Mediation im Beteiligungsgeschäft: nichts für Weicheier

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Umso bedauerlicher, dass Mediation in der Venture Capital- und Private Equity-Industrie bislang weder hinreichend bekannt ist, noch davon größerer Gebrauch gemacht wird. Denn vor allem in diesem Geschäft werden tagein tagaus Verhandlungen geführt und dabei nicht selten recht diametrale Interessen vertreten. Konfliktpotenziale lauern also an allen erdenklichen Ecken und Enden. Gerungen wird dabei um Bewertungen, Meilensteine, Garantien, Haftungen und um vieles mehr. Am Anfang einer Geschäftsbeziehung tritt das noch nicht so offen zutage, denn man will ja miteinander ins Geschäft kommen. Daher werden unterschiedliche Positionen und Interessen in der Regel durch mehr oder weniger akzeptable Kompromisse miteinander vereint – oftmals nach dem Motto „Augen zu und durch“. Selbst mit der „Brechstange“ durchgesetzte Vertragsklauseln nimmt man im Lichte des angestrebten Abschlusses häufig in Kauf. Man will den Deal halt nicht gefährden. Da schluckt man schon mal die eine oder andere bittere Pille.

Gestörtes Sender-Empfänger-Verhältnis

Wie faul ein eingegangener Kompromiss tatsächlich war, stellt sich immer erst im Nachhinein heraus, also wenn zwei Parteien bereits eine Weile zusammenarbeiten und es hier erneut zu Verhandlungs- bzw. Konfliktsituationen kommt. Denn dann gibt es eine Vorgeschichte. Und wehe, da schlummern Themen, die man sich gemerkt hat und dem anderen immer schon mal sagen wollte: die Bewertung, die man seinerzeit schlucken musste, das viel zu geringe Gehalt, auf das man runtergedrückt wurde. Oder, oder, oder. Dann wird’s emotional. Und vor allem irrational. Denn was in diesen Situationen passiert, kommt einem Abbruch der Funkfrequenz gleich. Sender und Empfänger erreichen einander nicht mehr. Der eine will vielleicht tatsächlich nur einen sachlichen Aspekt erörtern, während der andere aufgrund seiner emotionalen Aufladung längst schon die Säbel wetzt. Und gar nicht mehr bereit ist, mit seinem Gegenüber eine sachliche Lösung zu entwickeln.

Der Rechtstreit ist selten eine Lösung

Meist sind es Kleinigkeiten, an denen sich Konflikte entzünden und aus denen ganz schnell handfeste und schließlich völlig verfahrene Streitsituation entstehen. Als Außenstehender fragt man sich regelmäßig, warum in aller Welt hier aus einer Mücke ein Elefant gemacht wird, wo doch allzu oft die Lösung unmittelbar auf der Hand liegt. Das Problem ist allerdings, dass die Konfliktparteien in so einem Moment längst zugemacht haben und es ihnen gar nicht mehr um die Sache, sondern um Befindlichkeiten geht. Vermeintliche Sachargumente werden in Konfliktsituationen insofern nur dafür bemüht, Positionen zu manifestieren, nicht aber um wirkliche Lösungen zu erarbeiten. Nach herkömmlicher Denkart bleibt für solche Zustände nur noch die gerichtliche Auseinandersetzung. Ein Gerichtsverfahren beschäftigt sich aber ausschließlich mit Symptomen, es ist jedoch nicht geeignet, die tiefer liegenden Gründe für den entstandenen Konflikt aufzudecken oder gar zu lösen. Im Gegenteil werden ein Gerichtsverfahren und ein am Ende gesprochenes Urteil, das eine der Parteien zum Sieger und die andere zum Verlierer macht, die emotionale Verhärtung zwischen den Parteien eher noch verschlimmern.