Interview mit Horst Güdel, RWB PrivateCapital Emissionshaus

Die Oberhachinger RWB PrivateCapital Emissionshaus AG bringt die siebte Generation des RWB International-Fonds an den Start. Wie seine Vorgänger auch richtet sich das neue Vehikel an Privatanleger. Der Dachfonds soll wieder ein weltweites Portfolio an Private Equity-Fonds aufbauen.
Im April sprach RWB-Vorstand Horst Güdel im Interview mit dem VentureCapital Magazin unter anderem über das momentane Exit-Umfeld, den Wettbewerb um die besten Fonds und das Interesse von Privatanlegern an der Assetklasse.

VC Magazin: Wie nehmen Sie aktuell das Interesse vonseiten der Privatanleger an der Assetklasse Private Equity wahr?
Güdel: Das Interesse der Privatanleger verhält sich ähnlich wie das der institutionellen Investoren: Bei beiden steigt die Nachfrage. Die anhaltende Niedrigzinsepoche – über eine „Phase“ sind wir meines Erachtens bereits hinaus – zwingt alle Anleger, sich mit Anlageformen zu beschäftigen, die langfristig gute Erträge bieten. Das uns anvertraute Kapital nimmt auch deshalb zu, und wir wollen es noch weiter steigern. Denn wir haben Zugang zu sehr guten Fondsmanagern und wollen vielversprechende Investitionsmöglichkeiten natürlich so umfänglich wie möglich nutzen. In diesem Jahr werden wir wieder mehr als zehn neue Fonds auswählen und bearbeiten aktuell die entsprechenden Prüfungsprozesse. Im Vordergrund stehen dabei die Selektion der besten Managementteams und eine möglichst gute Diversifikation über verschiedene Regionen, Branchen und Finanzierungsanlässe.

VC Magazin: Sehen Sie Entwicklungen in der Branche, die der Anlageklasse weiteren Auftrieb bei Privatanlegern bescheren könnten?
Güdel: Die Tendenz ist klar, dass sich Private Equity als Assetklasse stärker etabliert als dies noch vor einigen Jahren der Fall war. Das zeigt sich auch daran, dass mittlerweile nicht mehr so oft von „alternativen Investments“ die Rede ist, sondern sich Beteiligungskapital bei den Investoren mehr und mehr zu einer normalen und etablierten Investmentform entwickelt hat. Der Grund ist sicherlich, dass sich die Ergebnisse der Top-Quartil-Fonds und der Vehikel unterhalb dieser Gruppe zuletzt angenähert haben. Hier wurde eine starke Lernkurve durchlaufen, und man stellt fest, dass viele Private Equity-Fonds immer stärker und besser aufgestellt sind. Zwar sind extrem überdurchschnittliche Ergebnisse seltener geworden, gleichzeitig hat die Anzahl der schwächeren Fonds aber stark abgenommen. Verluste sind heute fast nur noch im Frühphasensegment zu beobachten, das zumindest bei uns kaum eine Rolle spielt. Dazu kommt, dass Private Equity nicht eins zu eins mit den Aktienmärkten korreliert. Bei starken Marktschwankungen sind die Unternehmensbewertungen natürlich ebenso betroffen. Die Fondsmanager sind aber in der Lage, ihre Beteiligungen weiter zu halten und vergleichsweise schnell nötige, operative Maßnahmen zu treffen. Daher wird Beteiligungskapital auch von anspruchsvollen Beratern beim Portfolioaufbau empfohlen. Die Gesellschaften stehen auf der anderen Seite vor der Herausforderung, die großen Kapitalmengen zu investieren. Aus Sicht der Limited Partner ist es unbedingt zu vermeiden, dass die Fonds zu hohe Preise für Unternehmen bezahlen. Es gilt also, sehr genau auf die Auswahl der Managementteams zu achten.

VC Magazin: Könnten bei der Annäherung der Performance nicht auch die günstigen Kaufpreise von einigen Jahren und die hohen Verkaufspreise momentan eine Rolle spielen?
Güdel: Selbstverständlich gibt es hier eine ganze Reihe von Faktoren, die zu solch einem Ergebnis führen. Wir sehen als ausschlaggebenden Grund allerdings einen seit einiger Zeit andauernden Umbruch: Die finanzielle Beteiligung spielt heute nur noch die zweite Geige. Die strategische und operative Unterstützung rückt in den Mittelpunkt. Die Expertise hierfür ist meiner Meinung nach aufseiten der Private Equity-Manager gestiegen. Das gilt nicht nur für die sehr großen Buyout-Fonds, sondern auch für die mittleren und kleineren Gesellschaften. Gleichzeitig muss man festhalten, dass die Renditen im Vergleich zu anderen Anlageklassen stabil und auf einem hohen Niveau geblieben sind. Auch daher rührt natürlich das riesige Interesse der Investoren.

