Strukturwandel braucht Umsetzung

Warum Innovationszentren mehr Handlungsspielraum brauchen

Peggy Zimmermann (BVIZ) & Matthias Neugebauer (Start Fürth)
Peggy Zimmermann (BVIZ) & Matthias Neugebauer (Start Fürth)

Bildnachweis: Peggy Zimmermann (BVIZ) & Matthias Neugebauer (Start Fürth).

Deutschland hat kein Erkenntnisproblem. Strategien für Innovation, Technologietransfer und Deeptech sind formuliert, Programme aufgelegt, Ziele definiert. Was jedoch häufig fehlt, ist die konsequente Umsetzung vor Ort.

Gerade in Transformationsregionen wie dem Rheinischen Revier wird deutlich, worauf es ankommt: nicht auf weitere Strategiepapiere, sondern auf funktionierende Strukturen, die Innovation tatsächlich in die Anwendung bringen. Genau hier setzen Innovations-, Technologie- und Gründerzentren an. Sie sind die operative Schnittstelle zwischen Start-ups, Mittelstand, Wissenschaft und öffentlicher Hand.

Strukturelle Herausforderungen in der Praxis

In der Praxis zeigt sich jedoch ein strukturelles Spannungsfeld. Während von Zentren erwartet wird, langfristige Innovationsökosysteme aufzubauen und Transformation aktiv zu gestalten, werden sie gleichzeitig in kurzfristige, stark regulierte Förderlogiken eingebunden. Programme sind projektgetrieben, zeitlich begrenzt und administrativ komplex – die Realität vor Ort ist jedoch eine andere. Ein Beispiel: Im AI Village in Hürth wird gezielt Künstliche Intelligenz in die Anwendung gebracht – nicht als abstraktes Zukunftsthema, sondern in konkreten Projekten mit kleinen und mittleren Unternehmen. Mit Formaten wie der KI-Schmiede entstehen Lösungen, die direkt im Betrieb wirken: von Prozessautomatisierung bis hin zu datengetriebenen Geschäftsmodellen. Der Bedarf ist enorm, die Nachfrage wächst. Gleichzeitig zeigen sich regelmäßig systemische Grenzen. Der Aufbau solcher Strukturen erfordert Kontinuität, Flexibilität und die Möglichkeit, schnell auf Bedarfe zu reagieren. Förderlogiken hingegen verlangen oft detaillierte Vorabdefinitionen, starre Projektstrukturen und umfangreiche Nachweissysteme. Ein erheblicher Teil der Ressourcen fließt dadurch in Administration statt in Wertschöpfung. Das Ergebnis: Zentren sollen Geschwindigkeit in die Transformation bringen, arbeiten aber selbst in einem System, das auf Kontrolle statt auf Wirkung ausgelegt ist.

Andockpunkt für Start-ups

Diese strukturellen Herausforderungen spiegeln sich auch im Austausch innerhalb der BVIZ AG NRW wider, in der sich Zentren aus Nordrhein-Westfalen regelmäßig zu genau diesen Fragen abstimmen. Dabei liegt gerade in regionalen Innovationsökosystemen ein entscheidender Hebel. Zentren fungieren als Übersetzer zwischen Forschung und Anwendung, als Andockpunkt für Start-ups und als vertrauenswürdiger Partner für den Mittelstand. Sie sind nah an den tatsächlichen Herausforderungen der Unternehmen – und können Innovation dort verankern, wo sie wirtschaftlich wirksam wird.

Fazit

Wenn der aktuelle Aufbruch ernst gemeint ist, müssen sich die Rahmenbedingungen verändern. Es braucht mehr Flexibilität in Förderinstrumenten, eine stärkere Ausrichtung auf Wirkung statt auf Formalien und vor allem längerfristige Perspektiven für zentrale Strukturen. Transformation ist kein Projekt – sondern ein Prozess. Die gute Nachricht: Die Akteure, das Know-how und die Nachfrage sind vorhanden. Was fehlt, ist nicht der Wille zur Innovation, sondern der notwendige Handlungsspielraum, um sie umzusetzen.

 

Über die Autoren: 

Peggy Zimmermann ist die Geschäftsführerin des Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (BVIZ) e.V. Auf Bundesebene setzt sie sich für die Interessen der Technologiezentren in Deutschland ein. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die politische und strategische Stärkung dieser Einrichtungen – als Orte, an denen Innovation konkret wird.

Matthias Neugebauer ist Geschäftsführer des Innovationszentrums Start Hürth und Ansprechpartner des Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (BVIZ) für Nordrhein-Westfalen. Er gestaltet regionale Innovationsökosysteme an der Schnittstelle von Start-ups, Mittelstand und Forschung.