„Eine J-Kurve wird es bei uns nicht geben“

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VC Magazin: LHI ist bekannt für strukturierte Finanzierungen und Immobilien-Leasing – wieso beginnen Sie nun mit Private Equity?

Porr: Wir sind durch unsere Strukturierungen faktisch seit 30 Jahren als Mittelstandsfinanzier tätig. Aus zahlreichen M&A-Prozessen und Projektfinanzierungen sind wir es gewöhnt, uns Unternehmen sehr genau anzuschauen – mit dem gleichen Aufwand und der gleichen Intensität, wie es auch ein Equity-Investor tun würde. Dass wir mit unseren Prüfungsverfahren gute Arbeit leisten, zeigen unsere geringen Ausfallquoten. Das erste Private Equity-Produkt ist somit ein logischer Weiterentwicklungsschritt.

 

VC Magazin: Warum die Konzentration auf das regionale Risiko Europa, das Größenklassenrisiko Mid Cap und den Buyout-Bereich?

Porr: Die Spanne der für uns interessanten Unternehmenswerte reicht von 5 bis 250 Mio. Euro. Der Midmarket ist mit 445 Transaktionen 2006 das größte Segment in Europa und bietet mit 84 neu aufgelegten Fonds eine ausreichende Auswahl, um einen Dachfonds sinnvoll zu bestücken. Außerdem sind in diesem Segment die Kaufpreise als Vielfaches der EBITDAs noch moderat und nur gering mit Fremdkapital gehebelt – was uns sehr sympathisch ist. Die Konzentration auf Europa macht Währungsrisiken weitgehend vermeidbar, zudem sind die Renditen für Buyouts in Europa nachhaltig höher als in den USA. Nebenbei bemerkt, sind wir der Meinung, dass die Konjunkturaussichten in Europa die besseren sind.

 

VC Magazin: Aus welchen Gründen wurde Access als Partner ausgewählt?

Porr: Bei Access ist erstens dasselbe Team tätig, das in der Vergangenheit tatsächlich eine Top Quartile-Performance hingelegt, sogar das Top Quartile outperformt hat. Wir haben auch intensiv mit Mitinvestoren gesprochen, darunter beispielsweise große amerikanische und finnische Pensionskassen, und die meisten Institutionellen sind bereits wiederholt bei Access-Fonds engagiert. Zweitens ist Access genau für das von uns favorisierte Midmarket-Segment Spezialist. Hier passieren selten preistreibende Auktionen, sondern operative Wertsteigerungen durch eine nachhaltig gute Managementleistung. Der Due Diligence-Prozess ist nachvollziehbar und transparent: Von 80 potenziellen Zielfonds wurde bei 20 eine Due Diligence durchgeführt und letztlich nur zehn davon ausgewählt. Ein großer Name allein reicht uns nicht, weil er keine Garantie dafür ist, Rendite aus diesem Fonds zu erhalten.

 

VC Magazin: Wie kommt man nachträglich in einen Dachfonds hinein, der schon seit 2005 investiert?

Porr: Der ACF III wurde erst im Dezember 2006 endgültig geschlossen, für unseren späten Einstieg hatten wir eine sehr überschaubare „Spätzeichnerprämie“ zu bezahlen. Die Konstellation dürfte einmalig sein, denn wir nehmen dadurch an Secondaries aus den Jahren 2000 und 2001 teil, nämlich mit den Zielfonds Quadriga II, Langholm und Star. Aus Langholm wurde die Beteiligung Just Retirement und aus Quadriga II Francotyp im letzten Quartal 2006 an die Börse gebracht. Eine vollständige Veräußerung erfolgt nach Ablauf der Lock-up Period. Die frühen Rückflüsse aus den Secondaries waren so hoch, dass wir auf zwei der quartalsweisen Kapitalabrufe bei unseren Investoren verzichten konnten. Die bekannte J-Kurve dürfte es also absehbar bei unserem Produkt nicht geben. Bereits jetzt stehen 16 der geplanten 20 bis 25 Zielfonds fest – wir sind also keineswegs in einen klassischen Blind Pool eingetreten. Mit 38% Midmarket-, 28% Small Cap- und 22% Special Situations-Zielfonds ist eine unserer Vorgaben – entsprechende Diversifikation – schon jetzt vorhanden.

 

VC Magazin: Worin liegt der Zusatznutzen der fixen Einzahlungstermine beim LHI-Fonds, wo doch der Dachfondsmanager ein hiervon abweichendes Liquiditätsprofil zu bewältigen hat?

Porr: Im Geschäft mit privaten Anlegern sind bedarfsgesteuerte Kapitalabrufe ungeeignet. Die Anleger wollen wissen, wann genau sie welche Mittel aufbringen müssen. Dass wir keine Unterdeckung in der Liquidität bekommen, werden wir zu vermeiden wissen. Dafür sorgen wir im Dialog mit Access. Bei Liquiditätsüberschüssen gegenüber den Kapitalabrufen der Zielfonds setzen wir Abrufe aus, wie zuletzt geschehen. Durch die Verrechnung von Rückflüssen auf Ebene der Referenzfonds ermöglichen wir uns eine begrenzte Overcommitment-Strategie und bringen so die Investitionssumme voll in der Anlageklasse zum Einsatz.

 

VC Magazin: Warum die exotische Gebührenstruktur mit Zuschlägen auf die Jahresgebühr je nach IRR?

Porr: Wir haben diese Kostenstruktur ganz bewusst gewählt und auf die übliche Performance Fee plus hohe Weichkosten verzichtet. Ein Initiator sollte nach unserem Empfinden nicht bei der Auflegung kräftig zulangen, sondern lieber später und erfolgsorientiert, wenn auch der Anleger bereits gut verdient hat.

 

VC Magazin: Welchen Rat möchten Sie interessierten Anlegern mit auf den Weg geben?

Porr: Jeder sollte Private Equity haben, aber nur in einer solchen Größe, die auch zur Allokation seines Gesamtvermögens passt. Liegt der Betrag dann unterhalb einer vernünftigen Mindestzeichnungsgröße, sollte er es ebenso bewusst nicht machen.

 

VC Magazin: Herr Porr, haben Sie vielen Dank!         

 

Volker Deibert


Zum Gesprächspartner

Oliver Porr ist Geschäftsführer der LHI Leasing GmbH. Die Gesellschaft mit Hauptsitz in München ist ein gemeinsames Tochterunternehmen von Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und Norddeutsche Landesbank Girozentrale (Nord/LB). Sie hat sich auf die Bereiche Immobilienleasing, Finanzierungslösungen für Unternehmen und Anlageprodukte für Investoren spezialisiert.