Wie sich die Logistikbranche an die Digitalisierung wagt

Mehr Mut zur Sache!

Wie sich die Logistikbranche an die Digitalisierung wagt
Wie sich die Logistikbranche an die Digitalisierung wagt
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Auch wenn die Logistikbranche auf einem guten Weg ist, läuft die Digitalisierung bei vielen Unternehmen des Exportweltmeisters Deutschland immer noch schleppend an. Herausforderungen sind dabei keinesfalls der Mangel an digitalen Lösungen auf dem Markt, sondern vielmehr das Commitment und der Mut der Logistikunternehmen stärker mit Start-ups zu kollaborieren. In diesem Zusammenhang bieten Acceleratoren, Inkubatoren und andere Ökosysteme gezielt Formate für das Vernetzen, Austauschen und das gemeinsame Entwickeln digitaler Produkt- und Serviceinnovationen mit Start-ups an. Aktuell lassen es starre Strukturen vieler Logistikunternehmen jedoch noch nicht zu, das Innovationspotenzial aus diesen Kollaborationen auch innerhalb des eigenen Unternehmens nachhaltig zu integrieren. Was die Logistikbranche benötigt ist nicht nur eine digitale Transformation, sondern eine Transformation von der zu hohen Vorsicht und Zurückhaltung hin zu mehr Offenheit und Mut.

Doch besonders für die Logistikbranche, in welcher Kostenminimierung, Ressourceneffizienz und Prozessoptimierung die zentralen Treiber der Wettbewerbs- und Überlebensfähigkeit sind, sind Investitionen in die Digitalisierung die größte Mutprobe überhaupt. So muss man das Problem und den dahinterstehenden Logistikprozess genau verstehen, bevor man diesen in Kollaborationen mit Start-ups digitalisieren kann. Klingt plausibel, doch zumeist hakt es aufgrund der Komplexität der Logistikprozesse an der Identifizierung des echten Problems. Zudem fehlt den Verantwortlichen – im aktuellen Tagesgeschäft und in alten, bisher bewährten Strukturen verhaftet – die Zeit, sich vorab intensiv damit zu beschäftigen, welche Logistikprozesse digitalisiert werden müssen, warum und wo eine Zusammenarbeit mit Start-ups notwendig ist und wie viele Ressourcen man tatsächlich in eine derartige Kollaboration investieren kann. Doch gerade diese Unternehmensanalyse ist zentral, um sich ein genaues Bild über entstehende Kosten und resultierenden Nutzen machen zu können und so über das reine Antasten an die Start-up-Szene hinauszukommen. Greift man das Digitalisierungsproblem also an der Wurzel, dann lohnen sich auch hohe Investitionen, da man durch Kollaborationen langfristig Kosten minimieren, Prozesse optimieren und vielleicht sogar neue Produkte und gewinnbringende Geschäftsmodelle entwickeln kann.

Der Innovationsmanager allein kann den Tanker nicht transformieren

Möchte man die Digitalisierung wirklich vorantreiben, dann kann ein Innovationsmanager allein diese Aufgabe nicht bewältigen. Stattdessen erfordert es die Bereitschaft des gesamten Logistikunternehmens und eine transparente Kommunikation zwischen der Geschäftsführung, der operativen Ebene sowie den Innovationsmanagern. Nur, wenn man den Blickwinkel aller relevanten Bereiche in den jeweiligen Digitalisierungsprojekten berücksichtigt, kommt es zur unternehmensinternen Akzeptanz neuer, digitaler Lösungen. In diesem Fall schlichtet der Innovationsmanager keine unternehmensinternen Interessenskonflikte mehr, sondern kann sich der tatsächlichen Innovationsarbeit widmen. Erst, wenn der Innovationsmanager neben einem ausreichenden Budget die ganzheitliche Unterstützung auf allen Unternehmensebenen erhält, können aus derzeitig kurzgedachten Digitalisierungsprojekten langfristig erfolgreiche Logistikinnovationen entstehen.

Mut und Commitment ist mehr als nur Marketing

Gleichzeitig ist nicht nur die unternehmensinterne Akzeptanz von zentraler Bedeutung, sondern auch die echte Bereitschaft des Unternehmens aus dem Silodenken herauszukommen und die Zusammenarbeit mit Start-ups wirklich zu wagen. In solchen Fällen dienen Acceleratoren und Inkubatoren nicht mehr nur als attraktiver Marketingzweck, sondern werden zielgerichtet als Pool für potenzielle Kooperationen genutzt. Dieser Weg zu gemeinsamen Innovationen muss dabei themenfokussiert vom Unternehmen adressiert werden und einen tatsächlich spürbaren unternehmerischen Schmerz enthalten. Andernfalls werden Digitalisierungsprojekte nicht mit der notwendigen Priorität im Unternehmen durchgeführt. Gleichzeitig spielt auch die Offenheit gegenüber Start-ups und ihren Lösungen eine Rolle. Ist das Unternehmen nur an passgenauen Lösungen für ihr Problem interessiert, so haben sie das wahre Innovationspotenzial einer Kollaboration noch nicht entdeckt. Erst, wenn man sich wagt, mit Start-ups gemeinsam an Lösungen zu arbeiten und Ideen weiterzuentwickeln, zeigt sich das wahre Innovationspotenzial dieser Kollaborationen.

Fazit

In Ökosystemen beginnen Logistikunternehmen vermehrt, über ihren unternehmensinternen Tellerrand zu schauen und nun Kollaborationen mit mehr Mut, Einsatzbereitschaft und dem richtigen thematischen Fokus einzugehen. Dabei dienen derartige Ökosysteme dazu, in einem vertrauensvollen Rahmen und in einem stetig wachsenden Logistiknetzwerk digitale Herausforderungen gemeinsam, statt allein zu adressieren. Gleichzeitig erlauben diese Ökosysteme ein Ausprobieren, weg von der deutschen Fehlerkultur. Deutlich wird: Wer in der Logistikbranche mehr Offenheit und Mut wagt, der gewinnt tatsächlich auch mehr.

 

Johannes Berg, Digital Hub LogisticsDr. Katrin Held, Digital Hub LogisticsJohannes Berg und Dr. Katrin Held betreiben den Digital Hub Logistics Hamburg, in welchem Logistikunternehmen Seite an Seite mit Start-ups arbeiten, um die digitale Business-Transformation der Logistikbranche in Hamburg und der Metropolregion voranzutreiben. Zu den Partnern gehören unter anderem Dakosy, DHL Freight, Volkswagen Konzernlogistik, Gebrüder Heinemann, Beiersdorf, Tchibo, die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA), Ingenics und Lufthansa Industry Solutions.