Förderlandschaft Deutschland kompakt

Ein Praxis-Guide für Start-ups und Gründer

Sabine Hentschel (Hentschel Fördermittelberatung)
Sabine Hentschel (Hentschel Fördermittelberatung)

Bildnachweis: Hentschel Fördermittelberatung.

Wenn Gründer über Finanzierung sprechen, geht es fast automatisch um Business Angels, Venture Capitalisten oder Bootstrapping. Öffentliche Fördermittel landen dagegen oft nur als Randnotiz auf dem Radar – dabei können sie für Start-ups ein echter Gamechanger sein. Wussten Sie, dass es mehrere Tausend Fördertöpfe von EU, Bund, Ländern und diversen Stiftungen gibt?

Unternehmen haben die Wahl zwischen Bürgschaften, Haftungsfreistellungen, zinsverbilligten Darlehen, (staatlichem) Beteiligungskapital und Zuschüssen. Am wertvollsten für die Unternehmen sind natürlich die nicht rückzahlbaren Zuschüsse. Wer weiß, welche Programme es gibt und wie man sie richtig nutzt, kann seine Runway verlängern, Risiken abfedern und Wachstum finanzieren, ohne Anteile abzugeben.

Worauf kommt es bei Fördermitteln wirklich an?

Antrag immer vor Projektbeginn stellen (Ausnahme: Forschungszulage)
Timing ist alles – der Antrag muss immer vor dem Projektbeginn gestellt werden! Ein bereits unterschriebener Vertrag oder begonnene Entwicklung kann den Förderzauber schnell verpuffen lassen. Fördermittel folgen leider nicht dem Tempo von Start-ups. Die Suche nach dem passenden Programm, die Ausarbeitung eines schlüssigen Antrags und die anschließende Begutachtungsphase benötigen Zeit – in der Regel mehrere Monate. Wer Fördermittel einplant, sollte daher frühzeitig starten und genügend Puffer einplanen.

Förderung muss keine einmalige Sache sein!
Unternehmen können mehrere Projekte zu unterschiedlichen Themen parallel fördern lassen, solange sie sich klar voneinander abgrenzen. Lediglich für dasselbe Projekt darf keine doppelte Förderung beantragt werden. Für Unternehmen sollte also der Posten „Fördermittel“ ein Dauergast im Budgetplan werden.

Die digitalen Schatzkarten im Förderdschungel
Der schwierigste Teil ist vermutlich, das richtige Förderprogramm zu finden. Die deutsche
Förderlandschaft ist wie ein exquisit bestücktes Buffet – üppig und vielseitig. Dadurch ist es aber auch ein bisschen überwältigend, wenn man nicht weiß, wo man zuerst zugreifen soll. Dabei sind über 90% der Förderungen für Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitenden ausgerichtet. Der Förderfinder des Bundes (www.foerderinfo.bund.de) und die Förderdatenbank des Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (www.foerderdatenbank.de) sind hilfreiche Tools zur Orientierung. Sie bieten einen gut strukturierten und übersichtlich aufbereiteten Zugriff auf Tausende von Programmen und helfen Ihnen, die Nadel im Heuhaufen zu finden.

Förderung bedeutet für Unternehmen fast nie Vollfinanzierung
Ein weiterer Punkt, der in der Praxis häufig unterschätzt wird: Fördermittel werden in der Regel rückwirkend ausgezahlt. Das heißt, Ausgaben müssen zunächst vorfinanziert und später über Mittelabrufe erstattet werden. Zudem liegt die Förderquote bei Unternehmen fast nie bei 100%. Start-ups müssen also einen Eigenanteil aus eigenen Mitteln, Umsätzen oder anderem Kapital sicherstellen. Wer Fördermittel strategisch nutzen will, sollte daher früh klären, wie Liquidität und Eigenanteil während der Projektlaufzeit abgesichert sind.

Das persönliche Gespräch suchen
Wenn möglich, suchen Sie das persönliche Gespräch mit dem Projektträger, bevor Sie mit der Ausarbeitung des Antrags starten. Viele Projektträger bieten diese Möglichkeit an oder wünschen sich den Austausch sogar. In einem Telefonat oder persönlichen Gespräch können Sie vorab klären, ob Ihr Vorhaben wirklich in den Rahmen passt. Vielleicht haben Sie selbst ja einen wesentlichen Punkt nicht bedacht. Häufig erhalten Sie dabei auch wertvolle Tipps und Infos für die Antragstellung.

