Home Know-how „Müssen eher Schnellboot als Tanker sein“

„Müssen eher Schnellboot als Tanker sein“

Nachgefragt bei Jens Fiege, Fiege Logistik

Jens Fiege, Fiege Logistik Stiftung
Jens Fiege, Fiege Logistik Stiftung

Bildnachweis: © Fiege Logistik.

Im Interview berichtet Jens Fiege, CEO der Fiege Logistik Stiftung, vom Tochterunternehmen F-Log Ventures, dem neuen Logtechfonds, sowie den weiteren Zielen des Unternehmens.

VC Magazin: Ihr Tochterunternehmen F-Log Ventures hat Ende April das Final Closing des neuen Logtechfonds bekannt gegeben. Fiege Logistik war Ankerinvestor. Wer investierte neben Ihnen?
Fiege: Neben der Fiege Logistik Stiftung & Co. KG haben auch Teile unserer Gesellschafterfamilie in den Fonds investiert. Zudem gab es viele Anfragen aus unserem Netzwerk, gemeinsam mit anderen Interessierten in die F-Log Ventures zu investieren. Wir haben uns aber in Diskussion mit dem Fonds­management dazu entschieden, dies im Rahmen eines Folgefonds anzugehen.

VC Magazin: Welche Unternehmen haben Sie im Fokus?
Fiege: Fiege ist primär an Start-ups im Logistikumfeld interessiert. Hierbei schauen wir auf Geschäftsmodelle, die das Potenzial haben, das Leistungsportfolio unseres Unternehmens langfristig zu ergänzen. F-Log Ventures ist ein klassischer Venture Capital-Fonds, investiert also rein exitorientiert und mit einer Haltedauer von drei bis fünf Jahren in innovative Geschäftsmodelle aus dem Logtechbereich, die sich in der Seed- und Series A-Runde befinden. Dabei investiert F-Log aber auch in Geschäfts­modelle, die gegebenenfalls in Konkurrenz zum Kerngeschäft von Fiege stehen.

VC Magazin: Welche Unternehmen haben Sie bereits im Portfolio?
Fiege: Fiege beteiligt sich schon länger erfolgreich an Start-ups, beispielsweise bei Unternehmen wie Magazino, Zenfulfill­ment, SpaceFill oder Westphalia DataLab. F-Log Ventures hat seit ihrer Gründung in den Data Scientist talpasolutions sowie in den KI-Experten Smartlane investiert. Darüber hinaus managt F-Log das Portfolio der Beteiligungsgesellschaft Next Logistics Accelerator, der an Start-ups wie beispielsweise eYard, Closelink und Flowfox beteiligt ist.

VC Magazin: Sie sind bei der Private Equity-Konferenz NRW ein Speaker zum Thema „Mit Start-ups den digitalen Wandel vorantreiben“. Wie geschieht das darüber hinaus bei Fiege?
Fiege: Wir verfolgen bei Fiege neben dem digitalen Wandel auch eine konsequente Innovationsstrategie. So entstehen Ideen und neue Geschäftsmodelle in unserem Innovationsökosystem auch von ganz allein. Treiber ist hier insbesondere eine gute Führungs- und Innovationskultur, die wir beispielsweise mit unserer „Innovation Challenge“ in der gesamten Fiege Gruppe fördern und fordern. Jüngster erfolgreicher Spin-off aus uns selbst heraus ist Opticert, eine digitale Plattform, die prüft, ob ein Unternehmen alle rechtlichen Mindestanforderungen wie beispielsweise Zertifizierungen erfüllt. Dieses und andere disruptive digitale Geschäftsmodelle von morgen entwickeln wir gemeinsam mit internen oder externen Gründern und unserem Company Builder Xpress Ventures im Berliner Maschinenraum.

VC Magazin: Wie viel Start-up steckt heute bereits im Fiege-Konzern?
Fiege: Jede Menge. Als Familienunternehmen in fünfter Generation müssen wir uns seit jeher ständig neu erfinden und mit innovativen Lösungen uns selbst wie auch die Branche im Sinne unserer Kunden ständig weiterentwickeln. Als dyna­mischer Logistikdienstleister müssen wir zudem schnell und flexibel auf den Markt reagieren können. Dafür müssen wir eher Schnellboot als Tanker sein. Dazu stehen wir konti­nu­ierlich im Austausch mit verschiedenen Start-ups, um ­Kooperationsmöglichkeiten und Mehrwerte für unsere Kunden zu generieren. Aktuelle Beispiele für strategische Kooperationen mit Start-ups sind Retromotion, heyconnect oder Tracks.

VC Magazin: Warum ist die Logistik ein besonders aussichtsreiches Betätigungsfeld für Start-ups?
Fiege: Die Logistik ist als Spinne im Netz sehr eng mit verschiedenen Branchen und Unternehmen verwoben und birgt daher riesiges Potenzial, die bestehenden Prozesse stärker zu digitalisieren und zu optimieren. Gleichzeitig steigen die Wünsche und Bedürfnisse auf Kundenseite hinsichtlich der Transparenz von Lieferketten sowie schneller und zuverlässiger Logistikprozesse. Der Logistikmarkt hat mit abnehmenden Personalkapazitäten zu kämpfen und steht unter einem permanenten Kostendruck, weshalb das Interesse an Prozessoptimierungen und Automatisierung stetig wächst. Entsprechend bietet diese Branche jungen Unternehmen die Möglichkeit, innovative Geschäftsmodelle in einem sehr großen, international noch gut zu entwickelnden Markt aufzubauen.

VC Magazin: Vielen Dank für das Interview.

Zum Interviewpartner:

Jens Fiege ist seit 2009 CEO der Fiege Logis­tik Stiftung & Co. KG. Zur Fiege Gruppe gehören weltweit 77 voll­kon­solidierte Unternehmen, u.a. die Töchter F-Log Ventures und Next Logistics Accelerator-Be­tei­li­gungsgesellschaft, die in Start­-up-­Unternehmen aus dem Logistikbereich investieren.