Bildnachweis: Team23 Stefan Winterstetter.
Das historische Gaswerksgelände in Augsburg diente wieder als Veranstaltungsort für ein bedeutendes Ereignis der deutschen Tech-Branche. Die große Digitalmesse „sparkscon“ findet bereits zum fünften Mal in der bayerischen Universitätsstadt statt. Rund 2000 Gäste besuchen das Event an diesem Festtag. Mehr als 70 Referenten teilen ihr Wissen auf vier Bühnen mit dem Publikum. Veranstalter war die Augsburger Digitalagentur Team23. Das Treffen gilt als wichtige Plattform für die digitale Zukunft – weit über Süddeutschland hinaus: Es ist inzwischen die größte Digital-Experience-Konferenz in Deutschland. Die Veranstaltung zeigt die Innovationskraft der Region. Zahlreiche Branchenvertreter nutzen diese Gelegenheit zum Austausch vor Ort.
Politische Strategien für das KI-Zeitalter
Der bayerische Digitalminister Fabian Mehring fungiert in diesem Jahr als Schirmherr des Kongresses. Er trägt – wie es sich gehört – weiße Sneaker auf der Bühne. Mehring bezeichnet die Metropolregion Augsburg als wichtige Startrampe für das kommende Zeitalter der künstlichen Intelligenz. In seiner Rede zieht er eine positive digitalpolitische Zwischenbilanz für den Freistaat. Laut Mehring steht Bayern im nationalen Vergleich bei der Verwaltungsdigitalisierung hervorragend da. Das Dashboard des Bundes zeige, dass fast neun von zehn der erfolgreichsten Kommunen im Freistaat liegen. Bayern habe sich laut dem Minister zum führenden Bundesland in diesem Bereich entwickelt. Dennoch verweist er auf den globalen Wettbewerb mit anderen Wirtschaftsmächten. Mehring fordert deshalb die rasche Gründung von einem „Digital-Airbus“ auf europäischer Ebene. Nur so könne eine gefährliche Abhängigkeit in Digital-Technologien von den USA und China verringert werden. Der Staat müsse als wichtiger Ankerkunde auftreten, um die digitale Souveränität zu sichern.
Wirtschaftliche Herausforderungen im globalen Vergleich
Nach Angaben des bayerischen Digitalministersteht die heimische Wirtschaft derzeit vor großen strukturellen Herausforderungen: „Wir haben im Land sehr hohe Energiepreise und hohe Arbeitslöhne zu verzeichnen. Zudem besitzt Deutschland nur wenige eigene natürliche Ressourcen. Die demografische Situation stellt die Unternehmen vor zusätzliche Probleme. Uns gehen schlichtweg die qualifizierten Köpfe für die anstehenden Aufgaben aus. Daher ist Spitzenleistung bei Innovationen die einzige Option für eine erfolgreiche Zukunft“, sagt Mehring. Bayern gebe deshalb beim technologischen Wandel ganz besonders viel Gas. Der Freistaat habe die wichtigen Finanzierungswege für junge Gründer spürbar vereinfacht.
Kommunaler Fortschritt und regionale Netzwerke
Auch der frisch gewählte Augsburger Oberbürgermeister Florian Freund betont die fundamentale Bedeutung der kontinuierlichen Digitalisierung. Freund berichtet stolz über die Fortschritte der Stadt Augsburg bei der modernen Verwaltung. Ein konkretes Beispiel sei das digitale Bürgeramt direkt auf der Messe. Es gehe darum, wichtige Akteure in der Stadtverwaltung gezielt miteinander zu vernetzen. Niemand dürfe in der Kommunalverwaltung in abgeschotteten Silos denken. Zudem müsse die Sicherheit der digitalen Infrastruktur für die Bürger stets gewährleistet sein. Für den Oberbürgermeister ist das Digital-Event von Team23 ein echter Leuchtturm für die gesamte Region.
Mammutprogramm mit über 70 Vorträgen
Nach der Eröffnung durch die politischen Vertreter startete das Mammutprogramm auf dem Gaswerksgelände. Auf vier parallel bespielten Bühnen sowie in intensiven Masterclasses drehte sich alles um die digitale Zukunft. Es ging auch um Entwickler- und Automatisierungsthemen. KUKA machte mit „Re-imagining Automation“ den Auftakt, gefolgt von Flender und einem Praxisansatz zur digitalen Transformation. Ein zentrales Thema war der Wandel der Macht von Organisationen hin zu Individuen durch KI, präsentiert von Mercedes-Benz Consulting. TEAM23 steuerte wertvolle Sessions zur kontrollierten Automatisierung und zukunftsfähiger Softwareentwicklung bei, während die THA Augsburg die Ära der KI-Agenten einläutete. Zum Abschluss beleuchtete SAP-Experte Boy Naeve das Design als entscheidenden Erfolgsfaktor. Ein weiterer Bereich war die User und People Experience. Vorwerk gab tiefe Einblicke in die Konzeption des Thermomix TM7, und Otto demonstrierte, wie man Agentic Experiences ohne klassisches Interface gestaltet. Auch die Transformation hin zur ganzheitlichen „People Experience“ (E.ON) sowie die Zukunft datengetriebener Mobilität wurden hier intensiv beleuchtet. Neben spannenden Beiträgen zu IT-Sicherheit (THA), Kryptorisiken (XITASO) und emotionsbasiertem Marketing boten die Masterclasses Raum für echte Deep Dives. Themen wie professionelles Prompt Engineering (ORDIX) oder das Zusammenspiel von UX-Teams und Management standen im Fokus, ehe der Tag in einer großen Aftershow-Party mit Live-Musik mündete.
Junge Perspektiven und technologische Risiken
Der junge Gründer Nele Marten de Vries vom Corporate-Video-Startup Mozaik hat persönliche Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz. Er nutze diese neuen Werkzeuge bereits ganz selbstverständlich in seinem täglichen Arbeitsalltag. Dennoch warnt de Vries eindringlich vor den Risiken einer vollständig autonomen Arbeitsweise von Systemen. Es müsse immer einen menschlichen Kontrollpunkt im gesamten Prozess geben. Als weiterer prominenter Redner tritt der bekannte Blogger Sascha Pallenberg auf der Konferenz auf. Er kritisiert die moderne digitale Engagement-Industrie in seinem Vortrag sehr scharf. Seiner Ansicht nach ist der klassische Like-Button die eigentliche Wurzel des Übels im Internet. Er prangert billiges Klick-Baiting und kurzlebige Trends auf verschiedenen Videoplattformen an. Laut Pallenberg macht der Konzern Meta ungefähr 10% des Umsatzes mit betrügerischen Anzeigen im Netz. Als positives Gegenbeispiel lobt er den europäischen Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz. Dieser sei weltweit das einzige Regelwerk dieser Art zum Schutz der Bürger.



