Praxisnahe Forschung schafft Entrepreneurship Cluster

Erfolgreiche Zusammenarbeit von Corporates und Universitäten

Hochschulen leisten mit ihrem Auftrag „Forschung, Lehre und Transfer“ einen wichtigen Beitrag dazu, Wissen gesellschaftlich wirksam zu machen. Entrepreneurship und wissensbasierte Gründungen sowie die Zusammenarbeit mit der Unternehmenspraxis sind besonders nachhaltige Formen von Transfer, die meist positiven Einfluss auf die regionale Wirtschaft haben.

Hochschulen können eine wichtige Rolle bei der Entwicklung regionaler Entrepreneurship Cluster spielen. Dabei ist die Vernetzung der Akteure im Cluster entscheidend. Eine gute Zusammenarbeit von Hochschulen und anderen relevanten Akteuren wie Unternehmen kann gelingen, wenn Hochschulen sich mit dem Thema im Rahmen ihres Strategieprozesses auseinandersetzen und es anschlussfähig sowie abgestimmt gemeinsam mit ihren Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik im Sinne der regionalen Entwicklung vorantreiben. Das zeigen etwa die gemeinsamen Aktivitäten der Kölner Hochschulen.

Regionale Entrepreneurship Cluster häufig im Hochschulumfeld

Bei erfolgreichen Entrepreneurship Clustern kommen häufig das Silicon Valley oder Boston in den Sinn. Diese Erfolgs­geschichten haben sich im Laufe der Zeit um die regionalen Universitäten herum entwickelt. Die dortigen Hochschulen sind bis heute wesentliche Treiber in der Entwicklung. Innovation durch Wissenschaft und die Ausbildung von jungen Talenten befördern den Transfer in die Region. Hochschulen können zudem Aufgaben in der Vernetzung von für das Innovationsgeschehen relevanten Akteuren übernehmen. Um auch in Deutschland die Entwicklung regionaler Entrepreneurship Cluster zu befördern, können die Hochschulen das Thema in ihrer Strategieentwicklung aufgreifen und so dafür sorgen, dass es konkrete Wirkung entfalten kann.

TH Köln mit eigener Strategie

Mit ihrer Transferstrategie klärt die Technische Hochschule (TH) Köln ihr Verständnis von Transfer als Kernaufgabe zur wissens­basierten Weiterentwicklung der Gesellschaft. Als konkrete Aus­gestaltung wurde eine Strategie „Entrepreneurship Education und Existenzgründungen“ erarbeitet. Die TH Köln möchte damit relevante Akteurin im regionalen Gründungsgeschehen sein und das Entrepreneurship-Ökosystem maßgeblich prägen. Sie versteht es als ihre Aufgabe, einen Beitrag für mehr Gründergeist und gründungsfreundliche Strukturen in der Region zu leisten und damit die Bildung eines regionalen Entrepreneurship Clusters mit voranzutreiben. So ist die Strategie bewusst anschlussfähig und offen für Zusammenarbeit mit anderen Akteuren und Praxispartnern aus der Region konzipiert.

