Innovatives Klima „Made in Regensburg“

Klein, aber fein – Das Erfolgsrezept von kleineren Standorten

Dr. Thomas Diefenthal, BioPark Regensburg GmbH
Dr. Thomas Diefenthal, BioPark Regensburg GmbH

Bildnachweis: BioPark Regensburg GmbH.

Als vor 26 Jahren mit der BioPark Regensburg GmbH das ersten Technologie- und Gründerzentrum der Stadt Regensburg gegründet wurde, war nicht abzusehen, mit welcher innovativen Dynamik die Domstadt sich in den nächsten Jahren entwickeln würde. Heute zählt sie mit zehn Netzwerken und Zukunftsclustern sowie zwei Technologie- und Gründerzentren und zwei weiteren thematischen Zentren zu den innovativsten Städten Deutschlands.

„Regensburg war in den 1980er-Jahren eine graue Maus“, erzählten die Alteingesessenen in der von den Römern gegründeten Stadt am nördlichsten Punkt der Donau. Mit Industrieansiedlungen, dem Ausbau der Universitäten und Kliniken und dem Weltkulturerbetitel schaffte die Domstadt Arbeitsplätze und den Sprung auf das internationale Parkett.

Beginn der Clusterinitiative

Ende der 1990er-Jahre hatte das damalige Bundesministerium für Bildung und Forschung bundesweit den sogenannten BioRegio Wettbewerb ins Leben gerufen, um die Biotechnologie zu fördern. Diese Branche war und ist eine der boomenden Zukunftstechnologien, insbesondere im medizinischen Sektor. Alle großen Universitätsstädte in Deutschland waren bei der Antragstellung dabei. Die kleine Domstadt mit damals 122.000 Einwohnern warf als kleinste Region mutig den Hut in den Ring. Damals wurden die Grundlagen des späteren Erfolgs gelegt: die Einbindung aller Akteure mit kurzen und schnellen Entscheidungswegen unter Führung der Stadt sowie ein parteiübergreifender, langer Atem bei der finanziellen Unterstützung einer Technologie, deren Entwicklung von der Idee bis zur Marktreife mehrere Jahre benötigt.

Raus aus der Krise

Durch den Verkauf der staatlichen Beteiligung an der VIAG AG investierte der Freistaat Bayern 131 Mrd. EUR in der sogenannten High-Tech-Offensive, darunter 63 Mio. EUR in der BioRegio Regensburg, zur Förderung der Biotechnologie. Damit startete der BioPark I mit seinem ersten Laborgebäude auf dem Gelände der Universität, um kurze Wege zwischen Forschung und Anwendung zu gewährleisten. Hier siedelten sich unter intensiver Betreuung der BioPark Regensburg GmbH die ersten Gründer und Firmen an, unter anderem aus den USA und Südkorea. Zudem wurde hier Raum für neue Lehrstühle und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen in der Immunologie und Onkologie geschaffen, die Grundlage für die heutigen erfolgreichen Fraunhofer- und Leibniz-Aktivitäten am Uni-Campus.

Vom Gründerstammtisch zum Gründerökosystem

Die Aufbau- und Boom-Jahre entwickelten eine ungeahnte Dynamik, die ein „Gründerklima“ prägten, das bis heute das Stadtbild mitbestimmt. Gründen war damals eine interessante Alternative zur möglichen Arbeitslosigkeit, was in der aktuellen Krise erneut zu steigenden Zahlen bei den Gründerwettbewerbern führt. Heute gibt es ein lebendiges Gründerökosystem mit 16 Institutionen und Experten rund um das Thema Start-up mit vielen speziellen Veranstaltungen, etwa der „StartUp Factory“ in den beiden Gründerzentren.

Wichtige Öffentlichkeitsarbeit

Bereits weit vor der Zeit der Social Media war und ist es eine der Aufgaben der BioPark Regensburg GmbH, als Unternehmen der Stadt Regensburg, die breite Bevölkerung und insbesondere die jüngere Generation für eine der spannendsten und interessantesten Zukunftsbranchen zu begeistern. Wie entsteht ein Medikament? Was kann man gegen multiresistente Keime tun? Über Veranstaltungen wie Tag der offenen Türen, Nacht.Schafft.Wissen, Führungen und Vorträgen zum Thema Biotechnologie für Erwachsene, Studenten und Schüler ermöglicht der BioPark regelmäßig einen Einblick ins Labor und die Arbeit der Firmen vor Ort und legt damit mit den Grundstock für das wichtige Thema Nachwuchskräfte.

