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Die BVK-Jahresstatistik 2025 zeichnet für den deutschen Beteiligungskapitalmarkt ein differenziertes Bild: Mit insgesamt 15,6 Mrd. EUR investiertem Kapital liegt das Volumen leicht über dem Vorjahr. Wer daraus jedoch vorschnell auf eine breit angelegte Markterholung schließt, greift zu kurz – denn getragen wurde das Plus vor allem von größeren Buy-out-Transaktionen. Im Venture Capital-Bereich blieb das Umfeld auch 2025 anspruchsvoll. Umso aufschlussreicher ist der Blick nach Nordrhein-Westfalen: Das Land behauptet sich im Bundesvergleich weiter in der Spitzengruppe und bleibt sowohl bei Buy-outs als auch in Sachen Venture Capital ein zentraler Standort.
Im Jahr 2025 summierten sich die Investitionen in Nordrhein-Westfalen auf 2,01 Mrd. EUR. Damit belegt das Land bundesweit Rang vier hinter Hessen, Baden-Württemberg und Bayern – aber noch vor Berlin. Bei den Venture Capital-Investitionen erreicht NRW mit 308 Mio. EUR den dritten Platz hinter den Schwergewichten Berlin und Bayern. Es ist ein klares Signal: Nordrhein-Westfalen bleibt eine der wichtigsten Adressen für Wachstumsfinanzierung in Deutschland. Gerade im Venture Capital-Bereich zeigt sich, wie belastbar ein Standort wirklich ist: Denn in einem anspruchsvollen Marktumfeld bestehen vor allem diejenigen Ökosysteme, die technologische Substanz, unternehmerische Qualität und belastbare Finanzierungsstrukturen zusammenbringen. Genau hier spielt NRW seine Stärken aus.
NRW punktet mit industrieller Realität statt Inszenierung
Diese Position kommt nicht von ungefähr. Nordrhein-Westfalen vereint industrielle Substanz, Mittelstand, Hochschulen, Forschung und Energiewirtschaft mit einer lebendigen Start-up-Szene. Gerade in Feldern wie Climatetech, industrieller Digitalisierung, neuen Materialien, Software und Health entstehen daraus belastbare Geschäftsmodelle mit direktem Zugang zu Kunden und Anwendungspartnern. NRW steht damit für etwas, das im Beteiligungsmarkt wieder stärker zählen muss: reale Wertschöpfung, industrielle Anschlussfähigkeit und technologisches Unternehmertum mit Marktbezug. Während andernorts gerne über Innovationsdynamik gesprochen wird, entstehen hier vielfach Lösungen dort, wo Dekarbonisierung, Digitalisierung und industrielle Transformation tatsächlich umgesetzt werden müssen. Finanzierungsseitig profitiert NRW zudem von einer Struktur, die in Deutschland besonders dicht ist: Öffentliche Ankerinvestoren, etablierte Venture Capital-Häuser, Corporate Venture-Einheiten und mittelstandsnahe Kapitalgeber ergänzen sich vielfach sinnvoll. Für junge Unternehmen eröffnet das die Chance, nicht nur die Seed-Phase zu finanzieren, sondern auch Wachstumsschritte, Erprobung und spätere Skalierung in industriellen Märkten umzusetzen. Genau diese Verbindung aus Kapital, technologischer Substanz und Marktzugang macht NRW für Start-ups wie für Investoren attraktiv.
Deutschland 2025: Stabil im Volumen, aber nicht im gesamten Markt
Der Gesamtmarkt in Deutschland zeigte sich im vergangenen Jahr auf den ersten Blick robust. Mit 15,69 Mrd. EUR lag das Investitionsvolumen leicht über dem Vorjahreswert von 15,13 Mrd. EUR. Ein genauerer Blick in die Statistik offenbart jedoch, woher diese Stabilität stammt: Buy-outs machten 10,66 Mrd. EUR aus und standen damit für 68% des gesamten Investitionsvolumens. Venture Capital kam auf 2,23 Mrd. EUR, was einem Anteil von 14% entspricht. Weitere 2,8 Mrd. EUR entfielen auf Growth-, Turnaround- und Replacement-Kapital. Wer also nur auf das Gesamtvolumen schaut, sieht bestenfalls die halbe Wahrheit – denn die Marktbreite, die Innovationskraft und die Zukunftsfähigkeit eines Beteiligungsstandorts entscheiden sich nicht allein an großen Transaktionen, sondern auch daran, wie konsequent junge Unternehmen finanziert und in die Skalierung gebracht werden. Parallel dazu zeigt die Statistik, dass Venture Capital für die Breite des Markts weiterhin von großer Bedeutung ist: Von insgesamt 897 im vergangenen Jahr finanzierten Unternehmen entfielen zwei Drittel auf Venture Capital. Buy-outs standen zwar für den mit Abstand größten Volumenanteil, aber nur für 13% der finanzierten Unternehmen. Beteiligungskapital bleibt damit in Deutschland vor allem dort wirksam, wo neue Unternehmen wachsen, Innovationen in den Markt gebracht und Zukunftstechnologien skaliert werden.