Zusammenarbeit der Kölner Hochschulen

Köln und das Rheinland haben eine lange unternehmerische Tradition und sind ein wichtiges Zentrum für Wirtschaft, Wissen­schaft und Innovation. Wirtschaftsminister Pinkwart spricht gern vom „Rheinland Valley“ und möchte, dass sich NRW zu den Top Ten der europäischen Start-up-Regionen entwickelt. Kölns Oberbürgermeisterin Reker weiß, dass Gründer „wichtige Akteure der digitalen Transformation und aktive Gestalter der Wirtschaft von morgen sind“. Beide begrüßen daher die gemeinsamen Entre­preneurship-Aktivitäten der Kölner Hochschulen, die hier anknüp­fen. So wurde über die letzten Jahre eine intensive Zusammenarbeit der großen Kölner Hochschulen TH Köln, Universität zu Köln, Deutsche Sporthochschule und Rheinische Fachhochschule (FH) zusammen mit dem hochschulgründernetz cologne e.V. im Bereich Entrepreneurship aufgebaut. Ziel von „Fit for Invest“ ist es, Köln und das „Rheinland Valley“ zu einer der Top-Regionen für Start-ups und Gründungen zu machen. Die vier Hochschulen bündeln dazu ihre Stärken und verzahnen sich enger mit dem regionalen Start-up-Ökosystem und der Praxis. Es soll sich ein Entrepreneurship Cluster mit überregionaler Strahlkraft für wachs­tumsstarke Gründungen und erfolgreiche Investments entwickeln. Dazu sollen mehr und bessere Gründungen mit einer gesicherten Wachstumsfinanzierung („Investment Readiness“) entstehen. Um das zu erreichen, wird mit regional relevanten Partnern und Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik zusammengearbeitet („Netzwerk“). Gemeinsam mit ihnen sollen weitere Investoren und Förderer für die Entwicklung des Kölner Entrepreneurship Clusters gewonnen werden.

Jede Hochschule mit eigenem Fokus

Die beteiligten Hochschulen haben jeweils einen speziellen ­Fokus: So befasst sich die TH Köln mit dem Thema Finanzierung und baut dazu Partnerschaften mit Investoren wie Business Angels-­Netzwerken, Venture Capital-Firmen, Family Offices, aber auch Privatpersonen, Banken und Sparkassen auf. Das Programm „Booster“ unterstützt Gründungsteams bei der Finanzierungssuche; die Universität zu Köln kümmert sich mit „Gateway goes International“ um internationale Vernetzung. Die Deutsche Sporthochschule unterstützt Gründungen mit sportwissenschaftlichem Fokus („StarS-Kader“); die Rheinische FH führt mit „project cologne“ zusammen mit der Unternehmenspraxis soge­nannte Challenges zu konkreten Problemen durch, zum Beispiel „Altern“, „5G und Digitalisierung“ oder „Greentech“. Weitere Aktivi­täten sind das mit Unterstützung der Telekom aufgebaute 5G Co:Creation Lab, wo zusammen mit Praxispartnern wie dem 1. FC Köln Anwendungen auf Basis der 5G-Technologie entwickelt werden können, und der Wettbewerb ChemTelligence, wo mit ChemCologne e.V. Themen zu Digitalisierung, Energiewende und Nachhaltigkeit bearbeitet werden können.

Praxistransfer zu Unternehmen schaffen

Neben „Fit for Invest“ gibt es weitere, komplementäre Aktivitäten an den Kölner Hochschulen, die Praxistransfer und die Zusammenarbeit mit Unternehmen zu bestimmten Problemstellungen ermöglichen. Mit [email protected] Köln werden Entrepreneurship Education und Gründergeist an der TH Köln gestärkt. Es werden Co-Working- und Maker Spaces sowie Inkubatoren aufgebaut. Das Cologne Game Lab und der innovative Studiengang Code & Context arbeiten intensiv mit Praxispartnern zusammen. Die Universität zu Köln fördert Gründungen und entsprechenden Praxistransfer in ihrem „Gateway Exzellenz Start-up Center“. Diese Aktivitäten seien exemplarisch für weitere Aktivitäten der Kölner Hochschulen genannt, bei denen vielfältige Anknüpfungs­punkte für Praxisprojekte mit Unternehmen aus der Region bestehen. Die enge Zusammenarbeit der Kölner Hochschulen im Bereich Entrepreneurship soll in Zukunft durch den Auftritt ­unter einer gemeinsamen Marke „Gateway“ für die beteiligten Gründungsservices auch in der Außendarstellung noch deut­licher werden. Somit wird es für Praxispartner noch leichter, in die Zusammenarbeit einzusteigen.

Prof. Dr. Kai Thürbach ist Inhaber der Professur für Unternehmensführung und Entrepreneurship an der Technischen Hochschule Köln. Er hat an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Harvard University studiert sowie an der HHL Leipzig promoviert. Vor seiner Tätigkeit als Hochschullehrer war er Unternehmer und Investor.