Umfrage unter Venture Capital-Gebern

Gute Präsentationsfähigkeiten sind gefragt
<

Gute Vorbereitung bei der Ideenpräsentation und bitte nicht das E-Commerce Start-up beim Fonds für BioTech vorstellen. In unserer Investorenumfrage haben wir Venture Capitalisten gefragt, was junge Entrepreneure brauchen, um sie von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen und welche Fehler man beim Unternehmenspitch auf jeden Fall vermeiden sollte. Die besten Antworten haben wir hier für euch zusammengefasst.

Was erwartet Ihr von Start-ups, die sich bei Euch vorstellen?

Uwe Bräuer, Geschäftsführer, Genius Venture Capital:

Wir erwarten, dass sich die Gründer auf das Treffen sehr gut vorbereiten. Wir machen es auch. Dazu gehört zwingend auch ein Grundwissen in Sachen Venture Capital. Die Gründer müssen Erfolgswillen zeigen und Begeisterung ausstrahlen, im Gespräch authentisch sein. Schließlich geht es für beide Seiten um eine mehrjährige Verbindung – da muss man zueinanderpassen. Darüber hinaus erwarten wir Realitätssinn, Ehrlichkeit und keine Geheimniskrämerei.

Jürgen Kosch, Vorstand, MIG Verwaltungs AG:

Das Gründerteam sollte seine Geschäftsidee überzeugend „verkaufen“ können und hierzu die wichtigsten Facetten beleuchten. Wir erwarten von der Präsentation eine objektive Antwort auf die Frage, wie und warum mit diesem Team und dieser Geschäftsidee eine deutliche Wertsteigerung für die MIG Fonds erreichbar sein wird. Besonders wichtig ist es uns, die auf diesem Weg auftretenden Risiken, Chancen und Herausforderungen klar aufgezeigt zu bekommen.

Bernd Schrüfer, Geschäftsführer, Astutia:

Wir erwarten von den Gründern, dass sie ihre Idee überzeugend auf den Punkt bringen können und dass ein Proof of Concept existiert – wie das im Einzelfall aussieht, kann unterschiedlich sein. Uns ist es wichtig, die Personen hinter dem Unternehmen und ihre Herangehensweise kennenzulernen.

Dr. Marcus Gulder, Leiter Innovation/Venture Capital, Bayerische Beteiligungsgesellschaft:

Auf der Grundlage eines aussagekräftigen Businessplans – damit wir uns auf das Gespräch vorbereiten können – erwarten wir von einem Erstgespräch, dass uns die Gründer persönlich und mit dem vorgestellten Geschäftskonzept überzeugen. Damit wir bei der nachgelagerten internen Projektdiskussion folgende Fragestellungen für uns positiv beantworten können: Funktionierendes Team bzw. notwendige Ergänzung erkannt? Interessantes Marktpotenzial? Technologische Alleinstellung mit klarem Kundennutzen? Fokussierte, nachvollziehbare Markterschließung mit realistischem Kapitalbedarf geplant?

Dr. Ingo Potthof, Geschäftsführer und Managing Partner, UnternehmerTUM-Fonds:

Team2

Wir erwarten vom Gründerteam erstklassiges Technologieverständnis und gute Managementfähigkeiten. Der Kundennutzen des Geschäftes muss klar gegeben sein, ebenso nachhaltige Wettbewerbsvorteile. Die adressierbaren Märkte sollten groß und möglichst international, die Markteintrittsstrategie überzeugend sein. Wir bevorzugen Teams, die bereits Marktfeedback vorweisen können – sei es durch den Prototypeneinsatz bei einem potenziellen Geschäftskunden oder durch erste Erkenntnisse aus der Nutzung und Konvertierungen im Konsumentengeschäft.

 

Christian Siegele, Partner, Capnamic Ventures:

Zunächst empfehlen wir den Start-ups, sich zu informieren, welcher Investor thematisch zu ihnen passt. Ein Biotech Fund wird vermutlich nicht in ein E-Commerce Start-up investieren. Eine zielgerichtete Ansprache spart den Gründern Zeit und Aufwand. Bei der Vorstellung an sich erwarten wir von den Gründern, dass sie ihr Geschäftsmodell und den Markt genau kennen und die entsprechenden KPIs parat haben. Darüber hinaus wollen wir bei den Gründern Leidenschaft und Drang nach Erfolg spüren.

Dr. Michael Lübbehusen, Vorstand, eCapital entrepreneurial Partners:

Wir erwarten eine gute Vorbereitung auf den Termin. Dazu gehört nicht nur, dass in den Unterlagen und im persönlichen Termin eine strukturierte Darstellung der wesentlichen Aspekte erfolgt, sondern die Vertreter der Start-ups sollten auch wissen, mit wem sie es zu tun haben. Die seriöse Prüfung eines Projektes benötigt Zeit; diese sollte man uns zugestehen.

Wolfgang Lubert, Geschäftsführer, EnjoyVenture:

Wir erwarten von den Start-up-Teams ein verbindliches Auftreten und den entsprechenden Biss. Als wichtig empfinden wir, dass komplexe Dinge so erklärt werden können, dass sie jedermann versteht. Folien-Orgien und Geschwafel bringen beide Seiten nicht voran. Ausschlaggebend für eine positive Beurteilung ist die Orientierung am Kundennutzen und nicht an der Technologie.