Neun Fragen an Philipp Budiman von Montredo

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VC Magazin: Wie kam es zu der Idee für Ihr Start-up?
Budiman: Ich wollte mir vor geraumer Zeit eine gebrauchte Uhr im Internet kaufen und bin so das erste Mal mit dem Online-Markt für Luxusuhren in Berührung gekommen. Aufgrund zahlreicher Warnungen, Artikel über den Verkauf von Plagiaten und wenig vertrauenswürdigen Plattformen habe ich mich schließlich gegen einen Online-Kauf entschieden. Nach weiterer Marktrecherche erkannte ich das Potential für einen sicheren Marktplatz für Luxusuhren und entwickelte gemeinsam mit meinen Kollegen Stefan Walter, Alexander Beer und zwei Schweizer Business Angels die Idee zu Montredo: Bevor eine Uhr auf unsere Plattform gelangt, wird sie von einem Uhrenexperten inspiziert, bewertet und ein Echtheitszertifikat erstellt. Dadurch garantieren wir unseren Kunden die Echtheit aller Uhren und größtmögliche Transparenz beim Online-Kauf.

VC Magazin: Wie haben Sie erste Finanzierung Ihrer Gründungsidee gestemmt und wie verlief die weitere Suche nach Kapital(-gebern)?
Budiman: Wir hatten das Glück von Anfang an zwei tolle Business Angels an Board zu haben die uns mit einem ersten Seed-Investment unterstützten. Knapp fünf Monate später konnten unsere Angel-Runde abschließen und sind seit etwas mehr als zwei Monaten live. Aktuell bekommen wir zahlreiche Anfragen aus dem Ausland und wollen nun möglichst schnell skalieren. Aus diesem Grund beginnen wir gerade unsere Series-A zu strukturieren.

VC Magazin: Was sprach gegen die Karriere als Angestellter und wie hat sich das Gründerteam zusammengefunden?
Budiman: Mein erstes Start-up habe ich bereits als Kind hervorgerufen. Ich fand es immer sehr bedauernswert am Ende des Tages die Tageszeitungen meiner Eltern wegzuwerfen und hab im zarten Alter von sechs Jahren mein erstes Re-Commerce Unternehmen gegründet. Vor unserer Einfahrt habe ich auf der Straße einen Tisch aufgebaut und mit großer Leidenschaft versucht die Tageszeitungen der Vortage an vorbeigehende Passanten zu verkaufen. Der große Durchbruch blieb leider aus, ich verzeichnete allerdings ab und zu ein paar Mitleidskäufe. Mein nächstes (zum Glück erfolgreicheres) Start-up gründete ich gegen Ende meines Masterstudiums. Gemeinsam mit Studienkollegen entwickelten wir ein Social Game für Facebook. Diese Erfahrung hat mich vor zwei Jahren auch von Graz nach Berlin geführt.
Ich denke, dass einige Persönlichkeitseigenschaften meine Entscheidung zur Selbstständigkeit begünstigt haben. Generell war ich schon immer ein recht abenteuerlustiger Typ. Ich denke, dass ich, im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt, weniger Angst vor Veränderungen und dem Ungewissen habe und deshalb die berufliche Achterbahnfahrt eines Start-ups gegenüber einer sicheren Anstellung in einem Konzern bevorzuge. Meine bisherigen Erfahrungen zeigen, dass viele andere Gründer ähnlich ticken.
Das Montredo Gründerteam hat sich ganz unterschiedlich gefunden. Alexander Beer habe ich beim Basketballspielen im Kiez kennengelernt. Sehr bald wurden wir auch off-court enge Freunde und haben uns regelmäßig über Start-up-Ideen ausgetauscht. Als ich ihm von der Idee zu Montredo erzählt habe, war er sofort Feuer und Flamme. Stefan Walter war damals bei einem Spieleentwickler aus Berlin, auf der Suche nach einem zweiten Geschäftsführer bin ich über Xing auf ihn aufmerksam geworden. Glücklicherweise fand er ebenso Gefallen an der Idee und war kurz danach mit an Board.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen?
Budiman: Auf der Suche nach einem zweiten Geschäftsführer, habe ich ganz bewusst Ausschau nach einem Kandidaten gehalten, der mir sehr unterschiedlich ist. Die Entscheidung einen möglichst heterogenen Partner zu suchen, würde ich jederzeit erneut treffen. Mit Stefan habe ich einen wahnsinnig kompetenten Mitgründer, wir beide ergänzen uns optimal und sind vor allem im Team sehr stark. Das gesamte Montredo Team ist äußerst qualifiziert und passt hervorragend zusammen. Die Personalauswahl für die wichtigsten Managementpositionen war bei uns recht intensiv und wir haben die Kandidaten sehr genau kennengelernt. Bis jetzt würde ich sämtliche Personalentscheidungen noch einmal treffen, unser Team ist wirklich Weltklasse.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Aus welchen schmerzhafte Erfahrungen konnten Sie besonders viel lernen?
Budiman: Vor allem in meinem ersten Start-up (nicht das Zeitungsunternehmen!) habe ich Fehler begangen und jede Menge daraus gelernt. Die schmerzhaftesten und lehrreichsten Erfahrungen in meiner bisherigen Zeit als Gründer waren: Viel zu lange am Businessplan gefeilt anstatt einfach loszulegen, zu sehr auf virale Effekte vertraut und ein zu geringes Marketingbudget einkalkuliert, Finanzierungsrunden zu spät eingeleitet und in der Programmierung zu spät eingesehen, dass man doch besser auf ein anderes System hätte setzten sollen.