Venture Capital: Frühphase robust, Later Stage bleibt offene Flanke
Im Venture Capital-Segment zeigt sich 2025 ein gemischtes Bild: Das Volumen sank gegenüber dem Vorjahr von 3,26 Mrd. auf 2,23 Mrd. EUR. Auffällig ist dabei vor allem der Rückgang in der Later Stage: Nach 1,67 Mrd. EUR im Jahr 2024 lag dieser Bereich 2025 nur noch bei 931 Mio. EUR. Seed-Finanzierungen stiegen dagegen leicht auf 257 Mio. EUR, während Start-up-Finanzierungen mit 1,05 Mrd. EUR weiterhin das größte Wagniskapitalsegment bildeten. Das unterstreicht ein bekanntes Thema des deutschen Markts: In der Frühphase ist das Ökosystem mittlerweile belastbar aufgestellt, auch dank starker öffentlich-privater Strukturen. Sobald Unternehmen jedoch größere Wachstumsrunden für Skalierung, Internationalisierung oder kapitalintensive Technologien benötigen, wird es schwierig. Genau an diesem Punkt entscheidet sich aber, ob aus guten Start-ups auch große europäische Technologieunternehmen werden – oder ob Wertschöpfung, Eigentum und Wachstumsperspektiven an andere Märkte verloren gehen.
Fundraising: Weniger Gesamtvolumen, aber Venture Capital wieder mit Rückenwind
2025 war auch auf der Fundraising-Seite kein einfaches Jahr. Deutsche Beteiligungsgesellschaften sammelten 5,81 Mrd. EUR ein, nach 8,59 Mrd. EUR im Vorjahr. Positiv ist jedoch, dass das Fundraising von Venture Capital-Fonds wieder anzog: Von 2,296 Mrd. EUR im Jahr 2024 stieg es 2025 auf 3,06 Mrd. EUR. Buy-out-Fonds lagen mit 2,75 Mrd. EUR zwar weiterhin auf hohem Niveau, blieben aber deutlich unter dem außergewöhnlich hohen Vorjahreswert. Das ist eine wichtige Entwicklung: Denn ein leistungsfähiger Beteiligungsmarkt lebt nicht nur von einzelnen guten Investitionsjahren, sondern von einer verlässlichen Kapitalbasis für neue Fonds. Gerade im Venture Capital-Segment sind ausreichende Fondsvolumina entscheidend, damit Anschlussfinanzierungen möglich bleiben und erfolgreiche Unternehmen nicht zu früh auf ausländische Kapitalgeber angewiesen sind.
Kurs auf 2026: NRW zeigt, was Deutschland insgesamt braucht
In diesem Jahr kommt es darauf an, die vorhandene industrielle und technologische Stärke noch gezielter in Wachstum zu übersetzen. Nordrhein-Westfalen bleibt dabei für den Standort Deutschland entscheidend und bringt dafür die essenziellen Voraussetzungen mit: ein dichtes Netz an Corporates, Mittelstand, Forschung, Energie- und Industriekompetenz sowie erfahrenen Investoren. Gleichzeitig bleibt es eine gesamtdeutsche Aufgabe, die Later Stage-Finanzierung zu stärken und den Kapitalmarkt für Wachstumsunternehmen attraktiver zu machen. Denn es reicht nicht, gute Gründungen hervorzubringen – Deutschland muss endlich besser darin werden, erfolgreiche Technologieunternehmen auch in den späteren Phasen hierzulande zu finanzieren. Hier müssen auch Politik und öffentliche Hand die richtigen Impulse setzen. Mit Blick auf NRW ist deshalb klar: Das Bundesland ist nicht einfach nur ein Big Player am deutschen Beteiligungsmarkt. Nordrhein-Westfalen steht exemplarisch für das, was der Standort Deutschland heute dringender braucht denn je: die enge Verzahnung von industrieller Transformation, technologischem Unternehmertum und langfristig verfügbarem Wachstumskapital.
Über die Autorin:
Ulrike Hinrichs ist Vorstandssprecherin und führt seit 2011 den Bundesverband Beteiligungskapital (BVK) als geschäftsführendes Vorstandsmitglied. Sie ist unter anderem Jury-Mitglied des staatlichen Förderprogramms exist im BMWK und Mitglied im Beirat des Verbands Deutscher Bürgschaftsbanken. Ulrike Hinrichs ist außerdem Mitglied des Beirats der KfW Capital.



