Infineon übernimmt Siliziumkarbid-Start-up für 124 Mio. EUR

Infineon übernimmt Silizumkarbid-Start-up für 124 Mio. EUR
Siltectra will mit der Cold Split-Technologie das Splitten von Siliziumkarbid-Wafern effizienter machen.
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Siltectra entwickelt ein Verfahren zum effizienteren Bearbeiten von Kristallen. Die Cold Split-Technologie soll den Ertrag im Vergleich zu herkömmlichen Methoden um 90% steigern und Materialverformungen reduzieren. Die MIG Fonds halten seit 2010 die Mehrheit an dem Start-up. Jetzt verkauft die Private Equity-Gesellschaft ihre Anteile an Infineon. Der Leistungshalbleiterhersteller will die Lösung von Siltectra zum Splitten von Siliziumkarbid-Wafern einsetzen. Die Übernahme lässt sich das Unternehmen 124 Mio. EUR kosten.

Die Siltectra GmbH hat eine Technologie entwickelt, mit der sich Kristalle besonders effizient bearbeiten lassen sollen. Das Cold Split-Verfahren ermöglicht es laut Start-up, kristalline Materialien wie Siliziumkarbid zu beschneiden – beinahe ohne Materialverlust. Im Vergleich mit herkömmlichen Methoden soll der Ertrag um 90% steigen, außerdem sinke das Risiko, dass sich Bearbeitetes verformt. Zudem müssten Oberflächen kaum mehr nachbehandelt werden; Polieren sei nur noch selten nötig.

Siliziumkarbid-Wafer mit doppeltem Ertrag splitten

Künftig wird die Infineon Technologies AG von der Lösung des Dresdner Unternehmens profitieren. Der Leistungshalbleiterhersteller übernimmt die Mehrheit an Siltectra von der MIG Verwaltungs AG. Kaufpreis sind 124 Mio. EUR. Infineon will die Cold Split-Technologie einsetzen, um Siliziumkarbid-Wafer zu spalten. Mit dem Verfahren lässt sich die Anzahl der Chips aus einem Wafer im Idealfall verdoppeln. Materialien wie Siliziumkarbid gewinnen zunehmend an Bedeutung, wenn es um Anwendungsbereiche in der Leistungselektronik geht: Elektromobilität oder erneuerbare Energien. Reinhard Ploss, Vorstandsvorsitzender von Infineon: „Diese Akquisition wird uns dabei helfen, unser exzellentes Portfolio auch bei dem neuen Material Siliziumkarbid auszubauen.“ Das Systemverständnis des Konzerns und sein Know-how bei der Dünnwafer-Technologie würden durch die Innovationskraft und das Cold Split-Verfahren von Siltectra „ideal ergänzt“. Die MIG Fonds waren seit 2010 Mehrheitsanteilseiger an dem Dresdner Start-up. Die Private Equity-Gesellschaft war über die Fonds 9,10,12,13 und 15 investiert. Insgesamt hielt der Geldgeber 83,3% und engagierte sich mit 12,6 Mio. EUR. Der Verkauf ergibt jetzt den bisher größten Rückfluss an die Anleger. Es ist der zweite Exit für den Investor in diesem Jahr. Im Mai war das Portfoliounternehmen NFON an die Börse gegangen. Im Zuge des IPO veräußerten die MIG Fonds Anteile. Natürlich beteiligen sich die Fonds auch weiter an Start-ups. Zuletzt ist der Wagniskapitalgeber im August bei GWA Hygiene eingestiegen – das Unternehmen will Krankenhauskeime bekämpfen.

Siltectra GmbH, Dresden
Tätigkeitsfeld: Kristallbearbeitung
Investor: MIG Verwaltungs AG
Volumen: 124 Mio. EUR (Trade Sale)