Target Partners GmbH (Ausgabe 7/2005)

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Mit Vorsicht investiert
Die Gründung fiel in die Hochzeit des Booms. Als sich die drei Gründer von Target Partners, Dr. Berthold von Freyberg, Waldemar Jantz und Kurt Müller, Ende 1999 zusammenfanden, kannte die Euphorie bezüglich Technologie-Investitionen keine Grenzen. Auch Target Partners wurde mit Angeboten, in junge Unternehmen zu investieren, geradezu überschwemmt. Allein bis Ende 2000 gingen etwa 1.000 Geschäftspläne über die Schreibtische der Partner, die jedoch sehr vorsichtig agierten. Die meisten Geschäftsideen bzw. die verlangten Bewertungen erschienen den Partnern derart unrealistisch, daß bis Mitte 2001 lediglich ein Investment aus dem 112 Mio. Euro großen Fonds eingegangen wurde. Der größte Teil der mittlerweile 16 abgeschlossenen Beteiligungen erfolgte in den folgenden drei Jahren zu wesentlich realistischeren Konditionen.

Gemeinsame Erfahrungen und Nähe zur Beteiligung
Target Partners setzt für den Erfolg der Investitionsstrategie vor allem auf die operative Erfahrung des eigenen Teams als Manager in der IT-Branche und als VC-Investoren. Wie die von ihnen unterstützten Unternehmer haben die Partner Produkte und Dienstleistungen entwickelt sowie vermarktet, Mitarbeiter geführt, Investitionen getätigt, Finanzierungen gesichert und nicht zuletzt Unternehmen an die Börse gebracht. „Wir können unsere Beteiligungen bei allen wichtigen Fragen der Unternehmensentwicklung unterstützen“, sagt Dr. Berthold von Freyberg, Partner bei Target Partners in München. „In den ersten Jahren sind vielfältige operative und strategische Probleme zu lösen, bei denen ein erfahrener Partner mit ähnlichem Hintergrund wertvolle Hilfe leisten kann.“ Zur Nähe im Denken und in der unternehmerischen Erfahrung kommt bei den Investitionen von Target Partners idealerweise auch die räumliche Nähe. „Gerade bei kleinen Firmen ist es wichtig, daß sich die Entscheidungsträger ohne zu großen Aufwand immer wieder gegenüber sitzen können“, ist von Freyberg überzeugt. 

Aus Deutschland heraus weltweit operieren
Die Beteiligungsunternehmen im Portfolio haben alle ihren Sitz in Deutschland, sicher ungewöhnlich in der VC-Branche. „Der Sitz in Deutschland ist kein Selbstzweck, wichtig ist die jederzeitige Erreichbarkeit“, erläutert von Freyberg. „Dabei sind unsere Beteiligungen aber international operierende Unternehmen, die von Deutschland aus auf den Weltmarkt zielen.“ Alle Partner von Target Partners haben eigene berufliche Erfahrungen in den USA und in relevanten Branchen und können die Beteiligungen daher auch bei der Internationalisierung unterstützen. Auch bei der eigenen Organisation achten die Partner darauf, daß die Entscheidungs- und Kommunikationswege kurz bleiben. Daher hat Target Partners sich von vornherein auf ein Büro in München konzentriert und besteht auf einer schlanken Organisation. „Wir wollen uns nicht mit uns selbst beschäftigen“, so von Freyberg. Für den Unternehmer sind immer ein Partner und oft ein weiterer Investment Professional direkte Ansprechpartner.

Von Strukturveränderungen profitieren
Aus dem bestehenden Fonds können noch bis zu etwa fünf Beteiligungen eingegangen werden. Darüber hinaus sollen Reserven gehalten werden, um im Bedarfsfall ausreichend nachinvestieren zu können. Die Höhe einer Anfangsinvestition liegt in der Regel zwischen 0,5 und 3 Mio. Euro; Target Partners übernimmt vorzugsweise die Rolle des Lead-Investors und ist bei allen bestehenden Beteiligungen zumindest Co-Lead-Investor. Gesucht werden junge Technologie-Unternehmen, die von dem Umbruch in ihren Sektoren profitieren können. Schwerpunkte im bestehenden Portfolio bilden Informationstechnologie, Umwelttechnologien, Telekommunikation, elektronische Komponenten, Dienstleistungen, Medien und Medizintechnik.

Vom Markt leiten lassen
„Unternehmer sehen Chancen für neue Märkte in der Regel als Erste. VC-Investoren bekommen technologische Umbrüche meist erst dann mit, wenn die Unternehmer sie darauf ansprechen“, sagt von Freyberg. Aufbauend auf den bestehenden Erfahrungen filtert das Team von Target Partners aus den an sie herangetragenen Geschäftsplänen die erfolgversprechenden Beteiligungsmöglichkeiten heraus. Derzeit sieht von Freyberg in Deutschland im Bereich der Infrastruktur- und Designtechnologien für die Chipherstellung, in der Energie- und Umwelttechnik sowie bei neuen Technologien für die Medienbranche Potential. Mit der ChipVision Design Systems AG hält Target Partners bereits eine Beteiligung, die eine Software entwickelt hat, die den Stromverbrauch und die Hitzeentwicklung bei Chips reduziert; ein ganz großes Problem der Chipindustrie. Das Unternehmen hat seit dem Zeitpunkt der Beteiligung im Mai 2003 die Mitarbeiterzahl auf 25 verfünffacht und Märkte in den USA, Europa und Asien erschlossen. Für die Medienbranche entwickeln Unternehmen neue Technologien, die stark auf Informationstechnologie gestützt sind und über die das interaktive Fernsehen neue Umsatzpotentiale für die unter rückläufigen Werbeeinnahmen leidende Branche erschließen kann.

Erst bestehende Aufgaben lösen, dann neue Projekte angehen
Für Target Partners selbst steht die Konzentration auf das Portfolio zur Zeit im Vordergrund. „Wir wollen erst mal das weiter aufbauen, was wir angefangen haben“, umreißt von Freyberg die mittelfristigen Ziele. „Die Betreuung eines Portfolios erfordert viel Engagement.“ Ein neues Fundraising ist daher erst für 2006 geplant. Auch in dieser Hinsicht will sich Target Partners von den Signalen des Marktes anregen und leiten, aber nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Ralf Thielemann

Investitionskriterien Target Partners
– Junge Unternehmen in IT, Telekommunikation, Medien,  alternative Energien
– Hohes Wachstumspotential
– Hervorragendes Management
– Klar erkennbare Wettbewerbsvorteile
– Anfangsinvestition in der Regel 0,5 bis 3 Mio. Euro
– Lead- oder Co-Lead-Investor
– Klare Aussicht auf Börsengang oder ähnlichen Exit