Neun Fragen an Frederik Roever von becoacht

VC Magazin: Wie kam es zu der Idee für Ihr Start-up?
Roever: Während meiner Zeit bei Rocket Internet habe ich viele Geschäftsideen kennengelernt und das mögliche Potenzial dieser verstanden. Marktplätze wie becoacht bergen ein riesiges Potenzial und können mit einem relativ schmalen Budget entwickelt werden. Als ich dann noch gesehen habe, dass es im Sportbereich kein dynamisches Angebot für die Suche eines passenden Coaches gibt, war die Entscheidung schnell gefallen. Großes Marktpotenzial, wenig Wettbewerb und ein riesiges persönliches Interesse.

VC Magazin: Wie haben Sie die erste Finanzierung Ihrer Gründungsidee gestemmt und wie verlief die weitere Suche nach Kapital(-gebern)?
Roever: Durch meine Zeit im Investment Banking in London hatte ich das große Glück, etwas Kapital zur Seite gelegt haben zu können. Mit genau diesem Kapital haben wir es geschafft, die Gesellschaft in der Gründungsphase zu finanzieren und noch genug Luft für weitere Monate zu haben. Was die Finanzierung in den kommenden zwölf bis 18 Monaten angeht, so haben wir zum einen Kapital von Wayra erhalten und fangen gerade mit einer Finanzierungsrunde an.

VC Magazin: Was sprach gegen die Karriere als Angestellter und wie hat sich das Gründerteam zusammengefunden?
Roever: Nach sechs Jahren Investment Banking in London mit Fokus auf erneuerbare Energien wollte ich neben dem Projektgeschäft auch das operative Geschäft kennenlernen. Somit habe ich das Angebot, Rocket Internet in München aufzubauen, mit großer Freude angenommen und zu keinen Zeitpunkt bereut. Als mir dann die Idee für becoacht kam und ich den Zeitpunkt für die Selbständigkeit als richtig erachtet habe, war der Schritt aus dem Rocket-Universum die logische Konsequenz.

VC Magazin: Wenn Sie auf Ihre bisherigen unternehmerischen Erfahrungen zurückblicken: Welche Entscheidungen würden Sie erneut treffen?
Roever: Bisher hatten wir als Gesellschaft in unserer Entwicklung keine großen Rückschläge und haben das Venture mit vielen schnellen, kleinen Schritten nach vorne gebracht. Hier kam uns die Projekterfahrung, die operative Erfahrung sowie ein glückliches Händchen mit unseren Partnern und Wegbereitern zu Gute.

VC Magazin: Verbrannte Finger gelten als gute Lehrmeister. Aus welchen schmerzhaften Erfahrungen konnten Sie besonders viel lernen?
Roever: Ein Lehrstück aus den ersten Monaten war mit Sicherheit das unerwartete Verhalten unseres anfänglichen CTOs, mit dem leider nicht alle wichtigen Punkte schriftlich festgehalten wurden. Zwar war das Venture zu keinem Zeitpunkt gefährdet, doch haben die Aktionen des CTOs unnötig Kraft und Zeit gekostet. Die Konsequenz ist, dass alle wichtigen Punkte schriftlich festgehalten werden und ohne Vertrag bei becoacht gar nichts mehr geht.

VC Magazin: Was sind aus Ihrer Sicht bei den Rahmenbedingungen in Deutschland der größte Pluspunkt und das größte Manko für junge Unternehmen?
Roever: Es ist schön zu sehen, dass die Internetbranche inzwischen ernst genommen wird und die Politik das Thema Rahmenbedingungen für Start-ups auf der Agenda hat. Dr. Philipp Rösler, mit dem ich auf einer Delegationsreise nach Tel Aviv war, konnte mich und andere Gründer hiervon überzeugen. Mit einem Fördersystem für private Business Angels sowie dem Versuch internationale Investoren auf Deutschland aufmerksam zu machen, ist der erste Schritt getan. Ein Thema, mit dem alle Gründer in der Anfangsphase zu kämpfen haben, ist der Zugang zu Kapital. Aus diesem Grund denke ich, wäre es wichtig, dass die Bundesregierung jungen Gründern hier unter die Arme greift und während der gröbsten Phase finanzielle Unterstützung gibt.

VC Magazin: Gibt es (Internet-)Unternehmer, die Sie als Vorbilder oder Idole sehen?
Roever: Vorbilder muss man differenziert betrachten und es gibt meines Erachtens echte Stärken, die Gründer bzw. Unternehmer vorweisen. Einige Gründer/Unternehmer sind unfassbar gut im Einsammeln von Kapital, andere Unternehmer sind extrem erfolgreich im Team-Building oder dem Umsetzen von Innovationen. Es sind mehr die einzelnen Stärken, die ich an Gründern schätze.

VC Magazin: Welche drei bis fünf Apps für Smartphones sind die wichtigsten Helferlein in Ihrem Alltag?
Roever: Es sind weit mehr als fünf Apps, die ich im Alltag benutze, doch derzeit klicke ich am häufigsten auf becoacht, DriveNow, myDriver, Withings, RundKeeper, MailChimp, Spotify und Lieferheld für die Abende im Büro.

VC Magazin: Wie sehen die mittelfristigen Planungen für Ihr Start-up und Ihre unternehmerische Zukunft aus?
Roever: Nun geht es erstmal darum, Geld für das Venture einzusammeln, um so den deutschen Markt in den kommenden neun bis zwölf Monaten zu erobern. Anschließend werden wir uns neben einer Folgefinanzierung dem europäischen Markt widmen und freuen uns bereits jetzt auf alle Herausforderungen, die uns erwarten.

Zum Gesprächspartner:
Frederik Roever ist der CEO und Gründer des Münchner Start-ups becoacht (www.becoacht.com). Vor der Gründung baute er das Münchner Rocket Internet Büro und Rocket Ventures auf. Nach dem Studium verbrachte Frederik sechs Jahre im Investment Banking in London, wo er sich auf Transaktionen im Bereich der erneuerbaren Energien fokussierte.