Geld alleine reicht nicht

Notiz von Christoph Büth, NRW.Bank

Christoph Büth, NRW.Bank
Christoph Büth, NRW.Bank
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Prall gefüllte Auftragsbücher: Was nach einem unternehmerischen Traum klingt, ist oft gleichzeitig eine Herausforderung. Denn um das Wachstum zu bewältigen, sind Investitionen nötig – oft sogar hohe Summen, zum Beispiel für eine moderne Maschinengeneration oder eine neue Produktionsstätte. Und Investitionen wollen finanziert werden.

In der Vergangenheit haben sich familiengeführte deutsche Mittelständler schwergetan, an eine Aufstockung des Eigenkapitals durch Aufnahme von neuen Gesellschaftern zu denken. Sie fürchten Finanzinvestoren als „Heuschrecken“. Doch Untersuchungen bestätigen einen Imagewandel – vielleicht sogar den „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“, wie die Wirtschaftsprüfer von PwC ihre jüngste Studie betitelten. Demnach sind fast zwei Drittel aller aktiven Gesellschafter in Familienunternehmen überzeugt, dass Finanzinvestoren einen nachhaltigen Unternehmenserfolg anstreben. Noch mehr meinen, Private Equity-Investoren erhöhen die Gesamtleistung des Unternehmens und verbessern es operativ. Insgesamt können sich vier von fünf der Befragten privates Beteiligungskapital als Finanzierungsalternative vorstellen. Zumal die Investoren heutzutage längst nicht immer Mehrheitsbeteiligungen anstreben.

Für erfolgreiche Familienunternehmer kommen auch Minderheitsbeteiligungen infrage, bei denen sie die Entscheidungsmacht behalten. Stellt sich dies als zu kompliziert dar, dann ist eventuell auch eine stille Beteiligung die passende Lösung.

Clevere Unternehmer wollen jedenfalls nicht im eigenen Saft schmoren. Sie schätzen Sparringspartner, die einen Austausch auf Augenhöhe ermöglichen. Genau dies bieten erfahrene private und öffentliche Finanzinvestoren. Geld alleine reicht nicht. „Geld Plus“ oder „Smart Money“ heißt: Finanzierung plus Beratung. Denn professionelle Finanzinvestoren haben Zugriff auf ausgewiesene Branchenexperten, die mit Strategien, Empfehlungen und Kontakten weiterhelfen und mit kritischen Fragen unternehmerische Klippen aufzeigen. Auch Förderbanken öffnen ihre großen Netzwerke, wenn sie sich im Rahmen eines Investorenkonsortiums beteiligen.

Doch gelten bei der Investorenwahl die uralten Weisheiten „Drum prüfe, wer sich bindet“ ebenso wie „Für jeden Topf gibt es einen Deckel“. Wer aktiv das Miteinander sucht, der wird seinen Partner finden, denn das perfekte Match von wachstumskapitalsuchendem Mittelständler und Investor ist möglich.

 

Christoph Büth ist Leiter des Bereichs Eigenkapitalfinanzierungen der NRW.Bank, welcher die Venture Capital-Aktivitäten ebenso wie das mittelständische Beteiligungsgeschäft mit insgesamt 45 Mitarbeitern umfasst. Büth ist seit 2007 bei der NRW.Bank beschäftigt, zunächst als Beteiligungsmanager und seit 2009 als Abteilungsleiter Beteiligungskapital Mittelstand.