Crowdinvesting aus Sicht eines Venture Capitalisten

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Uns als Enjoyventure interessieren die Entwicklungen im Start-up-Funding. Unsere 15 Jahre Marktbeobachtungen zeigen: Institutionelle Investoren verschwinden, öffentlichen Investoren und professionalisierte Business Angels spielen eine immer wichtigere Rolle. Perspektivisch sind Crowd-Ansätze interessant: Warum soll man bei geeigneten Geschäftsmodellen nicht auch einmal ein Fonds-Investment parallel zu einer Crowd-Kampagne starten? Die Vielzahl der Plattformen und die Gestaltung der Beteiligung sind jedoch unübersichtlich und oftmals nicht Venture-geeignet. Trotzdem entsteht am Markt ein neues Finanzierungsprodukt für frühe Unternehmensphasen. Dies zu ignorieren wäre sträflich. Marktentwicklungen frühzeitig auch für das eigene Unternehmen zu antizipieren, fordern wir ja auch von unserem Portfolio.

Gemeinsame Interessen

Für einen soliden Vergleich der unterschiedlichen Crowd-Plattformen reicht hier sicher der Platz nicht, darum einige grundlegende Gedanken: Für uns ist essenziell, wie Venture Capital-kompatibel die Unternehmen nach einer Crowd-Finanzierung sind. Dabei ist die für Frühphaseninvestments notwendige Flexibilität und Geschwindigkeit von Entscheidungsprozessen ein wesentliches Thema. Eigentlich gibt es hier Interessenidentität aller Investoren, die Verträge müssen dies jedoch auch hergeben. Hier weisen die Verträge der verschiedensten Plattformen sicherlich große Unterschiede auf. Venture Capital-Kompatibilität bezieht sich jedoch nicht nur auf die Verträge der Beteiligung, sondern auch auf die Vorstellung, wie es sich in einer Finanzierung gemeinsam mit der Crowd lebt. Hier ist das Thema Kommunikation wesentlich. Die Entwicklung eines Start-ups hat sehr oft etwas mit Vertraulichkeit zu tun: Krisen müssen gemeistert, Geschäftsmodelle iterativ an den Markt angepasst und Marktbegleiter intelligent umgangen werden. Die Crowd kann intelligenter Ideengeber sein, zu viel Öffentlichkeit kann aber auch schaden. Wie alle mit solchen Themen umgehen, wird sich noch zeigen.

Lessons Learned vom First Mover

Schaue ich mir unabhängig von diesen Beispielen in meinem Crowd-Labor die Plattformen an, liegen mir sicherlich Companisto, aber insbesondere auch Bergfürst näher. In den von mir beobachteten Projekten sind auf diesen beiden Plattformen eher die größeren Finanzierungsrunden möglich und wurden auch realisiert. Dies mag ein persönlicher Eindruck vor dem Hintergrund der uns interessierenden Investmentcases sein. Auch die Integration zukünftiger Kapitalmaßnahmen ist bei diesen beiden Plattformen besser auf institutionelle Investoren ausgerichtet. Seedmatch, als ein First Mover im Markt, führte im Ergebnis sicherlich zu Lessons Learned für andere Plattformen.

Fazit

Insgesamt haben Crowd-Plattformen aus meiner Sicht eine generelle Berechtigung in der Start-up-Finanzierung, ja vielleicht sogar eine Notwendigkeit. Viele Geschäftsmodelle brauchen eben nicht eine Valley-Finanzierung, dem gegenüber steht am anderen Ende oftmals die Kleinstbeteiligung sogenannter Business Angels. Die Lücke dazwischen kann die Crowd bei geeigneten Geschäftsmodellen füllen. Wie viele Plattformen dazu notwendig sind, wird der Markt – oder die Crowd – dann schon auch noch zeigen.