Erste Emerging Champions – insbesondere aus Deutschland

Verachtfachung des Venture Capital - Volumens seit 2021

Florian Theyermann, FCF Fox Corporate Finance
Florian Theyermann, FCF Fox Corporate Finance

Der europäische Defencetech-Sektor hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der dynamischsten Segmente für Venture Capital-Investments entwickelt. Die Treiber dieser Entwicklung sind die zunehmenden geopolitischen Spannungen und das wachsende sicherheitspolitische Bewusstsein in Europa. Seit Beginn des Ukraine-Russland-Kriegs im Jahr 2022 rücken technologische Souveränität, militärische Resilienz und digitale Sicherheit wesentlich stärker in den Fokus von Politik und Investoren. Diese Entwicklung ist allerdings nicht auf die klassischen Defence-Unternehmen beschränkt. Die Speerspitze der Dynamik im Defence-Sektor sind zunehmend Start-ups und Scale-ups, die schneller als die etablierten Rüstungsunternehmen auf die neuen technologischen Herausforderungen reagieren können.

Die Investitionsdynamik im europäischen Defencetech-Markt hat daher konsequenterweise deutlich zugenommen. Im Jahr 2025 erreichte das Venture Capital-Volumen (Investments in Defencetech-Start-ups/Scale-ups) in Europa rund 2,8 Mrd. EUR, was mehr als einer Verachtfachung des Volumens von 2021 (344 Mio. EUR) entspricht. Auch stieg die Anzahl der Deals im Jahr 2021 von 52 auf 154 anno 2025. Während vor fünf Jahren viele Venture Capital-Investoren Defence- und Dual Use-Unternehmen vom Investmentfokus ausschlossen, hat sich das Sentiment hier völlig gewendet. Einerseits haben viele Investoren ihre Investmentvorgaben angepasst, um auch in Defence-Themen investieren
zu können, andererseits wurden einige defence-focused Funds gegründet.

Erste „Emerging Champions“ bilden sich heraus

Trotz der steigenden Zahl an Deals konzentriert sich ein großer Teil der Investitionen auf wenige führende Unternehmen. Start-ups wie Helsing, Tekever, Quantum Systems, Iceye und Destinus haben Megafinanzierungsrunden abgeschlossen und prägen den europäischen Markt maßgeblich. Zusammengenommen entfallen nahezu 60% des seit 2021 investierten Venture Capitals auf diese fünf Unternehmen. Dies zeigt, dass Investoren gezielt auf jene Unternehmen setzen, die nachweislich in der Lage sind, ihre Lösungen skalierbar in den Markt zu bringen. Das Phänomen „The (early) winner takes it all“ lässt sich auch hier klar beobachten.

Erste Konsolidierung im Markt

Diese Emerging Champions treten bereits als Konsolidierer im Markt auf und erwerben Start-ups (zum Beispiel: Quantum Systems erwirbt Fernride, Spleenlab, AirRobot) und vereinzelt auch etablierte Unternehmen (beispielsweise: Helsing erwirbt den Flugzeughersteller Grob) mit ebenfalls 15 Übernahmen in den letzten drei Jahren. Die Kauflaune etablierter Unternehmen ist im Vergleich dazu moderat, mit eher bescheidenen 15 Übernahmen von Venture Capital-backed Start-ups in den letzten drei Jahren. Die IPO-Tätigkeit im Defence-Sektor konzentriert sich aktuell noch auf IPOs etablierter Unternehmen (etwa Renk, Hensoldt, TKMS). Mittelfristig ist jedoch auch mit IPOs von Venture Capital-backed Start-ups/Scale-ups zu rechnen; erste IPO-Pläne wurden beispielsweise im Zusammenhang mit Quantum Systems bekannt.

Deutschland als zentraler Defencetech-Standort

Deutschland spielt im europäischen Defencetech-Ökosystem wieder eine zentrale und führende Rolle. Mit rund 2,2 Mrd. EUR an Venture Capital-Finanzierungen (2021 bis 2025) in deutsche Start-ups/Scale-ups führt Deutschland die europäische Rangliste beim Investitionsvolumen an. Unternehmen wie Helsing und Quantum Systems haben wesentlich dazu beigetragen, Deutschland als wichtigen Standort für Defencetech-Innovationen zu etablieren.

 

Über den Autor: 

Florian Theyermann ist Managing Director für Venture & Growth im Bereich Deep- und Cleantech bei FCF Fox Corporate Finance GmbH und begleitet Start-ups bei der Aufnahme von Eigenkapital oder Venture Debt.