Transaktionsversicherungen auf dem Vormarsch

Panthermedia / Jörg Röse-Oberreich
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Representations & Warranties-Versicherungen, kurz R&W, bieten für die Käuferseite parallelen oder erweiternden Schutz vor drohenden Garantieverletzungen und die Verkäuferseite kann eine Absicherung gegen eine potenzielle Verletzung von vertraglich vereinbarter Haftung einkaufen. Tax oder Litigation Buyouts sowie Umwelthaftpflichtdeckungen hingegen beseitigen Transaktionshindernisse, indem sie unerwünschte Risiken von der Transaktion lösen. Die Motivationslagen für den Einsatz von Transaktionsdeckungen können sehr unterschiedlich sein. Kaufpreisoptimierung, Verbesserung der eigenen Position in einer Auktion, bilanzielle Finalität, Insolvenzsicherung, zusätzliche Sicherheit für finanzierende Banken, Absicherung der Verkaufserlöse zum Schutz der Limited Partner eines PE Funds, Ersatz für konventionelle Warranty Caps oder künstliche Verlängerung der Haftungsdauer sowie generell die Überbrückung von Interessenkonflikten und das Ausräumen von Deal-Hindernissen sind nur einige der Argumente.

Der Hauptmarkt für solche Versicherungslösungen weltweit ist London. Er besteht aus einer überschaubaren Anzahl von Marktteilnehmern. In jedem Fall ist der Einsatz von qualifizierten Intermediären ratsam, um den gewünschten Erfolg zu erzielen. Preislich liegen Garantieversicherungen in Europa bei 1 bis 2,5% auf die gekaufte Versicherungssumme, Sonderdeckungen aus den Bereichen Tax, Litigation oder Umwelt sind regelmäßig teurer, beginnen bei 2,5 bis 3% der Versicherungssumme und sind nach oben hin offen. Versichert werden bereits Deckungssummen von wenigen Hunderttausend Euro. Die Deckung kann je nach Komplexität des Deals und Ver­fügbarkeit der Unterlagen bereits innerhalb von 14 Tagen organisiert werden, bei komplexeren Transaktionen kann es bis zu 60 Tage dauern.   Versicherungslösungen kommen in Deutschland immer noch deutlich seltener zum Einsatz als zum Beispiel in den USA oder UK, wobei die weltweite Nachfrage nach Transaktionsdeckungen seit der sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abkühlung insgesamt deutlich anzieht.

Im ersten Halbjahr 2011 hat sich die Nachfrage nach solchen Deckungen im Vergleich zum ersten Halbjahr 2010 verdop­pelt. Insgesamt kann man weltweit von einer gekauften Versicherungssumme von rund 1,6 Mrd. USD ausgehen, wobei etwa 70% der Deckungen von der Käuferseite und 30% von der Verkäuferseite gekauft worden sind. Die Käufer kommen zu jeweils 50% aus dem Lager der strategischen Investoren und dem der Finanzinvestoren. Neben dem Interesse, die eigene Verhandlungsposition zu verbessern, und der Beseitigung von Hindernissen ist seit 2009 auch ein Anstieg der tatsächlichen Schäden zu verzeichnen. Bei etwa 25% der platzierten Policen liegen aktuell Schadensmeldungen vor. Es verbessern sich also nicht nur die Chancen auf einen erfolgreichen Deal, sondern auch die Sicherheit aller Beteiligten wird gesteigert, wenn es tatsächlich einmal zu einem Schadensfall kommt. Transaktionsversicherungen können damit ein interessanter Bau­stein im Handwerkszeug eines jeden Transaktionsbeteiligten sein.                                                                    

Julian Ostertag