Interesse von Finanzinvestoren an Old Economy-Unternehmen ungebrochen

Die positive Stimmung in der deutschen Private Equity-Branche hält trotz makroökonomischer Unsicherheiten nach wie vor an, so die Studie „Deutsche Beteiligungsbranche 2017“ des Beratungshauses Rödl & Partner.
Die positive Stimmung in der deutschen Private Equity-Branche hält trotz makroökonomischer Unsicherheiten nach wie vor an, so die Studie „Deutsche Beteiligungsbranche 2017“ des Beratungshauses Rödl & Partner.
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Die positive Stimmung in der deutschen Private Equity-Branche hält trotz makroökonomischer Unsicherheiten nach wie vor an. Investitionen von Beteiligungsgesellschaften in mittelständische Unternehmen in Deutschland nehmen seit Jahren konstant zu. Das zeigt die bereits zum 11. Mal durchgeführte Studie „Deutsche Beteiligungsbranche 2017“ des Beratungshauses Rödl & Partner, in der 220 Beteiligungsgesellschaften zu den aktuellen Trends und Entwicklungen auf dem deutschen Private Equity-Markt befragt wurden.

Gleiches gilt laut der Studienautoren für den Wettbewerb um geeignete Targets: Immer mehr Finanz- und strategische Investoren, sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland stünden einer geringen Anzahl wachstumsstarker, zum Verkauf bereiten Familienunternehmen gegenüber. Der bevorstehende Brexit in Großbritannien und die geopolitischen Unsicherheiten in den USA würden den Wettbewerb um deutsche Familienunternehmen sogar noch verstärken, da die Investoren die aktuelle Sicherheit im deutschen Markt zu schätzen wissen.

Verkäufer weiterhin auf der Pole-Position

Auf dem Beteiligungsmarkt sind die Verkäufer weiterhin in der Pole-Position: Sie haben es im wettbewerbsintensiven Umfeld in der Hand, den richtigen Investor oder Partner für die künftige Entwicklung ihres Unternehmens zu wählen, stellen die Autoren der Studie fest. Die Unternehmenspreise seien nach wie vor auf einem hohen Niveau, auch bedingt durch die Sicherheit, die der deutsche Markt biete. Aufgrund des hohen Wettbewerbs um die Zielunternehmen liege der Fokus immer mehr auf der Branchenexpertise der Beteiligungsunternehmen. Hier müssen laut der Studie Zukunftsvisionen entwickelt werden, die sich in der immer häufiger zu findenden Buy- and Build-Strategie wiederfinden.

Interesse an deutschem Mittelstand und Old Economy-Unternehmen ungebrochen

Der Wettbewerb um den deutschen Mittelstand ist intensiv. In- und ausländische Finanzinvestoren und strategische Investoren aus dem In- und Ausland finden hier nach Aussage der Studienautoren ein attraktives Investitionsumfeld. Die befragten Beteiligungsgesellschaften investieren überwiegend in mittelständische Unternehmen mit einem Transaktionsvolumen bis zu 50 Mio. EUR. Der Fokus auf die Old-Economy-Industrien aus dem deutschen Mittelstand erfreuen sich großer Beliebtheit bei den Beteiligungsgesellschaften. Besonders der Maschinen- und Anlagenbau war laut der Studie in 2016 die am stärksten vertretene Branche. Darüber hinaus seien in Deutschland auch der Automotive und Industriegüter-Bereich auch sehr beliebt.

Buy- and Build-Strategien weiter im Fokus

Mittelständisch orientierte Private Equity-Häuser erwarten 2017 laut der Studienautoren erneut Deal-Zuwächse. Der Trend zur Buy- and Build-Strategie ist ungebrochen. Laut der Studienautoren können Beteiligungsgesellschaften so auch bei hohen Kaufpreisen noch eine gute Rendite erzielen. Das Vorgehen entspreche aber auch den Bedürfnissen der übernommenen Mittelständler: Sie suchen Käufer gezielt danach aus, ob sie dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern eine konkrete Wachstumsperspektive und Vision aufzeigen und neben Kapital au und operatives Know-how einbringen.

Nachfolgelösungen gesucht

Das gilt nach Einschätzung der Studienautoren besonders für die Lösung der Nachfolge durch den Verkauf an einen Private Equity-Investor. Das Lebenswerk eines Unternehmers werde nur dann übergeben, wenn der geeignete Partner für die künftige Fortführung gefunden ist. Den Gesellschaftern von Familienunternehmen nehmen dabei die niedrigen Zinsen an den Kapitalmärkten den Druck, denn eine Unternehmensbeteiligung erziele aktuell eine weitaus höhere Rendite als die Anlage des Verkaufserlöses.

Deutlich gestiegene Anzahl von ausländischen Investoren

Zielen die Gesellschafter auf die Finanzierung der internationalen Expansion durch Kapitalgeber ab, sind global aufgestellte Private Equity-Häuser, häufig aus dem anglo-amerikanischen Raum, die erste Wahl. Laut der Studie erleichtern die Investoren mit ihrem Netzwerk den Einstieg in ausländische Märkte. Aber auch hier habe die Konkurrenz durch strategische Investoren aus dem In- und Ausland stark zugenommen. Für die Private Equity-Branche heiße dies: Mit einer nachhaltigen, für den Mittelstand maßgeschneiderten Strategie können Investoren von der Wachstumskraft deutscher Familienunternehmen profitieren.

Leverage steigt wieder

Beim Thema Finanzierung setzt sich der Trend des Vorjahres fort. Die Variante, mehr als 50% des Kaufpreises über Fremdkapital zu finanzieren steigt kontinuierlich an, so die Experten von Rödl & Partner. Während in 2013 der durchschnittliche Eigenkapital-Anteil noch bei 69% lag, betrage er aktuell nur rund 61%. Grund hierfür ist laut der Studienautoren das anhaltend niedrige Zinsniveau und die hohe verfügbare Liquidität, die die Finanzierung über günstiges Fremdkapital für die Beteiligungsgesellschaften interessant machen.