Interview mit Olav Wilms, ILB

Olav Wilms, ILB
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VC Magazin: Vor knapp zwei Jahren fand der erste Brandenburger Eigenkapitaltag statt. Welches Feedback bekamen Sie auf die Veranstaltung?
Wilms: Wir haben ausgesprochen positives Feedback bekommen, das auch mit dem Wunsch nach weiteren Veranstaltungen in diesem Format verbunden war. Insbesondere der Praxisbezug des Brandenburger Eigenkapitaltags wurde gelobt. Da von einigen Teilnehmern der straffe Zeitplan und die damit nur eingeschränkte Möglichkeit des Netzwerkens moniert wurde, haben wir bei der Programmplanung des zweiten Eigenkapitaltages versucht, dem Genüge zu tun, und längere Pausen vorgesehen. Damit möchten wir auch den Erfahrungsaustausch unter den Unternehmern fördern und mehr persönliche Gespräche ermöglichen.

VC Magazin: Laut der BVK-Statistik hat sich im ersten Halbjahr 2013 die Verfügbarkeit von Venture Capital in Deutschland etwas entspannt. Eine Entwicklung, die bei den Förderbanken schon spürbar ist?
Wilms: Ja und nein. Aus unserer Sicht trifft die Statistik in Teilen für die Seed- und Series A-Finanzierung zu. Sobald die Investitionsrunden größer werden, ist der Kreis der interessierten Fonds wieder relativ klein. Sehr deutlich wird das bei kapitalintensiven und langfristigen Branchen wie der Biotechnologie oder Medizintechnik. Aufgrund der positiven Berichterstattung über die deutsche Gründerszene sehen wir aber zunehmend angelsächsische Investoren, die sich mit dem deutschen Markt auseinandersetzen. Nichtsdestotrotz sind öffentliche Wagniskapitalgeber, zu denen auch die von uns gemanagten Fonds zählen, sowohl als Initial- als auch als Co-Investoren zur Sicherstellung eines positiven Investitionsklimas zwingend erforderlich.

VC Magazin: Einige Venture-orientierte Fonds der ILB laufen 2014 aus. Welche Performance konnten sie bislang erzielen?
Wilms: Wie viele Venture Capital-Fonds müssen auch wir uns mit Haltefristen auseinandersetzen, die länger sind als geplant. Bei unserem Fonds BC Venture, der 2001 aufgelegt wurde, sind wir aktuell auf der Zielgeraden. Der Fonds hat bereits sämtliche Investorengelder nebst vereinbarter Hurdle Rate an die Investoren zurückgezahlt und verfügt noch über zwei Beteiligungen. Bei diesem Fonds werden wir also definitiv eine Überrendite erzielen.

VC Magazin: Berlin hat sich in den letzten Jahren zu einem internationalen Hotspot für Talente und Kapital entwickelt. Welche Herausforderungen gehen damit für Brandenburg als Wirtschaftsstandort einher?
Wilms: Prinzipiell ist die Entwicklung in Berlin eine sehr positive – auch für Brandenburg und hier insbesondere für den Speckgürtel um die Hauptstadt. Ausländische Investoren oder Gründer unterscheiden nicht zwischen Berlin und Brandenburg, sondern betrachten sie gesamt als Hauptstadtregion. Für uns gilt deshalb: Je mehr Kapital und Talent in die Region zieht, umso besser ist das – mit einem leichten Zeitversatz – auch für Brandenburg. Die Aufgabe ist also, das Momentum aus den Hype-Themen in andere Branchen zu transferieren und damit das Investitionsklima für Unternehmen und Kapitalgeber weiter zu verbessern.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.

Zum Gesprächspartner:
Olav Wilms ist als Bereichsleiter Beteiligungsmanagement verantwortlich für das Eigenkapitalgeschäft der Investitionsbank des Landes Brandenburg und darüber hinaus Geschäfts führer der ILB-Tochter BC Brandenburg Capital.