Bildnachweis: Bayern Kapital.
Mit einem neuen Wachstums- und Scale-up-Fonds über 500 Mio. EUR will Bayern Kapital technologiegetriebene Unternehmen bis in die späten Finanzierungsphasen begleiten. Im Interview erläutert Geschäftsführerin Monika Steger den Investmentfokus, die Rolle öffentlicher Ankerinvestoren und die Herausforderungen im aktuellen Growth- und Exit-Markt.
VC Magazin: Bayern Kapital hat im Januar den neuen Wachstums- und Scale-up-Fonds mit einem Fondsvolumen von 500 Mio. EUR verkündet. Wie viele Investments haben Sie bislang getätigt, auf welche Scale-ups legen Sie einen besonderen Fokus?
Steger: Derzeit befindet sich unser neuer 500-Mio.-EUR-Fonds, der nahtlos an die Investitionstätigkeit des bisherigen Wachstums- beziehungsweise Scale-up-Fonds anknüpft, in der aktiven Investitionsphase. Unser Fokus ist dabei unverändert klar definiert: Wir investieren in technologiegetriebene Unternehmen – insbesondere in Hightech- und Deeptech-Scale-ups mit skalierbaren B2B-Geschäftsmodellen und belastbarer Marktposition. Entscheidend sind für uns strukturelle Skalierbarkeit, eine klare Marktvalidierung sowie technologische Differenzierung. Dabei investieren wir branchenübergreifend in Unternehmen aus den Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz, Quantentechnologie, Kernfusion, New Space, Halbleiter- und Industrietechnologien, Climate- und Energytech, Software- und SaaS-Lösungen, Life Sciences- und Medtech-Unternehmen. Mit dem Bayern Kapital Wachstums- und Scale-up-Fonds sowie den weiteren Fonds von Bayern Kapital hat der Freistaat Bayern ein europaweit gewissermaßen einzigartiges Vehikel geschaffen, Tech-Gründer über alle Wachstumsphasen zu begleiten und damit einen Teil der Finanzierungslücke im Growth-Bereich zu schließen.
VC Magazin: Bayern Kapital kann pro Scale-up bis zu 50 Mio. EUR Wachstumskapital investieren. Wo sehen Sie sich selbst als öffentlicher Kapitalgeber im Venture Capital-Marktumfeld?
Steger: Seit unserem Start 1995 als Frühphaseninvestor haben wir über 30 Jahre Erfahrung in der Venture Capital-Finanzierung gesammelt. Nach dem Einstieg in die Wachstumsfinanzierung mit dem Wachstumsfonds Bayern 2015 und der Erweiterung um den Scale-up-Fonds Bayern 2021 begleiten wir Unternehmen heute über alle Phasen hinweg – von Pre-Seed bis zum Exit. Der neue Fonds mit Beteiligungen von bis zu 50 Mio. EUR ist der nächste konsequente Schritt. Gerade die Kombination aus Kapitalstärke, Erfahrung und phasenübergreifender Begleitung macht uns zu einem der wenigen Investoren in Europa, die diese Rolle in dieser Form erfüllen können. Im Scale-up-Segment fehlt es in Deutschland und Europa weiterhin an inländischen Ankerinvestoren. Hier setzen wir an – mit dem Ziel, den Wirtschaftsstandort Bayern, Deutschland und Europa nachhaltig zu stärken. In der aktuellen Marktphase zeigt sich zudem, dass öffentliche Venture Capital-Investoren wichtiger sind denn je. Sie sind ein zentraler Bestandteil einer aktiven Innovations- und Standortpolitik und ermöglichen die Entwicklung strategisch relevanter Schlüsseltechnologien. Gleichzeitig leisten sie einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Ökosystems: Sie mobilisieren privates Kapital, gleichen temporäre Zurückhaltung im Markt aus und sichern so langfristig die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Bayerns, Deutschlands und Europas.
VC Magazin: Wie funktioniert für Sie derzeit das Zusammenspiel mit anderen Playern, wer zählt zu Ihren Co-Investoren?
