Ihr seid nicht allein

Susanne Traugott
Susanne Traugott begleitet die Initiative Women.start.up! der UnternehmerTUM.
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Auch wenn sich die Zahlen positiv entwickeln: Frauen sind im deutschen Start-up-Ökosystem und in Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert. Dabei herrscht weithin Konsens – mehr Gründerinnen und Unternehmerinnen wären ein wichtiger Treiber für Ideen, Arbeitsplätze und Wachstum in Deutschland. Frauen zu ermutigen und professionell zu begleiten ist deshalb das erklärte Ziel einer Reihe von Initiativen. Einige von ihnen werden nachstehend exemplarisch vorgestellt:

Gerade einmal 15,1% beträgt der weibliche Anteil am Gründungsgeschehen laut Deutschem Startup Monitor 2018. Nur knapp ein Drittel der Führungskräfte in Deutschland sind Frauen, vermeldet das Statistische Bundesamt. „Das Unternehmertum wird aber jeden Tag etwas bunter und weiblicher“, ist die Erfahrung von Projektleiterin Dr. Bettina Wenzel von der Münchner Servicestelle guide, die Frauen seit 2005 mit Förderlaufzeiten von jeweils drei Jahren bei der Existenzgründung unterstützt. Träger des Projektes ist GründerRegio M, eine Initiative der Wissenschafts- und Wirtschaftsregion München zur Förderung von hochschulnahen Unternehmensgründungen, die das Themenfeld Female Entrepreneurship zu einem zentralen Schwerpunkt ihrer Projektaktivitäten entwickelt hat. „Es ist kein Klischee – Frauen gründen anders: familienbedingt meist später als Männer, eher in wettbewerbsintensiven Märkten des Dienstleistungssektors oder der freien Berufe, eher Sinn suchend statt technikaffin, häufig kleiner, vorsichtiger und mit eigenem Kapital“, erzählt Wenzel. „Mit Gruppen- und Einzelcoachings bereiten wir unsere Kundinnen individuell, dabei professionell und umfassend auf die berufliche Selbständigkeit vor. Wir stärken auch ihr Selbstbewusstsein, das häufig durch die Erwerbsunterbrechung in der Familienpause etwas gelitten hat.“ Ihr häufigster Rat: „Unterschätzen Sie nicht die bereichernde Wirkung der weiblichen Sicht der Dinge.“

Dr. Bettina Wenzel
Dr. Bettina Wenzel

Pink-blaues Denken war gestern: Frau kann auch Tech-Gründung

Unternehmensgründung zu einer eigenständigen Option der frühen weiblichen Karriereplanung zu machen, ist das Ziel der jüngsten Initiative Women.start.up! von UnternehmerTUM. „Wir wollen altes Rollendenken überwinden und Frauen frühzeitig für die Themen Gründung und Technologie begeistern“, erklärt Susanne Traugott, die das Programm als Manager Entrepreneurship&Tech Education begleitet. „Der Tech-Bereich ist noch immer männlich dominiert. Trotzdem beträgt der Anteil weiblicher Studierender an der TUM aktuell schon 34%. Frauen gründen dennoch weniger als Männer – und das wollen wir ändern. Schließlich ist nachgewiesen, dass Männer in Gruppen risikobereiter sind als allein, reine Frauengruppen dagegen Chancen verstreichen lassen: je gemischter also die Teams, desto besser die Entscheidungen.“ Die Initiative möchte Männer und Frauen gleichermaßen für das Thema sensibilisieren, weibliche Talente erkennen und fördern sowie Frauen für eine (Mit-)Gründung in einem Tech-Start-up qualifizieren. Dazu sollen eine starke Community von gründungs- und technologieinteressierten Frauen aufgebaut, weibliche Vorbilder präsentiert und die öffentliche Sichtbarkeit des Themas erhöht werden.

Gründerinnen profitieren von Mentoring

Prof. Susanne Porsche
Prof. Susanne Porsche

Mehr als 800 Bewerbungen erhielt das HVB-Gründerinnen-Mentoring-Programm in den vergangenen fünf Jahren – ein deutlicher Hinweis darauf, wie wichtig weiblichen Gründern der Schulterschluss mit erfahrenen Unternehmerinnen ist. Immerhin 30 durften seither das Programm durchlaufen und profitierten über einen Zeitraum von jeweils sechs Monaten von gestandenen weiblichen Sparringspartnerinnen bei allen Fragen rund um die Gründung. Daneben hatten sie Zugang zu exklusiven Events und Workshops der Kooperationspartner wie des Gründernetzwerks BayStartUP und anderen. „Geniale Ideen zu haben ist ein guter Anfang, doch bekommt man oft Gegenwind und muss kämpfen, um sich auf dem jeweiligen Markt durchzusetzen. Hier zweifeln Frauen schnell an sich selbst, obwohl sie es gar nicht müssten“, resümiert Professor Susanne Porsche als Leiterin der Initiative ihre Erfahrungen. Austausch mit und positive Verstärkung durch Mentorinnen sei deshalb besonders wichtig. Porsche ist überzeugt: „Wir brauchen alle Talente, die für die Zukunftsfähigkeit des Innovationsstandorts Deutschland stehen, die den technologischen Fortschritt und den digitalen Wandel vorantreiben und die etablierten Unternehmen herausfordern. Frauen können dabei eine mindestens ebenbürtige Rolle zu Männern spielen.“

Bei den Männern abgeschaut: Frauen helfen Frauen

Dörte Höppner
Dörte Höppner

Bereits geschafft haben das die Frauen der Private Equity-Industrie, die sich im Rahmen von Level20 – zunächst in Großbritannien, seit Februar 2018 auch in Deutschland – dafür einsetzen, den Anteil von Frauen in Führungspositionen zu erhöhen. Dörte Höppner ist COO der weltweit operierenden Private Equity-Gesellschaft The Riverside Company. Sie engagiert sich ehrenamtlich für die Initiative: „Wir arbeiten zielgerichtet daran, zum einen mehr Frauen bei ihrer Karriereplanung für die Bereiche Private Equity und Venture Capital zu begeistern. Zum anderen geht es uns darum, Frauen in der Branche zu halten und ihnen zu helfen, bis ganz nach oben zu kommen.“ Nach ihrer Aussage liegt der Anteil der Frauen in Führungspositionen hier noch deutlich unter 10% – er soll sich zügig erhöhen, wie es der Name der Initiative selbstbewusst ausruft. Höppner erklärt: „Wenn es gelingt, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, profitiert davon nicht nur das einzelne Unternehmen, sondern die gesamte Volkswirtschaft. Die Notwendigkeit von Gender Diversity ist in unserer Zeit nicht mehr auszublenden.“