„Impact darf nicht nur ein Marketing-Label sein“

Interview mit Miki Yokoyama, Aurum Impact

Miki Yokoyama, Aurum Impact
Miki Yokoyama, Aurum Impact

Bildnachweis: Johanna Lohr Fotografie.

Aurum Impact investiert Kapital der Familie Goldbeck in Impact Investments und konnte bei dem KfW Capital Award als Best Impact Investor überzeugen. Miki Yokoyama berichtet im Interview, was das Family Office auszeichnet.

VC Magazin: Sie haben im November 2025 bei der Verleihung der KfW Capital Awards den Preis für „Best Impact Investor“ gewonnen; vergeben von KfW Capital. Was bedeutet Ihnen der Preis?

Yokoyama: Der Preis ist eine tolle Anerkennung unserer Aktivitäten der letzten Jahre
und freut mich enorm. Es ist fantastisch, dass der staatliche Venture Capital-Investor KfW
Capital das Thema Impact Investing so würdigt und damit auch für alle sichtbarer macht.

VC Magazin: In welche Fonds und Start-ups haben Sie bereits investiert?

Yokoyama: Aurum Impact investiert sowohl direkt in Start-ups als auch über Fonds, um eine breite Wirkung zu erzielen. Wir haben uns unter anderem an Impact-Fonds wie Revent, Counteract, Breakthrough Energy Ventures und Planet A Ventures beteiligt. Darüber hinaus haben wir in zahlreiche Start-ups unter anderem in Deutschland, Frankreich, Schweden und Israel in den Bereichen Materialien und Kreislaufwirtschaft, Klima und Energie, Schutz der Ökosysteme sowie soziale Stabilität und Gerechtigkeit investiert. Darunter sind auch Start-ups wie Voltfang (Batteriespeicher), Cyclize (chemisches Recycling) sowie weitere Climatetech- und Circular Economy-Unternehmen, aber auch die Spendenplattform bcause und die Fund-of-Fund-Plattform Carbon Equity, mit denen wir mehr Kapital für eine stabile und zukunftsfähige Gesellschaft mobilisieren möchten.

VC Magazin: Wonach wählen Sie die Investments aus?

Yokoyama: Unsere Auswahlkriterien sind klar. Erstens: Mission-driven Teams. Wir suchen Gründer, die intrinsisch motiviert sind und eine klare Vision haben. Zweitens: Impact-Potenzial. Lösen die Gründer ein relevantes ökologisches oder soziales Problem? Drittens: Skalierbarkeit und Technologie. Die Lösung muss wirtschaftlich tragfähig und technologisch skalierbar sein. Und viertens: Zusätzliche Wirkung. Wir wollen dort investieren, wo unser Kapital und Netzwerk echten Mehrwert schaffen.

VC Magazin: Welche Investitionsziele verfolgt die Familie Goldbeck mit dem Fokus auf Impact?

Yokoyama: Die Familie Goldbeck verfolgt das Ziel, nachhaltige Wertschöpfung zu fördern – nicht nur finanziell, sondern auch gesellschaftlich. Als Familienunternehmen denken wir in Generationen, nicht in Quartalen. Impact Investments sind für uns ein Weg, Dekarbonisierung und Kreislaufwirtschaft voranzutreiben, Innovation im Mittelstand zu stärken und langfristige Resilienz für Wirtschaft und Umwelt zu schaffen. Wir wollen zeigen, dass Impact und Rendite kein Widerspruch sind, sondern sich gegenseitig verstärken.

VC Magazin: Wie messen Sie bei Aurum Impact den Impact, worauf legen Sie besonders Wert?

Yokoyama: Wir achten besonders darauf, mit wem wir zusammenarbeiten. Wer sind die
Gründer, wer sind die Fondsmanager? Was treibt sie und was begeistert sie? Wir glauben
fest daran, dass wenn man eine große Leidenschaft für und tiefe Expertise in einem Thema
hat, dass das jemanden sehr weit tragen kann, durch Höhen und Tiefen. Wenn man allerdings nur an einem schnellen Exit interessiert ist und uns vorrechnet, wie viel Geld man mit dem Investment machen kann, sind wir raus. Zusätzlich setzen wir auf transparente, standardisierte Impact-Messung. Konkret bedeutet das: Eine klare Theory of Change für jedes Investment. Welche Wirkung wollen wir erzielen? Welche KPIs, etwa CO₂-Reduktion, Ressourceneffizienz, oder auch soziale Indikatoren können wir messen? Hierfür ziehen wir auch externe Standards wie IRIS+ oder das Impact Management Project zur Vergleichbarkeit heran. Und wir achten darauf, dass Impact nicht nur ein Marketing-Label ist, sondern integraler Bestandteil des Geschäftsmodells.

VC Magazin: Welche Rolle spielen Family Offices im Impact Investing?

Yokoyama: Family Offices sind zentrale Akteure im Impact Investing. Sie verfügen über eine langfristige Perspektive, die perfekt zu nachhaltigen Investments passt, und sind deutlich flexibler als institutionelle Investoren. Ihre Entscheidungen sind oft wertegetrieben, was Impact-Initiativen begünstigt. Zudem haben sie direkten Zugang zu Private Markets und können als Ankerinvestoren Netzwerkeffekte erzeugen. Diese Kombination aus Kapital, Unabhängigkeit und strategischem Einfluss macht Family Offices zu wichtigen Treibern für die Skalierung von Impact Investing. Wir sehen das auch bei uns im täglichen Geschäft: Immer mehr Anfragen von Family Offices erreichen uns, die verstehen wollen, wie wir Aurum Impact aufgebaut haben und wie sie selbst ihr Vermögen so anlegen können, dass sie damit auch zur Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft beitragen.

VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch!

Über die Interviewpartnerin:

Miki Yokoyama ist Managing Director von Aurum Impact, dem Impact Investing-Vehikel des Goldbeck Family Offices. Sie verfügt über Erfahrung unter anderem bei BMW, BCG und UnternehmerTUM sowie als Venture Partnerin bei AENU. Zudem sitzt sie im Vorstand der BDI-Circular-Economy-Initiative und im Beirat des Chemiemittelständlers BÜFA.