Frauenkräuter weit weg vom Image der „Kräuterhexe“

Maxie Matthiessen
Maxie Matthiessen von Femna Health.
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Das Heilwissen der Frauen hat eine lange Tradition, in welche sich urban und modern interpretiert auch Femna Health einreihen möchte. Das Unternehmen aus Berlin hat es sich zur Aufgabe gemacht, Frauenbeschwerden mit Kräutertees zu lindern. Gleich mehrere Business Angels glauben an das Konzept.

Das Thema Frauengesundheit und Wohlbefinden beschäftigt Maxie Matthiessen schon eine Weile: Unter dem Namen „Ruby Cup“ brachte sie mit ihrer seinerzeit in Dänemark gegründeten Firma „Ruby Life“ sogenannte Menstruationstassen auf den Markt und schaffte es, ein Nischenprodukt zum Mainstream werden zu lassen. Mittlerweile führen große Drogerieketten ein vergleichbares Produkt unter der jeweiligen Eigenmarke. Mit ihrer Produktausrichtung wurde sie von den Kundinnen als Expertin in Sachen Frauenfragen wahrgenommen und bekam sie damals eine Menge Anfragen. „Unsere Kundinnen beschäftigten sich mit den Themen Regelschmerzen, Prämenstruelles Symptom (kurz: PMS) oder hormonell bedingte Kopfschmerzen – und fragten, ob wir helfen könnten“, erzählt sie und weiß daher, dass es zunehmend Frauen gibt, die gerade bei zyklisch auftretenden Schmerzen auf der Suche nach Alternativen oder ergänzender Hilfe zur klassischen Medizin sind. Die Sensibilität der Frauen für ihren Organismus steigt und viele „möchten nicht mehr Monat für Monat Schmerztabletten nehmen“, sagt sie.

Tiefes Verständnis über Wirkweisen

Damit war die Idee für Femna Health geboren. Bei Femna Health kombinieren Matthiessen und ihre Mitgründerin Emely Casey traditionelles Kräuterwissen mit Forschung. „Seit jeher wurden Kräuter gegen klassische Frauenschmerzen eingesetzt“, sagt sie. Neu aber ist das Grundlagenwissen, dass „manche Kräuter nämlich Substanzen enthalten, die das hormonelle Gleichgewicht wiederherstellen.“ Kritikern, denen das alles zu altbacken und nicht pharmakologisch genug ist, entgegnet Matthiessen, die aus einer Medizinerfamilie stammt, dass viele Arzneistoffe auf Basis von Kräutern entwickelt werden, darunter bekannte Mittel wie Aspirin oder Opiate. Seit gut einem Jahr ist Femna Health mit seinem Produktsortiment auf dem Markt und versucht, durch modernes Design und frisches Marketing das Image zu entstauben – Urbanität statt Öko-Strickpullover in Gesundheitslatschen. „Für Tabuthemen wie PMS, Periode bis hin zu den Wechseljahren wollen wir ein ‚Lifestyle-Produkt‘ anbieten“, sagt Matthiessen.

Erfolg mit Haken

Tobias Wittich
Tobias Wittich

Dieser Ansatz hat Tobias Wittich, Business Angel der ersten Stunde, überzeugt. „Ich glaube an den Hippness-Faktor. Das Thema ist emotional, gleichzeitig kosmopolitisch, online umsetzbar und hat das Potenzial für einen Milliardenmarkt.“ Bisher haben fünf Angels einen signifikanten sechsstelligen Betrag investiert. Wittich ist sich sicher: „Ein Mann könnte dieses spezifische Thema nicht so authentisch vertreten wie die beiden Frauen. Sie sind an den Themen nah dran.“ Dass Matthiessen zum Zeitpunkt der Kapitalsuche hochschwanger mit Zwillingen war, erhöhte die Glaubwürdigkeit des Business Cases. Mit den bisher erreichten Zielen sind Gründerin und Investor gleichermaßen zufrieden. Gemessen an den Umsatzzahlen hat das Team um Matthiessen und Casey die Erwartungen weit vor der Zeit erfüllt. „Wir sind jetzt schon dort angekommen, wo wir nächstes Jahr um diese Zeit sein wollten“, verrät sie. Für Femna Health bringt dies jedoch ein Problem mit sich: Aktuell ist das Sortiment weitgehend ausverkauft!

Ausblick

Matthiessen: „Viele unserer Kunden kaufen alle drei bis vier Monate. Unsere Retention Rate ist um einiges höher als erwartet.“ Die beiden Frauen werden im kommenden Jahr erneut Kapital aufnehmen müssen, um den Einkauf, Lagerung und Logistik zu professionalisieren sowie einen neuen Warenzulieferer zu finden. Darüber hinaus will Femna Health sowohl das Femna Lab und Femna Consult launchen. Kundinnen sollen dann direkt mit Experten zu den entsprechenden Themen sprechen können. Wittich ist sich ziemlich sicher, auch diese Runde wieder mitzugehen. Denn Femna profitiert von zweierlei: der Nachfrage nach gesundheitsbewussten und bioveganen Produkten sowie von der Femtech-Bewegung, die in den USA Unternehmen wie Lola oder Flags bereits viel Geld in die Kassen gespült hat.