Bildnachweis: HyImpulse; MBG Baden-Württemberg.
Europas Raumfahrt startet zu selten. HyImpulse aus dem schwäbischen Neuenstadt am Kocher will das ändern und baut Trägerraketen mit einem hybriden Raketenantrieb, der nicht explodieren kann sowie halb so viele Bauteile hat wie die Konkurrenz und daher wesentlich günstiger ist. 2025 hat das Scale-up 45 Mio. EUR eingesammelt.
Für Christian Schmierer ist der Weg in die Raumfahrt früh vorgezeichnet. Er wächst in der Nähe von Lampoldshausen auf, wo das DLR die Prüfstände für die europäischen Raketentriebwerke betreibt – und HyImpulse heute einige seiner Triebwerke testet. Die Geschichte des Unternehmens beginnt 2012 an der Universität Stuttgart. Die späteren Gründer entwickeln ein hybrides Raketentriebwerk und testen es am Institut. Der Antrieb kombiniert Paraffin als festen Brennstoff mit flüssigem Sauerstoff und hat einen entscheidenden Vorteil gegenüber Kerosin: Er kann nicht explodieren. Das Paraffin, also Kerzenwachs, schmilzt gleichmäßig, verbrennt sauber und lässt sich günstig herstellen.
Europäische Raumfahrt voranbringen
Als das Team 2018 in den kommerziellen Markt eintritt, ist die Ausgangslage in Europa ernüchternd. „Die USA starten über 190 Mal pro Jahr ins All, China über 90 Mal und Europa kommt 2025 nur au sieben Starts“, erklärt Schmierer. Das Gründerteam, vier Luft- und Raumfahrtingenieure, will die unabhängige europäische Raumfahrt voranbringen. 2024 gelingt ein erster Beweis: Die SR75 absolviert als erste privat finanzierte deutsche Hybridrakete erfolgreich ihren Erstflug. Das technische Differenzierungsmerkmal von HyImpulse lässt sich in einer Zahl zusammenfassen: 50.000 – so viele Bauteile wird die orbitale Trägerrakete SL1 haben. Vergleichbare Raketen kommen laut Schmierer auf das Doppelte: „Weniger Bauteile bedeuten niedrigere Produktionskosten, weniger Fehlerquellen und schnellere Fertigung.“ Die dreistufige SL1 soll ab 2027 bis zu 600 Kilogramm Nutzlast in den niedrigen Erdorbit transportieren. Einen Orbitalstart bietet HyImpulse ab 6 Mio. EUR an.
Neue Dringlichkeit
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine verändert sich der Markt. Kunden suchen geeignete Trägersysteme für Zieldarstellungsraketen zur Simulation von Bedrohungsszenarien sowie für Hyperschalltestflüge. Das übergeordnete Ziel ist allerdings der souveräne Zugang zum All. HyImpulse hat hierfür bereits Aufträge im dreistelligen Millionenbereich gesichert. „Wir wollen Europa dabei helfen, im weltweiten Milliardenmarkt für Zugang zum All wieder eine signifikante Rolle zu spielen. Ich wünsche mir, dass wir in Europa auf 20% oder mehr der weltweiten Starts kommen“, erklärt Schmierer. Laut McKinsey soll der globale Markt für satellitenbasierte Technologien bis 2040 auf rund 1,25 Bio. EUR anwachsen. HyImpulse positioniert sich früh.
Series A-Runde über 45 Mio. EUR
Die im Oktober 2025 geschlossene Series A bringt 45 Mio. EUR. „In HyImpulse investieren wir in eine der zukunftsstärksten Industrien mit einer technologisch differenzierten, bereits flugerprobten Lösung“, sagt Sven Schatz von der MBG Baden-Württemberg, die mit dem ihr zugehörigen Start-up BW Innovation Fonds an der Runde beteiligt ist. Er lernte Schmierer bereits im März 2024 persönlich kennen: „Was uns von Anfang an überzeugt hat, waren die Gründer mit ihrer Expertise und der langfristigen Vision – denn wir teilen die Ansicht, dass Europa unabhängiger werden muss.“ Ebenso investiert ist Campus Founders Ventures aus Heilbronn: „Was HyImpulse bisher geleistet hat, ist außergewöhnlich. Sie haben eine vielversprechende, neue Antriebstechnologie entwickelt und mit einem Bruchteil der Mittel, die anderen Deeptech-Start-ups zur Verfügung stehen. Dazu adressieren sie einen geopolitisch entscheidenden Markt“, sagt Oliver Hanisch, CEO von Campus Founders Ventures. Schmierer freut sich: „Im Vergleich zu etablierten Venture Capital-Standorten wie Bayern oder Berlin ist das Angebot in Baden-Württemberg noch im Aufbau. Umso mehr freuen wir uns über die starke Unterstützung.“ Das frische Kapital fließt in die Fertigentwicklung der orbitalen Rakete, mehr Personal sowie den Ausbau der Produktions- und Startinfrastruktur. Noch in diesem Jahr soll ein weiterer suborbitaler Flug auf über 100 Kilometer Höhe stattfinden.



