Invest in Germany Summit: 228,6 Mrd. EUR an Investitionsprojekten

Invest in Germany Summit
Invest in Germany Summit

Bildnachweis: Janine Heidenfelder.

Auf dem Invest in Germany Summit bringt die Bundesregierung internationale Wirtschaftsexperten, Konzernchefs und Investoren zusammen. Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) und der Zentrale Immobilien Ausschuss (ZIA) nutzten den Gipfel für gemeinsame Forderungen nach besseren Investitionsbedingungen.

Am 19. und 20. Oktober 2026 findet in Berlin erstmals der Invest in Germany Summit der Bundesregierung statt. Internationale Wirtschaftsvertreter, Investoren und politische Entscheidungsträger diskutieren über Deutschlands Potenzial als Investitionsstandort. Den Summit eröffnete Bundeskanzler Friedrich Merz, gefolgt von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. Im Anschluss diskutierten die Ministerinnen und Minister in Workshops mit Investoren über Investitionschancen in Deutschland. Auf dem Summit, der am Abend des 19. Oktober mit einem Red Carpet Event startete, sind führende Vertreter internationaler Unternehmen und Finanzinvestoren, darunter Larry Fink (BlackRock), Jensen Huang (Nvidia), Roland Busch (Siemens), Christian Sewing (Deutsche Bank) und Bettina Orlopp (Commerzbank) vertreten. Im Mittelpunkt stehen Investitionschancen in Bereichen wie Künstliche Intelligenz, Halbleiter, Energie, Infrastruktur und digitale Transformation.

Internationale Partner gewinnen

Zum Auftakt des Gipfels hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) Zahlen zum Umfang der größten Investitionsprojekte in Deutschland vorgestellt. Demnach summiert sich deren Volumen im Jahr 2026 bislang auf 228,6 Mrd. EUR. Davon entfallen 95,5 Mrd. EUR auf ausländische Unternehmen. Für die Erhebung wurden mehr als 70 Projekte mit einem Volumen von jeweils über 100 Mio. EUR erfasst, darunter Investitionen von Amazon, Google, Sanofi und Tesla. Die Bundesregierung will mit dem Summit internationale Partner zusammenbringen, zusätzliche Investitionen anstoßen und die Rahmenbedingungen für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltiges Wachstum verbessern.

BVK und ZIA fordern verlässliche Rahmenbedingungen

Begleitend zum Gipfel haben der BVK und der ZIA bei einer gemeinsamen Pressekonferenz ihr Forderungspapier „Privates Kapital braucht wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und Verlässlichkeit“ vorgestellt. Die Verbände begrüßen die Initiative der Bundesregierung, internationales Kapital für Deutschland zu gewinnen, sehen jedoch weiteren politischen Handlungsbedarf. Ihre sechs gemeinsamen Forderungen betreffen die Finanzierung von Unternehmen, den Wohnungsbau und Infrastrukturinvestitionen. BVK-Vorstandssprecherin Ulrike Hinrichs betonte die Bedeutung eines wettbewerbsfähigen Fondsstandorts: „Kapital ist scheu und hat keinen Wohnsitz. In Europa gibt es starke Konkurrenz. Um das Kapital nach Deutschland zu bringen, muss das Problem der Investierbarkeit gelöst werden“, sagte Hinrichs. Dafür müsse die Steuerproblematik und Einordnung der Fonds als vermögensverwaltend gesetzlich geklärt werden. „Aktuell herrscht hier ein bundesweiter Flickenteppich“, so die Verbandschefin weiter. Der BVK fordert unter anderem größere regulatorische Spielräume für Versicherungen und Versorgungswerke bei Anlagen in Private Equity und Venture Capital, international wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen sowie einen gezielten Einsatz öffentlicher Mittel, um zusätzliches privates Eigenkapital zu mobilisieren.

Wirtschaftliche Investitionen schaffen Wohnraumbedarf

Der ZIA lenkt den Blick auf die Verbindung zwischen wirtschaftlichen Investitionen und Wohnraumbedarf. „Allen Panels auf dem Investitionsgipfel ist eines gemeinsam: Wenn Investitionen beispielsweise in KI, Energie oder Halbleiter angereizt werden, bedeutet das notwendigerweise Fachpersonal und in der Folge einen zusätzlichen Bedarf an Wohnungen. Deshalb braucht es jetzt einen Investitionsbooster für den Wohnungsneubau in Deutschland“, sagte ZIA-Hauptgeschäftsführerin Aygül Özkan. Nach Angaben des ZIA stammten 2025 rund 33,1 Prozent des Investmentvolumens am deutschen Wohninvestmentmarkt von ausländischen Käufern, gegenüber 20,8 Prozent im Vorjahr. Zugleich wurden laut Statistischem Bundesamt rund 206.600 Wohnungen fertiggestellt. Der jährliche Bedarf liegt nach dem Frühjahrsgutachten der Immobilienwirtschaft bei rund 257.400 Wohnungen.

Sechs Handlungsfelder für mehr private Investitionen

Das gemeinsame Forderungspapier von BVK und ZIA umfasst sechs Bereiche:

  1. Finanzierung erleichtern und institutionelles Kapital mobilisieren: Mehr Spielraum für institutionelle Investoren bei Private Equity und Venture Capital sowie eine sachgerechte Korrektur des 150-Prozent-Risikogewichts für Projektentwicklungsfinanzierungen.
  2. Internationales Kapital gewinnen und Steuern wettbewerbsfähig gestalten: Rechtssichere, international wettbewerbsfähige Steuerregeln für Beteiligungskapitalfonds und verlässliche Bedingungen für ausländische Immobilieninvestoren.
  3. Öffentliche Mittel gezielt als Hebel nutzen: Die KfW als Ankerinvestor stärken, privates Eigenkapital über Dachfonds mobilisieren und das Wohnungsbaumodul des Deutschlandfonds zügig starten.
  4. Eigentum sichern und Investitionssicherheit stärken: Eigentums- und Beteiligungsrechte schützen sowie das vereinbarte Investitionsschutzgesetz noch 2026 umsetzen.
  5. Planbare Regeln für Immobilien und Beteiligungskapital: Europäische Fondsvorgaben praxistauglich umsetzen, nationale Sonderbelastungen vermeiden und bestehende Mietverträge schützen.
  6. Bürokratie abbauen und Investitionen beschleunigen: Berichts- und Offenlegungspflichten vereinfachen, den Gebäudetyp E voranbringen und die KfW-Förderung für Neubau und Bestand vereinfachen.

Hinrichs unterstrich die Notwendigkeit konkreter politischer Schritte: „Genauso wichtig wie neue Wohnungsbauprojekte sind verlässliche Finanzierungsmöglichkeiten für unsere Unternehmen. Wir müssen die Kapitalquellen institutioneller Investoren erschließen und öffentliche Mittel so einsetzen, dass sie privates Eigenkapital mobilisieren. Der Investitionsgipfel muss konkrete Verbesserungen für beide Bereiche anstoßen“, so Hinrichs.