Der Erfolg gibt uns recht

Im Schatten der boomenden Landeshauptstadt München angetreten, musste sich die Region Regensburg als Sandwich zwischen den Spitzenclustern in Martinsried (Biotech) und Erlangen (Medtech) behaupten und sich ein eigenes Profil geben. Dieses wurde mithilfe regelmäßiger Standortanalysen erreicht. Unter dem Motto „klein, aber fein“ und mit sehr viel persönlicher Ansprache und Betreuung gelang es nicht nur, ein lebendiges Gründerklima zu schaffen und zu etablieren, sondern auch, gezielt Firmen aus dem In- und Ausland an die Donau zu holen. Gestartet mit der Kernkompetenz Biotechnologie, folgte zunächst die Erweiterung mit den Lebenswissenschaften um Medizintechnik, Pharma, Diagnostik und Analytik. Hierauf schloss sich die Einbeziehung von Firmen anderer Branchen wie der Metall-, Textil-, Kunststoff- beziehungsweise Glasindustrie und zuletzt der Künstlichen Intelligenz an, welche interdisziplinär mit den Clustern interagieren. Seit 2016 wurde der Cluster thematisch rund um die Branche Gesundheitswirtschaft mit neuen Akteuren, Firmen und Versorgungseinrichtungen in der Region erfolgreich erweitert. 2023 folgte mit BioPark Jump das vom Bayerischen Wirtschaftsministerium geförderte Accelerator-Programm für Start-ups aus diesem Bereich. Heute sind über 100 Akteure Teil des Clusters. Bemerkenswerterweise ist es dabei sogar gelungen, zur Förderung von Beruf und Familie eine eigene Kindertagesstätte Namens „bamBIOni“ ins Haus zu holen. Zuletzt lag der Frauenanteil unter den Beschäftigten im BioPark bei fast 60%.

Vom Start-up zum globalen Unternehmer

Im BioPark wurden mehrere erfolgreiche Entwicklungen vom Gründer aus den Hochschulen zu börsennotierten Unternehmen oder auch zum Millionär begleitet. Die Firma GeneArt, die synthetische Gene herstellt, ist heute Teil des US-Technologieunternehmens Thermo Fisher Scientific. PreSens, von einer Gruppe von Regensburger Ingenieuren gegründet, ist heute ein weltweit führender Anbieter von Biosensoren für die Biotech- und Pharmaindustrie und bis heute in privater Hand. Die Nal24 GmbH, ein Pionier im Bereich Schnelltests für Infektions- und Tropenkrankheiten, boomte mit ihren COVID-19-Tests während der Coronapandemie und ist heute Teil der nal von minden GmbH, eines weltweit führenden In-vitro-Diagnostik-Unternehmens mit neun Standorten. Die lifespin GmbH entwickelt eine KI-gestützte Technologieplattform zur Erfassung eines digitalen Stoffwechselprofils für die Präzisionsdiagnostik und -therapie und ist global mit Kliniken vernetzt.

Netzwerke und Zukunftscluster in Regensburg

Das Erfolgskonzept BioPark war der Beginn einer außergewöhnlichen Unterstützung von Netzwerken und Clustern durch die Wirtschaftsförderung der Stadt Regensburg. Neben der Biotechnologie- und Gesundheitswirtschaft wurden weitere Cluster zur IT-Sicherheit, Mobilität und Logistik, Sensorik, Greentech, Energie und Künstlichen Intelligenz aufgebaut. Neben dem BioPark auf dem Gelände der Universität ist die TechBase Regensburg GmbH als Schwesterunternehmen auf dem TechCampus direkt neben der Technischen Hochschule etabliert worden. In unmittelbarer Nachbarschaft findet sich auch das ­ RUBINA Haus für Umwelt, Bildung, Innovation und Nachhaltigkeit. In der Altstadt wurde das Kreativzentrum Degginger als Raum für Kultur und Innovation aufgebaut.

Fazit

Mit heute 177.000 Einwohnern hat die Stadt eine bemerkenswerte Innovationslandschaft aufgebaut und eindrucksvoll – wie viele andere Städte – gezeigt, dass nicht nur Spitzencluster und Großstädte erfolgreich sein können.

 

Über den Autor:

Dr. Thomas Diefenthal ist seit 1999 Geschäftsführer im BioPark Regensburg und seit 2014 geschäftsführender Vorstand und Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Innovations-, Technologie- und Gründerzentren (BVIZ).