
Bildnachweis: retoflow/BM H.
Die Fraunhofer Ausgründung retoflow bietet eine Softwärelösung, die vorhandene Netzdaten in einem rechenfähigen digitalen Zwilling zusammenführt. Damit können Versorgungsunternehmen zukünftige Entwicklungen simulieren, Engpässe frühzeitig erkennen und den Ausbau ihrer Strom-, Gas- und Wärmenetze vorausschauender planen. Die BM H Beteiligungs-Managementgesellschaft Hessen mbH beteiligt sich über die HessenFonds Beteiligungen GmbH mit einem siebenstelligen Betrag an dem Deeptech-Start-up.
Die Dekarbonisierung des Energiesystems führt zu grundlegenden Veränderungen in der Energieinfrastruktur: Stromnetze müssen erheblich ausgebaut werden, Wärmenetze werden neu geplant und erweitert, und Gasnetze werden perspektivisch zurückgebaut oder stillgelegt. Diese parallelen Entwicklungen erfordern eine sektorübergreifende Planung, da Entscheidungen in einem Netz unmittelbare Auswirkungen auf die Anforderungen an die anderen Netze haben. Die dafür notwendige Datengrundlage fehlt jedoch bislang: Informationen zur Energieinfrastruktur liegen häufig in unterschiedlichen Systemen und Formaten vor, was eine integrierte Planung erschwert. retoflow schafft aus heterogenen Systemen eine gemeinsame Datengrundlage für die Netzplanung. Die Software ermöglicht es, unterschiedliche Zukunftsszenarien durchzuspielen, kritische Netzbereiche frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen für Verstärkung und Ausbau abzuleiten. Gerade kleine und mittlere Stadtwerke, welche oft unterschiedliche Energienetze betreiben, können ihre Infrastruktur so vorausschauender planen und Entscheidungen schneller an veränderte Rahmenbedingungen anpassen. Die technologische Basis des Unternehmens entstand aus langjähriger Forschung am Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE und der Universität Kassel. Die Gründer Dr. Leon Thurner, Jannis Kupka und Simon Drauz-Mauel beschäftigten sich dort über viele Jahre mit der Modellierung von Netzen und waren maßgeblich an der Entwicklung der weltweit genutzten Open-Source-Standards pandapower und pandapipes beteiligt. Mit retoflow haben sie diese wissenschaftlichen Grundlagen in eine anwenderfreundliche Software für den praktischen Einsatz in der Versorgungswirtschaft überführt.
Finanzierung sichert weiteres Wachstum
Mit diesem Ansatz konnten die Gründer in den letzten Jahren bereits am Markt punkten: Aus den ersten Pilotprojekten ist ein schnell wachsendes Softwaregeschäft mit langfristigen Kundenbeziehungen und steigenden wiederkehrenden Umsätzen entstanden. Inzwischen gewinnt retoflow erste internationale Kunden und hat bereits über mehrere Geschäftsjahre hinweg profitabel gewirtschaftet. „Netzplanung darf angesichts der Geschwindigkeit der Energiewende kein statischer Prozess mehr sein. Unsere Kunden brauchen eine belastbare Datengrundlage, mit der sie unterschiedliche Szenarien schnell bewerten und ihre Infrastruktur vorausschauend entwickeln können. Mit der Finanzierung können wir unseren bisherigen Wachstumskurs fortsetzen und unsere Technologie für weitere Kundengruppen verfügbar machen“, sagt Dr. Leon Thurner, Mitgründer und Geschäftsführer von retoflow.
Zusätzliches Wachstumspotenzial bietet die Übertragbarkeit der Technologie auf weitere Bereiche der Versorgungsinfrastruktur. Während Stromnetze bislang den Schwerpunkt bilden, kommt die zugrunde liegende Modellierungs- und Simulationslogik zunehmend auch bei Gas-, Wasser- und Wärmenetzen zum Einsatz und kann perspektivisch für weitere Anwendungsfälle erweitert werden. Christoph Wolf, Investment Manager bei der BM H, ergänzt: „Die Verteilnetze sind das operative Rückgrat der Energiewende. Damit steigt der Bedarf an Werkzeugen, die Netzbetreibern helfen, komplexe Ausbauentscheidungen schneller und fundierter zu treffen. retoflow bietet dafür eine technologisch starke und praxisnahe Lösung, die sich bereits erfolgreich im Markt etabliert hat. Wir freuen uns, retoflow in der nächsten Wachstumsphase zu begleiten. “


