Private Beteiligungen mit Business Angel-Syndikaten

Panthermedia
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Liest man die aktuellen Zahlen des Ernst & Young Biotechnologie-Reports für Deutschland, kann man positiv folgern, dass die Finanzierung deutscher Biotech-Unternehmen durch Risikokapital im Vergleich zum Vorjahr von 87 Mio. EUR auf 207 Mio. EUR gestiegen ist. Erstaunlicherweise wird dieser Schub im Alleingang von privaten Investoren getragen. Während institutionelle Investoren auf dem Rückzug sind, wurden 2012 rund 88 % des Risikokapitals mit Family Office-Beteiligung bereitgestellt. Das ist ein sattes Plus im Vergleich zum Vorjahr, in dem rund 60% der Risikokapitalbeteiligungen auf Family Offices zurückgehen. Dieser Trend wirft die Frage auf, ob man – getreu des Titels des diesjährigen E&Y-Reports – tatsächlich bei Life Sciences-Finanzierungen umdenken und private Investoren stärker in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken muss.

Nicht jeder Privatinvestor ist gleichzeitig ein finanzstarkes Family Office. Daher kann insbesondere im klassischen Business Angel-Umfeld das Werkzeug der Syndizierung helfen, um den – im Vergleich zu anderen Branchen – recht hohen Finanzierungsbedarf von Life Sciences-Unternehmen zu decken. Man versteht darunter den Zusammenschluss mehrerer Business Angels, also oftmals höchst engagierter Persönlichkeiten mit entsprechend vollen Terminkalendern, die dennoch für ein erfolgreiches Syndikat einen gemeinsamen Nenner finden müssen.

Diese Zusammenschlüsse bieten zahlreiche Vorteile und legen für ein junges Unternehmen häufig den notwendigen Grundstein für Anschlussfinanzierungen, bei denen z.B. Venture Capital-Gesellschaften mit größeren Volumina einsteigen. Hauptvorteile von Syndikaten sind die Risiko-, Arbeits- und Kostenteilung sowie die Möglichkeit, sich an interessanten Unternehmen zu beteiligen, die sonst den eigenen finanziellen Rahmen übersteigen würden; des Weiteren die Chance, gegenseitig vom Erfahrungsschatz und Netzwerk der beteiligten Business Angels zu profitieren, um somit das eigene Investmentengagement abzusichern. Trotz bester Absichten und größter Entschlossenheit aller Beteiligten bringt der Anbahnungsprozess aufgrund unterschiedlicher Interessenslagen und unterschiedlichem Risikoverhalten oftmals viele Abstimmungsschwierigkeiten mit sich, so dass Deals auch in letzter Sekunde durchaus scheitern können. Zudem ist der rechtliche Rahmen eines Syndikat-Deals aufwendiger, bspw. ist das Pooling, die Liquiditätsbündelung, genau zu regeln. Trotz allem kann bei der Bildung eines Syndikats unter den beteiligten Partnern oft ein besonderes Vertrauen entstehen, nicht zuletzt weil sie sich mit teils erheblichem Aufwand durch die zahlreichen grundlegenden Abstimmungsprozesse und Fragen arbeiten mussten.

Die Advanova GmbH, eine Ausgründung aus der Universität Erlangen-Nürnberg, konnte Anfang 2013 mit Hilfe von capmatch medical, einem Projekt der erfolgreichen Unternehmerinitiative und Technologiefinanzierungsexperten von netzwerk nordbayern, – für ihre mobil nutzbare elektronische Patientenkurve „VMobil“ erfolgreich eine erste Finanzierungsrunde mit einem Investment von High-Tech Gründerfonds, Bayern Kapital und einem Syndikat von fünf Business Angels abschließen.

Für alle Beteiligten, insbesondere das Unternehmerteam, war die Anbahnung des Beteiligungsvertrags ein extrem aufwendiger Prozess. Sieben Investoren mit ihren unterschiedlichen Ausgangssituationen, Bedürfnissen und Prüfungsprozessen aufeinander abzustimmen, kam zwischendurch einer Herkulesaufgabe gleich. Heute ist das Unternehmen aber gerade durch die Kombination der unterschiedlichen Partner sehr professionell aufgestellt und hat zusätzlich zum Kapital einen ganzen Baukasten voll Know-how an Bord. Mit Hilfe der Business Angels konnten bei Advanova beispielsweise Qualitäts- und Zulassungsprozesse schneller professionalisiert und der Zugang zu vielversprechenden Klinikkunden eröffnet werden. Darüber hinaus haben die öffentlichen Investoren High-Tech Gründerfonds und Bayern Kapital ausreichend Finanzmarkt-Know-how und etablierte Kontakte zu zukünftigen Investoren. Alles in allem eine komfortable Ausgangssituation für den Marktausbau und mögliche weitere Finanzierungsrunden.

Um die Hürden bei der Syndikatsbildung in Finanzierungsprozessen zu verringern und am Ende mehr erfolgreiche Syndikate zu realisieren, hat das netzwerk nordbayern gemeinsam mit Business Angels einen strukturierten Syndizierungsprozess erarbeitet. Dieser hilft alle wichtigen Themen frühzeitig und transparent zu adressieren, damit diese später nicht zum „Dealbreaker“ werden. Der Fokus liegt von Anfang an auf dem intensiven Austausch zwischen allen Parteien. Parallel stellt das netzwerk nordbayern den Business Angels das nötige Handwerkszeug wie Bewertungs-Know-how und Vorlagen – z.B. Poolvertrag und Term Sheet – zur Verfügung und vermittelt zwischen Business Angels und dem Unternehmerteam. Sobald eine solide Basis für die Zusammenarbeit geschaffen ist, steht das Netzwerk als passiver Begleiter, und bei Bedarf als Sparringspartner, zur Verfügung.

Der Syndizierungsprozess des netzwerk nordbayern, der auch hinter dem spezialisierten Life-Sciences Finanzierungsnetzwerk capmatch medical steht, bietet einen Rahmen, um individuelle Syndikate einfacher anzustoßen und systematisch umzusetzen. Eine Entwicklung, die Deutschland und gerade auch die Life Sciences-Branche dringend braucht, da Syndikate mehr Kapital für Start-ups bereitstellen können bzw. eine solche Finanzierung in manchen Fällen überhaupt erst möglich machen.

Zu den Autoren:

Dr. Benedikte HatzAlexander BeckerDr. Benedikte Hatz ist Geschäftsführerin der Unternehmerinitiative netzwerk nordbayern und akkreditierter Coach beim High-Tech Gründerfonds und der Bayern Kapital. Alexander Becker betreut seit 2008 Unternehmer bei ihrer Gründung und begleitet sie durch den gesamten Finanzierungsprozess. Als Projektleiter des Vermittlungsservices capmatch medical ist er erster Ansprechpartner sowohl für kapitalsuchende Unternehmer als auch für Investoren.