Steger: Wie alle Venture Capital-Investoren investieren auch wir grundsätzlich im Konsortium. Dabei agieren wir wie jeder andere Wagniskapitalgeber auch: renditeorientiert, zu marktüblichen Terms und nach denselben Spielregeln. Durch unsere Bandbreite – von Pre-Seed bis Scale-up – arbeiten wir phasenübergreifend mit einem breiten Set an Co-Investoren: von Business Angels und Early Stage-Fonds bis hin zu internationalen Venture Capitalisten, strategischen Investoren, Corporate Venture Capitalisten und Family Offices. Unter dem Strich verstehen wir Venture Capital als Teamsport: ein langfristiges Kooperationsmodell mit dem Ziel, gemeinsam erfolgreiche Unternehmen in Bayern zu entwickeln und den Standort nachhaltig zu stärken.
VC Magazin: Welche Kriterien sind für Sie entscheidend für ein Growth-Investment, wie ändert sich hier auch die Due Diligence im Vergleich zu Early Stage-Investments?
Steger: Die Kriterien ändern sich deutlich: Während wir in der Early Stage stark auf Team, Technologie und Vision schauen, steht im Growth-Bereich die Execution im Fokus. Ein wesentlicher Wandel der letzten Jahre: Neben Wachstum rückt die Qualität stärker in den Mittelpunkt. Auch Effizienz und Kapitaldisziplin sind heute wesentliche Bewertungskriterien. Die Due Diligence ist entsprechend deutlich daten- und KPI-getriebener sowie tiefgehender als in der Early Stage. Unterm Strich gilt: In der Early Stage investieren wir in Potenzial – im Growth-Bereich in nachgewiesene Performance.
VC Magazin: Welche konkrete Unterstützung bietet Bayern Kapital als Investor den Scale-ups?
Steger: Für uns beginnt das bei unserer Rolle als langfristiger Ankerinvestor: Wir begleiten Unternehmen über alle Phasen hinweg. Wir verstehen die Strukturen und haben Zugang zu Netzwerken, Marktpartnern und institutionellen Schnittstellen. Dank unserer breiten Aufstellung von Pre-Seed bis Scale-up verfügen wir über ein umfangreiches Netzwerk, das wir aktiv einbringen. Wir kennen die relevanten Player und wissen, wie man sie erfolgreich zusammenbringt. Mit über 30 Jahren Erfahrung verstehen wir sowohl das Venture Capital-Geschäft als auch das Ökosystem sowie Markt- und Unternehmensdynamiken sehr genau. Nach vielen Jahren im Markt gibt es kaum etwas, das wir noch nicht gesehen haben – von wirtschaftlichen Krisen und schwierigen Unternehmensphasen bis hin zu komplexen Finanzierungen, Exits und Börsengängen. Deshalb reagieren wir nicht kurzfristig oder nervös, sondern bleiben auch in herausfordernden Phasen ein verlässlicher Partner. Für neue Investoren sind wir ein Qualitätssignal. Genau das schätzen viele Gründer und Mitinvestoren: Wir stellen nicht nur Kapital bereit, sondern agieren zudem partnerschaftlich und begleiten unsere Portfoliounternehmen auch in schwierigen Phasen eng als Sparringspartner.
VC Magazin: Wie bewerten Sie die momentan verfügbaren Exit-Kanäle, und wo sehen Sie in diesem Zusammenspiel Secondary-Transaktionen?
Steger: Die aktuell verfügbaren Exit-Kanäle bewegen sich in einem anspruchsvollen und sehr selektiven Marktumfeld. Makroökonomische Unsicherheiten, geopolitische Spannungen und die schwache Konjunktur belasten das Exit-Klima weiterhin. Trotzdem: Der Exit-Markt funktioniert nach wie vor, ist heute jedoch deutlich anspruchsvoller, selektiver und strukturell vielfältiger als noch vor einigen Jahren. Diese Entwicklung sehen wir auch in unserem eigenen Portfolio, und es zeigt, dass Unternehmen mit Substanz und Qualität auch im aktuellen Umfeld attraktive Exit-Möglichkeiten realisieren können. Secondary-Transaktionen, die wir in der Branche zunehmend häufiger sehen, sind kein Ersatz für klassische Exit-Kanäle, sondern eine direkte Antwort auf die veränderten Marktbedingungen.
VC Magazin: Vielen Dank für das Gespräch.
Über die Interviewpartnerin:
Monika Steger ist Geschäftsführerin von Bayern Kapital, der Venture-/Growth Capital-Gesellschaft des Freistaats Bayern. Sie begleitet innovative Hightech- und Deeptech-Unternehmen über verschiedene Wachstumsphasen, von Seed- bis Later Stage, mit Beteiligungskapital in Höhe von 0,25 Mio. bis 25 Mio. EUR.



