M&A Kolumne von Dr. Michael Drill, Lincoln International

Dr. Michael Drill, Lincoln International
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Das Marktgeschehen wird 2016 vor allem von ausländischen Firmen und Investoren geprägt, die hierzulande auf Einkaufstour gehen. Deutsche Unternehmen werden sich im Ausland ebenfalls mit Zukäufen in Szene setzen. Jedoch werden sie sich hierbei vorsichtiger und damit zurückhaltender verhalten als in den Vorjahren.

Gleich zum Jahresauftakt wird bekannt, dass die chinesische ChemChina den Münchener Spezialmaschinenbauer KraussMaffei für 925 Mio. EUR erwirbt. Dieser Deal ist symptomatisch für viele weitere Transaktionen, bei denen deutsche Unternehmen aufgrund ihrer technologischen Führerschaft von ausländischen Strategen zu relativ hohen Bewertungen übernommen werden. Im Fall KraussMaffei sind die Chinesen insbesondere an dem „Plastics 4.0“ Know-how bei Spritzgussmaschinen interessiert.

Auf der Kaufseite erscheint die von Boehringer Ingelheim geplante Übernahme der Veterinärsparte von Sanofi für über 11 Mrd. EUR typisch für das künftige Akquisitionsverhalten deutscher Großkonzerne. Die Transaktion wird über einen Tausch von Geschäftsbereichen finanziert; die Deutschen geben im Zuge des Deals ihre OTC-Sparte an die Franzosen ab, sodass netto „nur“ ein Kaufpreis von knapp 5 Mrd. EUR fließt und das Risiko entsprechend eingegrenzt wird.

Seit 2010 werden jedes Jahr etwa 300 deutsche Unternehmen mit einem Unternehmenswert von über 25 Mio. EUR an Ausländer verkauft, während deutsche Firmen im Ausland im Durchschnitt nur etwa 200 Akquisitionen tätigen. Diese enorme Lücke wird sich 2016 weiter vergrößern. Für 2016 erwarten wir einen leichten Anstieg bei der Anzahl der Transaktionen im sogenannten Mid Cap-Segment. Diese Zuversicht leitet sich aus unserem laufenden Gedankenaustausch mit Vertretern deutscher und ausländischer Großkonzerne und mit der Private Equity-Industrie ab.

 

Dr. Michael Drill ist Vorstandsvorsitzender der Lincoln International AG, einem auf M&A-Beratung spezialisierten Beratungshaus mit weltweit etwa 450 Mitarbeitern. Lincoln International verfügt über eigene Büros in den weltweit zehn größten Volkswirtschaften der Welt. 2015 hat Lincoln International weltweit 166 und in Deutschland 26 Transaktionen erfolgreich abgeschlossen.