VC Magazin: Aktuell drückt viel Geld in den Private Equity-Markt. Wie bekommt man Zugang zu den interessanten Fonds?
Güdel: Lassen Sie es mich so sagen: Würden wir heute unsere Gesellschaft gründen und hätten von Investoren nur 100 Mio. EUR zur Verfügung, wir könnten dieses Geld nicht sinnvoll investieren. Sämtliche Fonds, in die wir in den vergangenen Jahren investiert haben, sind im Durchschnitt fünffach überzeichnet. Ohne Ausnahme. Die einzige Möglichkeit, Zugang zu diesen Vehikeln zu erhalten, ist, bereits langjähriger Investor zu sein oder über Jahre hinweg einen engen Austausch zu pflegen. Insbesondere, wenn Sie Wert darauf legen, dass das Management sich selbst diszipliniert, also nicht von einer Fondsgeneration zur nächsten das Volumen versiebenfacht, haben sie als neuer Investor keine Chance. Wir haben außerdem im vergangenen und vorvergangenen Jahr Investitionen getätigt, für die wir zehn, zum Teil zwölf Jahre mit den Private Equity-Gesellschaften in Kontakt standen, bis wir erstmals bei ihnen investieren konnten. Auch schaffen manche General Partner hin und wieder Side-Vehikel, damit langjährige Kapitalgeber auch noch bei einem bereits überzeichneten Fonds dabei sein können. Dafür müssen Sie aber wirklich langjährige Beziehungen zum jeweiligen Management haben. Insgesamt gilt: Das weltweite Netzwerk ist unser wertvollstes Asset.

VC Magazin: In diesem Jahr gab es rund 50 Teil- und Voll-Exits bei den Zielfonds von RWB. Wie bewerten Sie das momentane Umfeld?
Güdel: Bislang hatten wir 2017 die größten Exit-Erfolge in unserer Unternehmensgeschichte. Ich erwarte, dass in diesem und dem nächsten Jahr die Exit-Realisationen auf einem hohen Niveau bleiben werden. Allgemein gilt für das Finanzmarktumfeld, dass sich die Situation womöglich eintrüben könnte, da der Verschuldungsgrad von privaten Haushalten, Unternehmen, Banken und Staaten deutlich zugenommen hat. Je nachdem, wie sich die politische Gemengelage, die Inflation und weitere Faktoren entwickeln, könnten für eine gewisse Zeit ernste Probleme auf nahezu alle Akteure zukommen. In einem solchen Umfeld steht der Erhalt von Vermögen weit oben auf der Prioritätenliste. Hierbei kann Private Equity wieder eine sehr positive Rolle spielen. Das haben die Jahre 2008, 2009 und 2010 gezeigt. Seinerzeit gingen zwar die Unternehmensbewertungen nach unten, was zu einer Verlängerung der Haltedauern geführt hat. In den letzten Jahren wurden jedoch die meisten Investitionen aus dem Jahr 2006 gewinnbringend realisiert. Der IRR war hier sicher etwas unter dem Durchschnitt, aber das Kapital wurde trotzdem noch nennenswert vermehrt.

VC Magazin: Sie sind unter anderem mit den RWB India-Fonds aktiv. In den letzten Jahren gab es immer wieder Frust beim Thema Emerging Markets. Wie schätzen Sie die Situation aktuell ein?
Güdel: Die Situation hat sich deutlich verbessert. Die Probleme der letzten Jahre hatten allen voran zwei geografische Ursprünge: China, wo es Ende 2013 einen extremen Eingriff in die Exit-Möglichkeit über die Börse gab, und Indien, das vor 2014, also vor dem Amtsantritt von Premierminister Narendra Modi, keine wirtschaftsfreundliche Politik hatte. Seither sind deutliche Verbesserungen in beiden Ländern zu beobachten. Beide Länder haben sich in der Zwischenzeit zu großen Industriestaaten gewandelt. Auch Indien hat darüber hinaus mittlerweile eine sehr gute Finanzindustrie aufgebaut.

VC Magazin: Zum Schluss: Wie ist Ihr Ausblick auf die kommenden zwölf bis 18 Monate?
Güdel: Ich erwarte, dass die Assetklasse Private Equity – über all ihre Investitionsformen hinweg – in den nächsten zwölf Monaten, aber vor allem langfristig weiterhin sehr attraktive Renditen bieten wird – mit Vorteilen für Mid Market Buyout-Fonds gegenüber den großen Buyout-Vehikeln. Gesellschaften im Frühphasensegment sind in der Regel volatiler. Für risikoaffine Investoren kann es Sinn machen, auch hier einen Teil des Kapitals anzulegen. Das Zinsniveau dürfte in den nächsten eineinhalb Jahren etwas ansteigen, allerdings in sehr kleinen Dosen. Die Verantwortlichen in den Notenbanken werden hier sehr vorsichtig agieren und krisenauslösende Anlässe vermeiden wollen. Es wird also nominal Zinserhöhungen geben. Inflationsbereinigt werden Anleger davon allerdings nichts haben.

VC Magazin: Herr Güdel, vielen Dank für das Interview.

 

Horst Güdel ist Gründungsgesellschafter und Vorstand der RWB PrivateCapital Emissionshaus AG. Innerhalb der Gesellschaft verantwortet er das Portfoliomanagement. Außerdem ist Güdel Mitglied zahlreicher Advisory Boards von Private Equity-Fonds.