Kosten und Laufzeit mit Puffer kalkulieren
Bedenken Sie, dass Sie nur Mittel abrufen können, die im Antrag berücksichtigt wurden. Das heißt: Alle Kosten, die Sie bei der Antragstellung vergessen haben, können später nicht gefördert werden. Aus der Praxis zeigt sich zudem immer wieder, dass Projekte länger dauern und teurer werden als ursprünglich geplant – sei es durch technische Herausforderungen, personelle Engpässe oder externe Abhängigkeiten. Umso ärgerlicher ist es, wenn Zeit- und Kostenaufwand zu knapp kalkuliert wurden. Daher empfiehlt es sich dringend, sowohl in der Projektlaufzeit als auch im Budget realistische Puffer einzuplanen.

Fachlich überzeugen im Antrag
Überzeugungskraft im Antrag entsteht nicht durch blumige Formulierungen, sondern durch technische Substanz. Gutachter möchten nachvollziehen können, welches konkrete Problem gelöst werden soll, welcher technische Ansatz gewählt wurde und welche Unsicherheiten bestehen. Oft bleiben Anträge zu allgemein und verlieren sich in schwammigen Marketingfloskeln. Diese sind ohne technische Untermauerung wertlos. Ein überzeugender Antrag zeigt, was genau neu oder anders ist, welcher technologische Fortschritt angestrebt wird und warum bisherige Lösungen nicht ausreichen. Dazu gehören beispielsweise auch konkrete technische Zielparameter. Besonderes Augenmerk gilt den technischen Risiken. Förderfähig sind F&E-Projekte nur dann, wenn technologische Unsicherheiten bestehen, also wenn unklar ist, ob oder wie ein technisches Ziel mit den gewählten Methoden erreicht werden kann. Genau diese Unsicherheiten müssen präzise und nachvollziehbar beschrieben werden, denn sie belegen den Forschungscharakter des Vorhabens.

Hier noch eine kleine Auswahl aus der Förder-Hitliste für Start-ups und KMU:

  • ZIM-Förderung (Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand): Der Popstar unter den Förderprogrammen – fördert die Entwicklung neuer oder signifikant verbesserter
    Produkte, Verfahren oder technischer Dienstleistungen.
  • KMU-innovativ: Ermöglicht eine Förderung für besonders innovative Projekte kleiner und mittlerer Unternehmen.
  • exist-Gründerstipendium: Der Einstieg für wissensbasierte Ausgründungen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Gefördert werden Lebenshaltungskosten, Sachmittel und Coaching.
  • exist-Forschungstransfer: Für forschungsintensive Gründungsprojekte mit längerer Entwicklungsphase. Ermöglicht hohe Zuschüsse zur Weiterentwicklung und Marktreife komplexer Technologien.
  • Innovationsgutscheine: Niederschwellige Förderung für KMU: Unterstützen die Zusammenarbeit mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder spezialisierten Dienstleistern, zum Beispiel für Machbarkeitsstudien, Entwicklungsleistungen oder Prototypen. Die Förderung eignet sich ideal für den Einstieg in Innovationsprojekte.
  • Forschungszulage: Die Forschungszulage ist eines der attraktivsten Förderprogramme – und zudem das Einzige, das eine rückwirkende Förderung ermöglicht. Unabhängig von Branche und Größe des Unternehmens können abgeschlossene, begonnene oder geplante Vorhaben beantragt werden. Der Antrag auf Forschungszulage kann innerhalb von vier Jahren nach Ablauf des Jahres, für das der Anspruch entstanden ist, gestellt werden.

Fördermittel sind weder Hexenwerk noch bloße Legenden. Und doch sind viele kleine und mittlere Unternehmen abgeschreckt, die wertvollen Ressourcen zu nutzen. Dabei sind Subventionen vor allem für diese Unternehmen der Zaubertrank für Wachstum und technologische Sprünge. Der erste Fördermittelantrag fühlt sich an wie ein Marathon mit ungeeignetem Schuhwerk. Nach dem dritten oder vierten Antrag stellt sich aber eine gewisse Routine ein, da der Aufbau vieler Antragsverfahren ähnlich gestaltet ist. Alternativ können Sie für den Anfang einen Fördermittelberater an die Seite nehmen. Mit dessen Hilfe finden Sie nicht nur die passenden Programme, sondern eine Begleitung durch den gesamten Antragsprozess.

Über die Autorin:

Sabine Hentschel ist Fördermittelberaterin für F&E. Die Hentschel Fördermittelberatung ist spezialisiert auf Förderung im Bereich Forschung und Entwicklung und unterstützt Unternehmen schnell wie auch praxisnah bei der Antragstellung. www.hentschel-foerdermittel.de