Bildnachweis: Dcubed.
In der klassischen Raumfahrt galt lange das Paradigma der Manufaktur: jede Schraube eine Spezialanfertigung, jeder Mechanismus ein millionenschweres Unikat. Doch während Raketenhersteller wie SpaceX die Transportkosten in den Orbit radikal gesenkt haben, blieb die Hardware der Satelliten selbst oft in alten Mustern verhaftet. Hier setzt die Dcubed GmbH an.
Das Germeringer Scale-up schickt sich an, die „Werkbank des Weltraums“ zu werden – mit dem Ziel, wirkliche Serienproduktion in die Industrie, aber auch in den Weltraum zu bringen, mit einer Mischung aus bayerischer Präzision, einer radikal kommerziellen Vertriebsstrategie und bionischer Inspiration für die Weltraum-Infrastruktur der Zukunft. Eine Art Webshop für Weltraumkomponenten ist für Gründer und CEO Dr. Thomas Sinn der Schlüssel zur Skalierung: „New Space-Unternehmen wollen schnell und ohne unnötige Hürden einkaufen.“ Bei Dcubed lassen sich Spezialteile einfach mit Kreditkarte bestellen. Dieser Ansatz bricht die verkrusteten Beschaffungswege der Industrie auf. Es ist der Übergang von der staatlich gelenkten Mission hin zu einer agilen, softwareähnlichen Hardware-Beschaffung.
Von Käferflügeln zur Serie
Das technologische Herzstück von Dcubed sind sogenannte Deployables; dabei handelt es sich um entfaltbare Strukturen. Die Inspiration dafür stammt direkt aus der Biologie. „Besonders prägend waren die Entfaltungsmechanismen von Käferflügeln oder Frühlingsknospen“, erklärt Sinn. Diese bionischen Prinzipien ermöglichen eine maximale Kompaktheit beim Raketenstart, gefolgt von einer zuverlässigen Entfaltung im Vakuum. Der technologische Clou: Statt auf riskante Pyrotechnik setzt das Dcubed-Team auf Formgedächtnislegierungen. Das macht die Komponenten nicht nur leichter und benutzerfreundlicher, sondern – für Investoren entscheidend – auch Hunderte Male am Boden testbar. In einer Branche, in der ein einzelner Niederhaltemechanismus über den Erfolg einer Multi-Millionen-Dollar-Mission entscheidet, ist diese massive Reduzierung des Fehlerrisikos ein unschlagbares Verkaufsargument. Mit diesen Niederhaltemechanismen und Solarpaneelen hat Dcubed mittlerweile über 140 Kunden weltweit, Tausende Produkte produziert und Hunderte bereits im Weltall.
München – Denver – Weltmarkt
Dass Dcubed im bayerischen „Space Valley“ verwurzelt ist, ist kein Zufall. Die Nähe zu anderen New Space-Firmen wie Isar Aerospace, The Exploration Company, Mynaric und ein dichter Talent-Pool der Technischen Universität München sowie der Hochschule München bieten einen Standortvorteil. Mit der Eröffnung der US-Niederlassung in Berthoud, Colorado, im Jahr 2024 vollzog Dcubed den Sprung in den weltweit wichtigsten Raumfahrtmarkt. Die Synergien zwischen bayerischem Engineering und US-amerikanischer Risikobereitschaft zeigen Wirkung. Für Wagniskapitalgeber ist jedoch vor allem die langfristige Vision attraktiv: die Lösung des Energieproblems im Weltraum. Die im ersten Quartal 2027 geplante Mission ARAQYS-D3 soll die traditionellen Solar Arrays skalieren: Ein 13 bis 15 Meter großes 2-kW-Solarpanel wird mittels 3D-Druck (In-Space-Manufacturing) erst im All entstehen. Gelingt dieser Schritt, verschieben sich die Grenzen des physikalisch Möglichen: Satelliten müssen nicht mehr für die Lasten eines Raketenstarts gebaut werden, sondern können filigran, riesig und hocheffizient im All konstruiert werden.
Strategische Allianz mit der BayBG
Mit einer erfolgreichen Series A-Runde über 4,4 Mio. EUR im August 2024, angeführt von Expansion und der BayBG sowie der Unterstützung durch Ventis, Rymdkapital und US-Fonds wie Aurelia Foundry, ist das Unternehmen solide für die aktuelle Wachstumsphase aufgestellt. Besonders die Zusammenarbeit mit der BayBG unterstreicht dabei die strategische Tiefe des Investments: Der bayerische Investor agiert als konstruktiver Partner, der Dcubed weit über das Kapital hinaus den Zugang zum breiten industriellen Ökosystem des Freistaats öffnet. „Dcubed hat uns mit seinem herausragenden Team, dem Kundenfokus und der Vision überzeugt: Hochkomplexe Weltraum-Hardware wird so einfach zugänglich wie nie zuvor“, sagt Dr. Alois Ganter, zuständiger Investmentmanager bei BayBG Venture Capital. „Innovationen im New Space sind ein zentraler Pfeiler für die technologische Souveränität Europas. Deshalb investieren wir gezielt in Pioniere wie Dcubed.“




