Private Debt – notwendiges Finanzierungsinstrument oder Türöffner für riskante Deals?

Kreditfonds weiter auf dem Vormarsch

Private Debt – notwendiges Finanzierungsinstrument oder Türöffner für riskante Deals?
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Die Bewertungen nicht börsennotierter Unternehmen in Deutschland und Europa liegen auf Rekordniveau. Die steigenden Kaufpreise erfordern einen höheren Kapitaleinsatz und führen dazu, dass Investoren einen breiteren Mix an Kreditinstrumenten nutzen, um Firmenakquisition zu finanzieren.

Eine gesunde Finanzierung besteht typischerweise aus einer moderaten Fremdkapitalquote bis zu 50%. Ein höheres Leverage birgt höhere Risiken, insbesondere jetzt, da wir eine Abkühlung der Konjunktur und eine Zunahme der Insolvenzfälle erwarten. Die Basis einer Finanzierung bildet in der Regel noch immer das klassische Bankdarlehen. Es ist die erste Wahl, zumal die Konditionen für Kreditnehmer aktuell sehr attraktiv sind. Doch nicht immer stehen Banken zur Vergabe eines Darlehens bereit. In manchen Fällen reicht auch der Kreditrahmen nicht aus, etwa wenn das Volumen je nach dem Verschuldungsgrad gedeckelt wird oder die geplanten Kapitalflüsse keinen ausreichenden Puffer im Vergleich zum Tilgungsplan lassen. Alternative Finanzierungsinstrumente wie Debt-Fonds bieten hier Vorteile. Durch die oft endfälligen Darlehen, teils mit kapitalisierenden Zinsen, lassen sich die Kapitalabflüsse in spätere Jahre verlagern. Durch den höheren Zins steigt zwar das Gesamtrisiko, aber die Struktur gibt dem Investor kurzfristig mehr Freiraum, was gerade zum Beginn einer Finanzierung sehr sinnvoll sein kann.

Debt-Fonds bieten mehr Spielraum

Wo die Bankenfinanzierung an ihre Grenzen stößt, spielen Debt-Fonds ihre Vorteile aus. Bei Verkaufsverhandlungen mit mittelständischen Unternehmen ist manchmal schnelles Handeln gefordert. Die Entscheidungswege einer Bank sind hier in manchen Fällen zu langsam. Debt-Fonds können dagegen oft innerhalb von wenigen Wochen oder sogar Tagen einen Kredit bewilligen und so den Ausschlag für den positiven Abschluss einer Transaktion geben. Hinzu kommt, dass die Kreditfonds im Gegensatz zu Banken oftmals über fundierte Branchenkenntnisse verfügen. Typischerweise sind Debt-Fonds auf spezielle Sektoren oder Technologien fokussiert und halten bereits ähnliche Unternehmen in ihrem Portfolio. Dadurch gewinnt man einen Partner, der zusätzliche Expertise sowie ein umfangreiches Netzwerk in die Transaktion mit einbringt und entscheidend zum Erfolg des Investments beitragen kann. Grundsätzlich stellen Debt-Fonds keinen Ersatz, sondern vielmehr eine Ergänzung zum klassischen Kredit dar. In besonderen Fällen, etwa wenn der Fokus des Investors stärker auf Wachstumsstrategien wie Buy and Build liegt, können sie allerdings die bessere Alternative sein, da Kreditlinien zur Akquisitionsfinanzierung von Zukäufen teilweise schon im Voraus reserviert werden können.

Geldpolitik als Treiber

Dass die steigenden Unternehmensbewertungen von einer wachsenden Nachfrage nach neuen Finanzierungsinstrumenten begleitet werden ist kein Zufall. Beide Entwicklungen haben damit zu tun, dass die Notenbanken seit Jahren viel Geld in die Märkte pumpen. Private Equity-Gesellschaften profitieren von dieser expansiven Geldpolitik nicht nur aufgrund der attraktiven Finanzierungskonditionen, sondern auch weil Investoren im Niedrigzinsumfeld mehr Kapital in Anlageklassen mit höheren Renditeerwartungen verlagern. Dementsprechend ist sowohl die Nachfrage nach Unternehmensbeteiligungen als auch die Wettbewerbsintensität der Kaufprozesse gestiegen. Das hat wiederum nicht nur die Kaufpreise erhöht, sondern auch zu einem größeren Angebot an alternativen Finanzierungsmodellen geführt. Der Umkehrschluss, dass private Investoren aufgrund des größeren Fremdfinanzierungsangebotes plötzlich bereit sind höhere Kaufpreise zu zahlen, trifft allerdings nicht zu.

Fazit

Kreditfonds sind zu einem wichtigen Bestandteil bei der Gestaltung von Transaktionen geworden. Sie bieten Investoren mehr Möglichkeiten um attraktive Finanzierungsstrukturen zu entwerfen. Dadurch steigt auch die Wahrscheinlichkeit eines Deals. Gleichzeitig erhöht das höhere Premium der Debt-Fonds das Gesamtrisiko und mindert den Return. Dies stellt jedoch bei Renditeerwartungen, die über das Zwei- oder Dreifache des eingesetzten Geldes hinausgehen, noch immer ein attraktives Chancen- und Risikoprofil dar. Die wachsende Anzahl an Debt-Fonds ist positiv zu bewerten. Dabei sollte man jedoch beachten, dass die angebotenen Strukturen und Konditionen stark variieren können. Dies macht die Vergleichbarkeit der Angebote schwieriger als bei klassischen Krediten und erfordert mehr Aufmerksamkeit bei der Auswahl.

Stefan Eishold, Arcus Capital AG

Stefan Eishold ist seit 2005 im Vorstand der Arcus Capital AG. Von 2009 bis 2013 war er CEO der Filmfirma Wige Media AG, einem börsennotierten Medienunternehmen. Zwischen 2000 und 2007 war er CEO und später Aufsichtsratsvorsitzender der MME Moviement AG. Davor arbeitete er u.a. als Geschäftsführer des Metropolitan Zuges.