Bildnachweis: Monika Steger (Bayern Kapital) & Walter Ballheimer (Reflex Aerospace).
Rekord-Series-A und Highspeed im Orbit: Wie Reflex Aerospace mit Partner Bayern Kapital die Satellitenfertigung revolutioniert und Europas technologische Souveränität im All maßgeblich sichert.
Der Moment, der alles veränderte, ereignete sich in elf Kilometern Höhe über dem Atlantik. Walter Ballheimer, heute CEO von Reflex Aerospace, saß im Jahr 2020 im Flugzeug auf dem Rückweg von den USA. Er hatte gerade SpaceX besucht und dort gesehen, was möglich ist, wenn man die tradierten Grenzen der Raumfahrt nicht nur verschiebt, sondern einreißt. „Dort habe ich gesehen, was möglich ist, wenn man größer denkt“, erinnert sich Ballheimer. Noch während des Fluges reifte der Entschluss, ein Unternehmen zu gründen, das sich an die komplexen und kritischen Aufgabenstellungen der modernen Raumfahrt wagt. Heute, sechs Jahre später, ist aus dieser Vision eines der am schnellsten wachsenden Deeptech-Unternehmen Europas geworden. Im November 2025 schloss das Unternehmen die mit 50 Mio. EUR bislang größte Series A-Finanzierungsrunde im europäischen New Space-Sektor ab; ein Erfolg, der ohne das Vertrauen eines starken Netzwerks nicht möglich gewesen wäre. Mittendrin: Bayern Kapital.
Das Gütesiegel für den Hochsicherheitsmarkt
Für ein Start-up im Deeptech-Bereich ist Kapital nicht gleich Kapital. In einem Sektor, der von staatlichen Aufträgen, Verteidigungsprojekten und hochkomplexen Sales-Zyklen geprägt ist, zählt vor allem eines: Credibility. „Die Beteiligung von Bayern Kapital verleiht uns eine Art Gütesiegel“, erklärt Ballheimer. Diese Glaubwürdigkeit sei essenziell bei staatlichen oder sicherheitsrelevanten Vorhaben. Gerade in der Vorbereitungsphase der jüngsten 50-Mio.-EUR-Runde habe der Investor aus Landshut eine entscheidende Rolle gespielt. „Dabei ist vor allem im Hinblick auf finanzielle Aspekte das Feedback von Bayern Kapital maßgeblich gewesen, um unser Geschäftsmodell weiter zu schärfen“, so der CEO weiter. Monika Steger, Geschäftsführerin von Bayern Kapital, betont die Intensität dieser Partnerschaft, die bereits seit der Seed-Phase im Jahr 2023 besteht: „Die Zusammenarbeit basiert seit Tag eins auf einem sehr engen, vertrauensvollen Verhältnis.“ Dieser Austausch findet nicht nur in den Board-Meetings statt, sondern manifestiert sich auch in einer fachlichen Begleitung, die weit über das Monetäre hinausgeht. Für Steger ist Reflex Aerospace mehr als nur ein Portfolioeintrag; es ist ein Eckpfeiler einer größeren Strategie. „Reflex Aerospace, aber auch Unternehmen wie OroraTech oder The Exploration Company, sind Symbole der Strategie, Europa unabhängiger zu machen“, ordnet sie das Engagement ein.
13 Monate vom Auftrag in den Orbit
Dass dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, bewies Reflex Aerospace spätestens im Januar 2025. Mit dem Launch des ersten kommerziellen Satelliten „Sigi“ an Bord einer Falcon 9 von SpaceX setzte das Unternehmen ein Ausrufezeichen hinter sein zentrales Versprechen: Geschwindigkeit. „Bemerkenswert war die Lieferzeit von nur 13 Monaten nach Eingang der Bestellung“, hebt Steger hervor. Dieser operative Reifeprozess war kein Zufall, sondern das Ergebnis eines konsequenten Aufbaus von Management-Strukturen. Während das Team bei der Gründung noch klein war, hat Reflex mittlerweile eine schlagkräftige mittlere Management-Ebene etabliert. Dieser Zuwachs an Expertise in den Bereichen IT, HR, Procurement und Missionsmanagement ist für Investoren wie Bayern Kapital das entscheidende Signal, dass ein Unternehmen bereit für die Skalierung ist.
Das „Bavarian Space Valley“ als Risikominimierer
Ein wesentlicher Teil der Investmentstory von Reflex Aerospace war die Standortwahl. Das Unternehmen fährt eine dezidierte Zwei-Städte-Strategie: Berlin für die politische Nähe zu den Ministerien, München für die Ingenieurskunst und Produktion. Ballheimer ist überzeugt: „In der Berliner Innenstadt einen Standort für die Fertigung und den Zusammenbau von Satelliten zu finden, den man nicht neu bauen muss, ist unmöglich.“ Der Großraum München hingegen bietet mit Ottobrunn, Oberpfaffenhofen oder Gilching eine Infrastrukturdichte, die weltweit ihresgleichen sucht. Für Bayern Kapital ist diese Standortkonzentration auch ein Faktor im Risikomanagement. „Die Verfügbarkeit spezialisierter Talente ist immer erfolgskritisch für junge Hightech-Unternehmen und wird im Rahmen der Due Diligence als potenzieller Risikofaktor analysiert“, erklärt Steger. Bayern wirke hier oft risikomindernd. Der Zugang zu spezialisierten Testanlagen wie der IABG oder dem GSOC-Kontrollzentrum im DLR schafft ein Ökosystem, in dem Deeptech-Unternehmen schneller wachsen können. Ballheimer ergänzt, dass auch die räumliche Nähe zur Supply Chain ein unschätzbarer Vorteil sei: „Sehr viele Unternehmen der relevanten Supply Chain sind im Großraum München ansässig, sodass wir hier deutlich besser und schneller fertigen und testen können.“
Geduldiges Kapital für einen dynamischen Sektor
Zeitintensive Sales-Zyklen und hohe Materialkosten bedürfen eines langen Atems. Ballheimer weiß, dass er Glück mit seinen Geldgebern hat: „Es ist sehr wichtig, Investoren zu haben, die diese Komplexität verstehen und die Geduld mitbringen, die es braucht, um einen neuen europäischen Champion zu formen.“ Bayern Kapital versteht sich als langfristiger, erfahrener Ankerinvestor im Hightech- und Deeptech-Segment und ist damit wichtiger Baustein der Hightech Agenda des Freistaats. Mit dem Ziel, bis 2027 die volle operationelle Einsatzfähigkeit zu erreichen, steht Reflex Aerospace nun vor dem nächsten großen Sprung. Die Entwicklung missionskritischer Satellitenplattformen für optische Aufklärung, Radar und Kommunikation soll Europa jene Souveränität zurückgeben, die Ballheimer im Flugzeug über dem Atlantik einst als Zielbild formulierte.