VC Magazin: Was sind aus Ihrer Sicht bei den Rahmenbedingungen in Deutschland der größte Pluspunkt und das größte Manko für junge Unternehmen?
Budiman: In Berlin lebend schätze ich vor allem die zahlreichen Veranstaltungen der Start-up-Branche, der gute Zugang zu Investoren und spannenden Mitgründern. Wenn man wirklich ausreichend viel Zeit investiert, kann man sich hier relativ schnell ein umfangreiches Netzwerk aufbauen. Ein nennenswertes Manko fällt mir gerade nicht ein. In Berlin hat man es auf alle Fälle leichter als in Graz. Ich bin vollkommen zufrieden und kann mich eigentlich nicht beklagen.

VC Magazin: Gibt es (Internet-)Unternehmer, die Sie als Vorbilder oder Idole sehen?
Budiman: Unter anderem Charles Geschke (Adobe), Max Levchin (Paypal), Steve Jobs und The Woz (Apple). In diesem Zusammenhang kann ich jedem das Buch „Founders at work – Stories of Startups’ early days“ mit zahlreichen spannenden Biografien erfolgreicher Internet Unternehmer, empfehlen. Das Buch ist wirklich sehr inspirierend. In der Uhrenbranche hatte ich relativ viel mit Daniel Wechsler (zurzeit CEO bei Jaermann & Stuebi) zu tun und enorm viel von ihm gelernt.

VC Magazin: Welche drei bis fünf Apps für Smartphones sind die wichtigsten Helferlein in Ihrem Alltag?
Budiman: Auf Nummer eins steht ganz klar Mail und Calendar. Wenn ich unterwegs bin benötige ich recht häufig Google Maps, Xing und LinkedIn verwende ich zum networken und Wunderlist wenn ich mir mal ganz schnell eine Notiz machen muss.

VC Magazin: Wie sehen die mittelfristigen Planungen für Ihr Start-up und Ihre unternehmerische Zukunft aus?
Budiman: In den nächsten zwei bis drei Monaten werden wir Montredo als C2C Marktplatz weiter entwickeln. Private Verkäufer können dann noch komfortabler ihre Uhren von unseren Uhrenexperten bewertet lassen und zum Verkauf auf Montredo anbieten. Zusätzlich bauen wir Montredo als Serviceplattform weiter aus: Wir holen die Uhren vom Kunden ab, reparieren sie und schicken die Uhren dann wieder an die Kunden zurück. Wir sind gerade dabei Montredo in mehrere Sprachen zu übersetzen und sprechen mit mehreren Logistikunternehmen. Nach Abschluss der Series-A wollen wir dann so richtig loslegen und die ganze Welt mit den unseren hochwertigen Zeitmessern beliefern!

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview.

Zum Gesprächspartner:
Philipp Budiman ist Geschäftsführer von Montredo (www.montredo.com), einem Marktplatz für Luxusuhren.