„Der Preis war nicht der allein entscheidende Faktor“

<

VC-Magazin: Vor wenigen Tagen haben Sie den Berlin Capital Fund von der Landesbank Berlin übernommen. Wie setzt sich das Portfolio zusammen, und wie passt es zur Avida Group?
von Berger: Der Berlin Capital Fund hatte nicht nur in kleinere Mittelständler, sondern auch in Frühphasenunternehmen investiert. Heute umfasst der Fonds 14 Unternehmen aus unterschiedlichsten Industriebereichen. Einschließlich unserer weiteren Sekundär- und Primärfonds, die jeweils auf ausgewählte Industriesektoren spezialisiert sind, haben wir über 35 erfahrene Industrieexperten und Investmentmanager in den verschiedenen spezialisierten Managementteams. Wir investieren sowohl in Frühphasen- und Wachstumsfinanzierungen als auch in Small- und Mid Cap-Unternehmen. Der Berlin Capital Fund passt damit hervorragend in unser Gesamtportfolio, und wir freuen uns über diese Transaktion und auf die bevorstehende weitere – hoffentlich wertsteigernde – Begleitung der Unternehmen.

VC-Magazin: Wie sieht Ihre Strategie für die zugekauften Beteiligungen aus?
von Berger: Wie bei uns üblich wird sich ein eigenes Team der Avida Group um die Weiterentwicklung des Portfolios kümmern, das mehrheitlich rund um Berlin ansässig ist. In einigen Fällen denken wir bereits über Zukäufe nach. Durch die fondsübergreifende Vernetzung der Managementteams innerhalb der Avida Group entstehen regelmäßig Synergiepotenziale zwischen einzelnen Beteiligungen. Mit dem Berlin Capital Fund werden wir aber keine Engagements in neue Unternehmen eingehen – es sei denn, es sind Add-on-Akquisitionen zu den bestehenden.

VC-Magazin: Ende 2006 haben Sie vier Unternehmen von der Afinum Management GmbH übernommen. Beobachtern zufolge gab es einen intensiven Bieterwettbewerb um das Portfolio. Was gab Ihrer Meinung nach den Ausschlag dafür, dass Sie den Zuschlag erhalten haben?
von Berger: Einige der Gründe waren sicherlich, dass der Schwerpunkt unserer Tätigkeit in der DACH-Region liegt und zuverlässige, kapitalstarke und renommierte Investoren hinter uns stehen. Wir haben darüber hinaus einen guten Draht zu den Verkäufern aufgebaut und sie davon überzeugt, dass wir ein vertrauensvoller und erfahrener Partner für solche komplexen Transaktionen sind.

VC-Magazin: Wie wichtig war der Preis?
von Berger: Der Preis ist immer wichtig. Nach unseren Informationen haben wir in diesem Fall jedoch nicht den höchsten geboten. Für Afinum war neben dem Preis und der Abschlusswahrscheinlichkeit entscheidend, dass diese vier prosperierenden Unternehmen von Managern übernommen werden, die sie unternehmensspezifisch weiterentwickeln können. Insofern war der Preis bestimmt ein wesentliches Kriterium, aber nicht der allein entscheidende Faktor.

VC-Magazin: Könnten Sie sich vorstellen, weitere Transaktionen durchzuführen, die mit der Übernahme des Afinum-Portfolios vergleichbar sind?
von Berger: Auf jeden Fall! Die Übernahme bestehender Beteiligungsportfolios steht weiterhin in unserem Fokus. Bei den Portfolios kann es sich um mittelständische Unternehmen mit Umsätzen zwischen 20 und 200 Mio. Euro und darüber hinaus handeln, genauso aber auch um Portfolios mit Unternehmen in früheren Phasen. Im Übrigen investieren wir mit unseren Fonds nicht nur in Portfolios, sondern auch in einzelne Unternehmen in diesen Bereichen.

VC-Magazin: Vielen Dank für das Gespräch!                       

 

Das Interview führte Andreas Uhde.

 

Zum Gesprächspartner:
Clemens von Berger ist geschäftsführender Gesellschafter und Gründer der Avida Group. Nachdem er das Unternehmen zunächst als konzerneigene Private Equity-Gesellschaft der Ergo Versicherungsgruppe aufgebaut hatte, wird das Unternehmen seit seinem Management Buyout im Jahr 2004 partnerschaftlich geführt. Mit den Geschäftsfeldern Direktbeteiligungen, Portfoliokäufe und Fondsinvestments deckt die Avida Group ein breites Spektrum des Private Equity-Marktes ab.