Bildnachweis: iStockphoto.com / Devenorr , Mashup Communications, Tickaroo, kollex, Family Office 360grad.
Der Blick nach USA zeigt: Mark Zuckerberg fordert mehr männliche Energie in Unternehmen und vielerorts werden Diversity-Programme eingestellt, weil das Thema als überstrapaziert gilt. Ist Female Leadership, kaum flächendeckend verbreitet, bereits wieder ein Relikt? Vier weibliche Führungskräfte erklären ihre Perspektive.
Auch in der Kommunikationsbranche zeigt sich ein Rückschritt in Sachen Female Leadership: Laut der Global Women in PR-Umfrage hat sich der Gender-Pay-Gap vergrößert, die Zahl weiblicher Führungskräfte ist gesunken, und über 50 Prozent der Frauen berichten von Mobbing oder Belästigung am Arbeitsplatz. Stellt sich die Frage: Wo stehen wir beim Thema Female Leadership?
Empathie statt Genderfokus

Nora Feist, CEO von Mashup Communications: „Gute Führung hängt nicht vom Geschlecht ab. Eigenschaften wie Einfühlungsvermögen oder gutes Zuhören sind wichtig, aber sie sind keine speziellen ,weiblichen‘ Qualitäten. Statt über Female Leadership als besondere Kategorie zu sprechen, sollten wir uns darauf konzentrieren, Arbeitsumgebungen zu schaffen, in denen alle ihre Stärken zeigen können. Dazu gehört, den Mitarbeitenden zuzuhören, offen zu kommunizieren und Fehler als Teil des Lernprozesses zu sehen. So entsteht eine Unternehmenskultur, in der sich jeder wohlfühlt und sein Bestes geben kann.“
Frauen und Diversität als Erfolgsschlüssel

Naomi Owusu, CEO von Tickaroo: „Unternehmen sind erfolgreicher, wenn ihre Führungsteams nicht nur männlich besetzt sind. Noch immer wird die Entscheiderebene überwiegend von Männern und Westeuropäern dominiert, dabei sollten Frauen proportional zur Gesamtbevölkerung genauso in der Führungsriege vertreten sein wie multikulturelle Persönlichkeiten. Unterschiedliche Hintergründe sowie verschiedene Blickwinkel helfen, kreative Lösungen zu finden und schneller auf Veränderungen zu reagieren. Aber es reicht nicht, einfach nur diverser oder mehr Frauen einzustellen – ihre Meinungen müssen ernst genommen und in Entscheidungen einbezogen werden. Wenn das gelingt, profitieren nicht nur die Zahlen, sondern auch die Mitarbeitenden, die sich mehr gesehen und wertgeschätzt fühlen. Vielfalt in der Führung ist also nicht nur ,nett zu haben‘, sondern entscheidend für den langfristigen Erfolg.“
Vom Female Leadership zur eigenen Haltung

Hanna Pradler, CPO von kollex: „Die Brille des Female Leaderships hat erst verdeutlicht, dass es zahlreiche qualifizierte Frauen für Führungspositionen gibt. Das war ein wichtiger Schritt nach vorne. Heute führen Frauen so vielfältig, wie sie sind – und das ist gut so. Meine eigene Führungsphilosophie hat sich erst im Laufe der Zeit organisch entwickelt, ohne dass ich bewusst einem engen Konzept wie Female Leadership oder einer klassischen Mentorin gefolgt wäre. Viel prägender waren für mich die Erwartungen und Sichtweisen der Teams, die ich geführt habe. Besonders in herausfordernden Situationen hat sich mein Verständnis von Führung geschärft. Am Ende zählt die eigene Haltung – und die entwickeln wir am besten im offenen Austausch mit unterschiedlichen Sichtweisen.“

Prof. Dr. Anabel Ternès von Hattburg, Family Office 360grad: „Der Blick auf Merkmale wie Hautfarbe, Geschlecht oder Alter allein führt nicht zu einer wirklich individuellen Betrachtung von Führungspersönlichkeiten – er kann sie sogar einschränken. Gleichzeitig schaffen Begriffe wie Female Leadership wichtige Diskussionsräume, um festgefahrene Muster und Rollenbilder aufzubrechen. Doch nachhaltiger Unternehmenserfolg entsteht nicht durch die Einteilung in ,weibliche‘ oder ,männliche‘ Führungsstile, sondern durch die Kombination vielfältiger Kompetenzen. Entscheidend ist, Menschen in ihrer gesamten Persönlichkeit wahrzunehmen und ihre individuellen Stärken zu fördern – unabhängig von tradierten Zuschreibungen. So wird Vielfalt zu einem echten Erfolgsfaktor.“
Der Beitrag ist zunächst bei unserem Schwesterverlag StartingUp erschienen.