CHF vs. CHF 67 Mio. CHF) stärker vertreten als Biotech. In Biotech wurden 2011 Finanzierungen im Umfang von rund 48% des gesamten Transaktionsvolumens getätigt; 2012 waren es lediglich 22%. Auch die Aussichten für Biotech-Wagniskapitalfinanzierungen haben sich spürbar verschlechtert.

Kennzahlen des Marktes 2012

Das Transaktionsvolumen von rund 300 Mio. CHF ist stark konzentriert. Die Top-20-Venture Capital-Transaktionen in der Schweiz kumulieren sich 2012 auf 276 Mio. CHF. Das sind mehr als 90% des gesamten Volumens von Venture-Investments. Insgesamt wurde 2012 in rund 66 Firmen investiert.

  • Hohe Konzentration: Über die Hälfte (54%) des gesamten Transaktionsvolumens von Venture-Investments in der Schweiz stammt von den Top-5-Transaktionen (165 Mio. CHF).
  • Die Top-3-Transaktionen sind: Biocartis/Medical Devices & Diagnostics (42 Mio. CHF); Endosense/Medical Devices & Diagnostics (37,4 Mio. CHF); HouseTrip/Leisure (37 Mio. CHF)
  • Während die Anzahl der Transaktionen (total: 66) auf Höhe der beiden Vorjahre liegt, ging das Volumen zurück (von 385 auf 305 Mio. CHF).
  • Investments: 45 Investments (68%) lagen zwischen 0 und 2 Mio. CHF, 13 Investments (20%) zwischen 2 und 10 Mio. CHF und acht Investments (12%) waren größer als 10 Mio. CHF.

Mit der starken Prägung von Lead-Investoren aus dem Ausland geht eine immense Gefahr einher, das Wachstum der Gesellschaft in andere Wirtschaftsregionen zu verlagern. Und die Verlagerung trifft dann alle damit verbundenen (Vor-)Leistungen.